Erkältung selbst heilen

Ruhen Sie sich während einer Erkältung aus, damit Ihr Körper sich auf den Heilungsprozess konzentrieren kann
Ruhen Sie sich während einer Erkältung aus, damit Ihr Körper sich auf den Heilungsprozess konzentrieren kann © Fotolia

Hauptauslöser von Erkältungen sind sogenannte Rhinoviren. Davon gibt es mehr als 300 verschiedene. Um sie zu bekämpfen, müsste die Forschung für jedes einzelne ein eigenes Medikament entwickeln. Ein zu großer Aufwand für eine Erkrankung, die in der Regel nur sieben bis neun Tage dauert und selten bedrohlich ist.

Also helfen wir uns selbst und versuchen, dabei folgende drei Ziele zu erreichen: die Dauer des Infekts zu verkürzen, den Verlauf abzuschwächen und dafür zu sorgen, dass wir seltener krank werden. Dazu haben Wissenschaftler und Therapeuten der verschiedenen medizinischen Fachbereiche Methoden entwickelt, die sich ergänzen. Jede kann aber auch einzeln angewendet werden. Was diese Strategien gemeinsam haben, ist ihr ganzheitlicher Ansatz: nämlich von außen oder innen die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken, zu trainieren und zu verbessern.

 

Strategie 1: Heilung durch bewusstes Atmen

Die sogenannte Mind-Body-Medizin zielt darauf ab, die in jedem Menschen von Natur aus vorhandenen gesundheitsfördernden Potenziale zu wecken und zu stärken. Eine ihrer effektivsten Übungen ist das bewusste Atmen. Wenn wir nur zehn Minuten lang doppelt so lange ausatmen, wie wir einatmen, erlebt unser Körper eine vollständige Regeneration, die das Ende einer jeden Erkältungskrankheit einläutet. Denn eine verlangsamte Ausatmung fördert die Entspannung und optimiert den Sauerstoffgehalt im Blut. Die roten Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff von der Lunge in den gesamten Körper, denn er ist für die Zellen lebensnotwendig. Ballen wir beim tiefen Einatmen eine Hand zur Faust und lösen sie beim Ausatmen, wird die Produktion von sogenannten Makrophagen (auch unter der Bezeichnung Fresszellen bekannt), aber auch von natürlichen Killerzellen im Blut angeregt. Beides führt zum nachhaltigen Aufbau und zur spürbaren Stärkung unserer Selbstheilungskräfte.

 

Strategie 2: Wärme zur Vorbeugung nutzen

Das Wort „Erkältung“ lässt es schon vermuten: Kaum etwas schwächt unseren Körper so sehr wie Kälte und macht ihn dadurch anfällig für einen Infekt. Wärme mögen Viren jedoch nicht. Deshalb ist sie ein effektives Mittel zur Vorbeugung und Behandlung von Infekten.

Ein heißes Bad versetzt den Körper in eine Art künstliches Fieber. Die Blutgefäße in Haut und Muskeln weiten sich und Immunzellen gelangen schneller in die Schleimhäute, wo sie Viren bekämpfen können. Gleichzeitig entspannt sich die Muskulatur, Gliederschmerzen lassen nach. Auch andere Formen von Wärme – Fußbäder, Wärmflaschen, Schals, Tees – bringen das Immunsystem in Schwung.

Übrigens: Wie sehr unser Körper bei einem Infekt nach Wärme verlangt, zeigt schon der Mechanismus des Fiebers. Erkennt das Immunsystem einen Krankheitserreger, regt es das Wärmeregulationszentrum im Gehirn dazu an, den Sollwert des Körpers von 37 Grad Celsius nach oben zu verstellen. Die erhöhte Temperatur beschleunigt die Abwehrreaktionen des Körpers. Fieber ist einer der effektivsten Selbstheilungsmechanismen des Körpers, den wir nicht unterdrücken sollten.

 

Strategie 3: Im Schlaf neue Kräfte wecken

Wer krank ist, fühlt sich sofort müde und schlapp. Und das Beste, was er tun kann, ist, diesen Gefühlen nachzugeben und sich schlafen zu legen. Denn ausgelöst wird dieser Wunsch vom Immunsystem. Die eingedrungenen Viren haben es in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Dadurch sendet es permanent Signale an das Gehirn mit der Botschaft: „Ich brauche Schlaf.“ Denn nur im Schlaf kann sich das Abwehrsystem des Körpers auf die Prozesse konzentrieren, die jetzt am wichtigsten sind: möglichst schnell möglichst viele Antikörper gegen die Eindringlinge zu bilden und Fresszellen in Marsch zu setzen, die die infizierten Zellen vernichten. Um auf Hochtouren laufen zu können, ist das Immunsystem vor allem auf die langen Tiefschlafphasen angewiesen, die in den ersten Stunden nach dem Einschlafen liegen. Halten uns lästige Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen vom Schlafen ab, helfen zum Beispiel eine Nasenspülung mit warmem Salzwasser oder ein Dampfbad mit Kamille vor dem Schlafengehen.

 

Strategie 4: Die Immune „joggen“ lassen

Etwas Positives hat die Erkältung: Greift man nicht mit der Chemiekeule in die Heilung des Körpers ein, arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren – Experten nennen das Immun-Jogging. Denn während eines Infekts lernt der Körper, mit den verschiedensten Keimen umzugehen. Er produziert Gedächtniszellen, die die Erreger bei einem erneuten Kontakt wiedererkennen und sofort die entsprechenden Abwehrstoffe bilden. Während der Körper auf einen unbekannten Erreger erst innerhalb von sieben Tagen reagiert, setzt die Immunabwehr bei einem bekannten Virus bereits nach zwei Tagen ein. Eine Erkältung kommt so gar nicht erst zum Ausbruch oder verläuft milder und kürzer.

 

Strategie 5: Die effektive Kraft der Natur nutzen

Damit der Körper sich auf die Heilung konzentrieren kann, empfehlen Ärzte Schonung. Damit meinen sie aber nicht, rund um die Uhr untätig auf dem Sofa zu liegen. Leichte Bewegung, vor allem an der frischen Luft, bringt Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung. Feuchtkühle Herbstluft lässt die Schleimhäute in Nase und Hals abschwellen, das Gehirn schüttet beim Gehen Hormone aus, die unsere Laune verbessern. Und: Pflanzen produzieren sogenannte Phytonzyden, die sie in die Luft abgeben. Wenn Spaziergänger diese einatmen, stärkt das ihr Immunsystem und befreit die Atemwege.

Neben Phytonzyden gibt es weitere Wirkstoffe und Naturheilmittel, mit denen die Natur den Körper bei seiner Heilung unterstützen kann und die unsere Selbstheilungskräfte in Top-Form bringen. Dazu gehört beispielsweise die Wunderknolle Ingwer. Deren Scharfstoffe regen die Durchblutung an, vertreiben Krankheitserreger und wirken entzündungshemmend. Für eine Tasse Ingwertee ein daumendickes Stück Ingwer in Scheiben schneiden, danach mit kochendem Wasser übergießen und 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.

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