Ernährung bei Gicht: So sollte die Diät aussehen

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Bei Gicht lagert sich Harnsäure, ein Stoffwechselprodukt, in Gelenken oder Geweben ab. Das kann zu Schmerzen führen. Um das Gichtrisiko zu senken, sollte die Ernährung bei Gicht aus Lebensmitteln bestehen, die geringe Mengen an sogenannten Purinen enthalten. Alle wichtigen Infos.

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Inhalt
  1. Was passiert bei Gicht im Körper?
  2. Purine minimieren: Wie sieht der Ernährungsplan bei Gicht aus?
  3. Was können Patienten mit Gicht noch unternehmen?
  4. Reicht eine spezielle Gicht-Ernährung aus, um die Krankheit zu kontrollieren?

Vor Jahrhunderten galt Gicht als „Krankheit der Könige“. Wer sein Leben lang viel gegessen und viel Alkohol getrunken hat, litt im Alter an Gicht. Heute weiß man, dass bestimmte, aber keineswegs alle Lebensmittel eher zu meiden sind: Die richtige Ernährung kann bei Gicht helfen. 

 

Was passiert bei Gicht im Körper?

Zum Hintergrund: Gicht ist eine Erkrankung des Stoffwechsels. Aus Purinen entsteht in unserem Körper Harnsäure. Purine kommen in Speisen oder Getränken in unterschiedlicher Menge vor. Ihr Abbauprodukt wird durch unsere Nieren nicht richtig ausgeschieden und reichert sich in Gelenken oder in Weichteilgeweben an. Es kommt zu schmerzhaften Gichtanfällen. In den betroffenen Regionen – meist sind das kühlere Gelenke wie das Großzehengrundgelenk – lagern sich Harnsäure-Kristalle ab. Patienten erhalten gegen die resultierenden Beschwerden Schmerzmittel und eventuell Colchicin. Eine Ernährung speziell beim Gichtanfall gibt es nicht. Vielmehr muss der Speiseplan langfristig und dauerhaft umgestellt werden. Gicht ist eine chronische Erkrankung.

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Purine minimieren: Wie sieht der Ernährungsplan bei Gicht aus?

Ziel einer Gicht-Diät ist, dass Patienten möglichst wenig Purine zu sich nehmen. Diese Lebensmittel eignen sich aufgrund ihres niedrigen Puringehalts gut bei Gicht:

  • Milch und Milchprodukte, einschließlich Joghurt und Käse,
  • Obst,
  • Gemüse, vor allem Paprika, Tomaten und Gurken,
  • Mineralwasser,
  • ungesüßter Tee (auch schwarzer Tee), Kaffee und Kakao – das Coffein wird nicht zu Harnsäure umgesetzt,
  • Weißbrot oder Vollkornbrot,
  • geringe Mengen Wein.

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Aber auf was genau sollte man für das Essen bei Gicht besser verzichten?

Die folgenden purinhaltigen Lebensmittel gilt es zu meiden:

  • Innereien wie Leber, Niere, Kalbsbries,
  • Geflügel, hier vor allem die Haut,
  • Rind, Schwein, Wild,
  • Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen oder Erbsen,
  • Fische wie Heringe, Sprotten oder Forellen,
  • Krustentiere,
  • Hefe und Produkte wie Brühwürfel oder Fertigsuppen, die Hefe enthalten.

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Manche Speisen und Getränke sind aus anderen Gründen für Patienten mit Gicht schädlich: Dazu gehören Softdrinks oder Süßspeisen, die viel Fruchtzucker (Fruktose) enthalten; dieser Zucker erhöht über Umwege den Harnsäurespiegel ebenfalls. Außerdem sollte Alkohol gemieden werden. Dieser verringert die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Bier ist besonders schlecht – aufgrund des Puringehalts und wegen des Alkohols. 

 

Was können Patienten mit Gicht noch unternehmen?

Menschen mit Gicht sollten pro Tag rund zwei bis drei Liter trinken, falls aus ärztlicher Sicht nichts dagegenspricht. Besonders geeignet sind Mineralwasser oder ungesüßte Getränke. Denn so wird mehr Harnsäure ausgeschieden.

Haben Betroffene Übergewicht oder gar Adipositas (Fettleibigkeit), ist mit ihrem Arzt zu besprechen, wie sie das Körpergewicht normalisieren können. Wissenschaftliche Studien haben Zusammenhänge zwischen einem hohen Body-Mass-Index über 25, dem Konsum von viel Fleisch beziehungsweise Fisch und dem Gichtrisiko hergestellt. Als Normalbereich gilt ein Body-Mass-Index von 18,5 bis 24,9.

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Reicht eine spezielle Gicht-Ernährung aus, um die Krankheit zu kontrollieren?

Diäten allein senken den Harnsäurespiegel in vielen Fällen nicht stark genug. Deshalb verordnen Ärzte Medikamente, die die Wirkstoffe Allopurinol oder Febuxostat enthalten, um im Körper die Harnsäurebildung zu hemmen. Die Wirkstoffe Benzbromaron beziehungsweise Probenecid fördern die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Trotz dieser effektiven Therapien ist die Ernährung bei Gicht eine wichtige Maßnahme.

Quellen:

Gicht: Ernährungsempfehlungen & Tipps, in: Berufsverband Deutscher Internisten

Essen und Trinken bei Gicht, in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Informationen zur Ernährung. Die 7 goldenen Regeln bei Gicht, in: Deutsche Gicht-Liga

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