Ernährung in der Schwangerschaft – was ist zu beachten?

Dr. med. Nadine Hess

Der Test ist positiv – endlich schwanger! Und plötzlich schwirren so viele Fragen im Kopf herum. Man möchte unbedingt alles richtig machen, um dem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Da ist die Ernährung der werdenden Mutter doch besonders wichtig.

Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Je abwechslungsreicher die Ernährung in der Schwangerschaft ist, desto seltener erkranken die Kinder später an Allergien.“ © privat

Was sollte bei Lebensmitteln also beachtet werden? Sind bestimmte Nahrungsmittel tabu und wenn ja, warum? 

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Grundsätzlich gilt für werdende Mütter, was für alle Menschen gilt: die Ernährung sollte möglichst vollwertig und vielfältig sein. Viel Obst und Gemüse – bitte immer gut abwaschen –, mindestens einmal in der Woche frischen Fisch und hin- und wieder Fleisch. Vegetarier und Veganer sollten bezüglich der Ernährung mit Ihrem Frauenarzt sprechen, um mögliche Versorgungslücken zu schließen. Grundsätzlich sind diese Ernährungsformen auch in der Schwangerschaft fortführbar, aber gerade bei Veganern kann es zu sehr niedrigen Werten von Eisen, Folsäure und Vitamin B12 kommen, die für die gesunde Entwicklung des Babys wichtig sind.

Früher hat man empfohlen, dass die werdende Mutter auf Lebensmittel verzichtet, die hohes allergenes Potential haben, wie zum Beispiel Erdnüsse, Fisch oder Eier. Heute weiß man, dass genau das Gegenteil sinnvoll ist – je abwechslungsreicher die Ernährung in der Schwangerschaft ist, desto seltener erkranken die Kinder später an Allergien. Ist die Mutter selbst gegen Nahrungsmittel allergisch, müssen diese natürlich trotzdem weiterhin gemieden werden.

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Sollten Schwangere auch auf „richtige“ Getränke achten?

Auf jeden Fall sollten mindestens 1-1,5l Flüssigkeit pro Tag getrunken werden, möglichst Wasser oder Kräuter- oder Früchtetees. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes sollte auf Fruchtsäfte verzichtet werden, Saftschorlen mit einem höheren Wasser- als Saftgehalt (Mischungsverhältnis etwa 80:20 Prozent) sind allerdings unproblematisch.

Alkohol, auch in geringen Mengen, ist absolut tabu. Oft hört man: „Ein Gläschen ab und zu, das kann doch nicht schaden!“ Kann es aber doch – es gibt keine Schwellendosis, ab wann der Alkohol gefährlich für das Ungeborene wird und wahrscheinlich ist es bei jedem Menschen ein bisschen anders. Zudem kann die Leber des Babys Alkohol viel schlechter abbauen, so dass die schädigende Wirkung des Alkohols deutlich länger erhalten bleibt, auch bei kleinen Mengen Alkohol. Um kein Risiko einzugehen, sollten Sie also während der Schwangerschaft komplett auf Alkohol verzichten.

 

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Können bestimmte Lebensmittel für das Ungeborene gefährlich werden?

Zu den Lebensmitteln, die während der Schwangerschaft nicht konsumiert werden sollten, zählt Rohmilchkäse. Dieser kann mit sogenannten Listerien belastet sein, die eine lebensbedrohliche Infektion des Ungeborenen auslösen und zu Früh- und Totgeburt führen können. Zu Rohmilchkäse gehören z.B. Camembertsorten oder Parmesan. Auch Milch direkt vom Bauernhof, die nicht pasteurisiert ist, sollte aufgrund der möglichen bakteriellen Verunreinigung nicht getrunken werden.

Gesunde Ernährung während Schwangerschaft
Während einer Schwangerschaft sollte die Ernährung möglichst vollwertig und vielfältig sein. Rohmilchkäse und nicht durchgegarte Fleischprodukte können schädliche Erreger enthalten – darauf also möglichst verzichten© Fotolia

Problematisch sind ebenfalls nicht durchgegarte Fleischprodukte wie Tartar, Mett, Rohschinken oder ein blutig oder medium gebratenes Steak. Diese Produkte können sogenannte Toxoplasmose-Erreger enthalten. Toxoplasmose kann schwere Schäden, unter anderem an Augen und Gehirn des ungeborenen Kindes anrichten. Auch andere bakterielle Erreger können so übertragen werden, sodass auch auf diese Lebensmittel verzichtet werden sollte. Das gleiche gilt für rohen Fisch, wie zum Beispiel in Sushi.

 

Gibt es Tests, die das Blut der Schwangeren auf bestimmte Antikörper prüfen?

Zu Beginn der Schwangerschaft kann eine Bestimmung des Toxoplasmose-Titers durchgeführt werden, der zeigt, ob die Mutter gegen diesen Erreger bereits immun ist. Ist dies der Fall, so ist eine Infektion des Kindes während der Schwangerschaft, selbst bei versehentlichem Verzehr von mit Toxoplasmose-infiziertem Fleisch, höchst unwahrscheinlich. Dieser Test wird zwar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, gibt einigen Müttern aber eine zusätzliche Sicherheit. Auf ungenügend gekochtes oder gebratenes Fleisch sollte aber trotzdem verzichtet werden, da, wie bereits erläutert, auch andere Erreger durch rohes Fleisch übertragen werden können.

Bei Fragen sollten Sie sich immer vertrauensvoll an Ihren Frauenart/Ihre Frauenärztin wenden.

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