Ernährung: Warum zuviel Abwechslung ungesund ist

Kuchen oder Obst - was soll ich essen?
Süßes oder Gesundes? Die Wahl fällt bei Diäten oft schwer. Aber laut dieser Studie müssen Sie sich zum Abnehmen nicht von allen Gewohnheiten verabschieden © Fotolia

Viele Menschen glauben, dass die besten Ergebnisse beim Abnehmen durch eine abwechslungsreiche Ernährung erzielt werden. Amerikanische Forscher haben diese Behauptung jetzt zum ersten Mal untersucht.

Sie wollen zwar durch eine abwechslungsreiche Ernährung abnehmen, aber trotzdem jeden Morgen Ihr geliebtes Müsli essen? Dann tun Sie es einfach! So lässt sich das Ergebnis einer amerikanischen Studie zusammenfassen, die in der Online-Fachzeitschrift „PLOS ONE“ vorgestellt wurde. Wissenschaftler der Abteilung Health Science Center der University of Texas und der Friedman School of Nutrition Science and Policy haben untersucht, ob eine abwechslungsreiche Ernährung wirklich einen positiven Einfluss auf eine Diät hat. Ihr Fazit: Es sei für den langfristigen Diäterfolg besser, eine geringe Menge gesunder Lebensmittel häufig zu essen, als sich besonders abwechslungsreich zu ernähren.

 

Frühere Studie diente als Basis

Für ihre Studie zogen die Forscher die „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ heran, in der das Ernährungsverhalten von rund 7.000 Amerikanern unterschiedlicher ethnischer Herkunft untersucht wurde. Zu den Teilnehmern gehörten schwarze und weiße sowie spanisch- und chinesisch-amerikanische Personen. In der Studie wurde unter anderem festgehalten, wie oft welches Lebensmittel auf dem Speiseplan der Teilnehmer stand, die jeweilige Anzahl der verzehrten Kalorien sowie die Unterschiede zwischen den Nährwerten.

Besonders interessant für die Forscher war die Entwicklung des Bauchumfangs der Testteilnehmer. Bauchfett kann ausschlaggebend für die Gesundheit sein – je mehr Bauchfett vorhanden ist, desto höher ist das Risiko für beispielsweise schlechte Cholesterin- oder Blutdruckwerte sowie chronische Krankheiten. Daher untersuchten die Wissenschaftler die Veränderungen des Bauchumfangs der Teilnehmer jeweils einmal fünf Jahre nach Beginn der Studie und dann noch einmal fünf Jahre später. Dabei notierten sie, wie viele Testpersonen in der Zwischenzeit Diabetes Typ II entwickelt hatten.

Müsli zum Frühstück
Wer morgens lieber Müsli als Brot isst, kann dies auch während einer Diät weiter tun – solange auch genug gesunde Lebensmittel regelmäßig auf dem Speiseplan stehen© Fotolia
 

Schlechtes Diätergebnis durch abwechslungsreiche Ernährung

Als nächstes verglichen die Forscher, wie viele unterschiedliche Lebensmittel die Testteilnehmer pro Woche verzehrt und wie viele Kalorien sie so zu sich genommen hatten. Das überraschende Ergebnis: Die Teilnehmergruppe, die am meisten auf eine abwechslungsreiche Ernährung geachtet hatte, bekam die schlechtesten Gewichtsergebnisse bei der Diät. „Diese Gruppe hat zwar abwechslungsreicher gegessen, dabei aber weniger gesunde Lebensmittel wie Früchte und Gemüse zu sich genommen. Stattdessen haben die Teilnehmer häufiger zu ungesundem Essen wie fettreichem Fleisch oder Desserts gegriffen“, so Studienautorin Dr. Marcia C. de Oliveira Otto.

Viele Teilnehmer der Gruppe hatten sogar zugenommen: Im Durchschnitt war ihr Bauchumfang während der Studienzeit 20 Prozent größer geworden als bei Testpersonen, die nicht auf eine abwechslungsreiche Ernährung geachtet hatten. Auch für die Vorbeugung von chronischen Krankheiten bringt eine abwechslungsreiche Ernährung offenbar wenig: Die Studiengruppe hatte ein genauso hohes Risiko für Diabetes Typ II wie andere Diätgruppen.

Dr. Dariush Mozaffarian, Chefautor der Studie, rät daher für eine erfolgreiche Diät, eine überschaubare Menge an gesunden Lebensmitteln zu essen. Diese sollten aber regelmäßig, idealerweise täglich, mindestens aber drei- bis viermal die Woche auf dem Speiseplan stehen. Dafür kann man dann morgens auch ohne schlechtes Gewissen sein Müsli essen.

Hamburg, 3. November 2015

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