Erkältung in der Schwangerschaft: Das sollten Schwangere beachten

Redaktion PraxisVITA

Gerade in der kalten Jahreszeit kommt es häufig zu einer Erkältung in der Schwangerschaft. Meist ist sie innerhalb einer Woche überstanden. Jedoch kann ein Infekt in bestimmten Fällen zum Risiko für das Baby werden. Wann es gefährlich wird und was Schwangere während einer Erkältung tun sollten.

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Inhalt
  1. Erkältet in der Schwangerschaft: Grippaler Infekt meist harmlos
  2. Wann eine Erkältung für Schwangere gefährlich wird
  3. Schwanger und erkältet – oder ist es doch die Grippe?
  4. Erkältung in der Schwangerschaft im ersten Trimester
  5. Erkältung in der Schwangerschaft: Mit Hausmitteln Symptome lindern
  6. Erkältung in der Schwangerschaft: Sind Medikamente erlaubt?
  7. Wie Sie in der Schwangerschaft einer Erkältung vorbeugen
 

Erkältet in der Schwangerschaft: Grippaler Infekt meist harmlos

Eine Erkältung in der Schwangerschaft – dazu kann es bei kalten Temperaturen schnell kommen. Vor allem, wenn ein Großteil der Schwangerschaft ohnehin in die Erkältungssaison fällt. Das Immunsystem werdender Mütter ist zudem durch die Schwangerschaft etwas „heruntergefahren“ und macht den Körper anfälliger für Viren und Keime. Doch eine leichte Erkältung in der Schwangerschaft ist nicht gefährlich.

Die Viren befallen bei der werdenden Mutter die Nasen- und Rachenschleimhaut sowie die oberen Atemwege. Bevor sie tiefer wandern können, hat auch das geschwächte Immunsystem einer Schwangeren meistens genügend Abwehrstoffe gebildet. Auch um ihr Baby müssen sich werdende Mütter keine Sorgen machen, wenn sie eine Erkältung haben. Denn die Plazentaschranke hält die Erreger zurück und schützt so das Ungeborene.

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Wann eine Erkältung für Schwangere gefährlich wird

In den allermeisten Fällen ist eine Erkältung in der Schwangerschaft völlig harmlos. Wenn jedoch die Schleimhäute als natürlicher Schutz vor Krankheitserregern ohnehin schon geschwächt sind, besteht die Gefahr einer sogenannten Superinfektion. Dann kommt zu der viralen eine bakterielle Infektion hinzu, was den Körper zusätzlich schwächt. Die Krankheitserreger können sich so weiter im Organismus ausbreiten, sodass eine Lungenentzündung entstehen kann – und diese kann sowohl für die werdende Mutter als auch für das Baby gefährlich werden.

 

Schwanger und erkältet – oder ist es doch die Grippe?

Schwangere sollten genau auf die Art und die Stärke der Symptome achten und die Unterschiede zwischen einer Erkältung und der echten Grippe (Influenza) kennen. Diese stellt nämlich genau wie eine Superinfektion ein Risiko dar, weil sie besonders bei einem geschwächten Immunsystem Komplikationen wie eine Lungen- oder Hirnhautentzündung hervorrufen und starkes Fieber auslösen kann.

Die Grippe lässt sich daran erkennen, dass Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost und Fiebrigkeit schlagartig auftreten und wesentlich stärker ausgeprägt sind als bei einem gewöhnlichen Infekt. Eine Schutzimpfung gegen die Grippe wird daher für Schwangere empfohlen.

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Erkältung in der Schwangerschaft im ersten Trimester

In der Regel besteht auch bei einer Erkältung während des ersten Trimesters kein Grund zur Sorge. Allerdings kann ein starker Infekt mit Fieber einhergehen, was eine Gefahr für das Baby darstellt. Denn ist die Körpertemperatur über mehrere Tage stark erhöht, steigt das Risiko für eine Fehlgeburt und für Fehlbildungen des Babys. In der Spätschwangerschaft kann es zudem zu einer Frühgeburt kommen. Deswegen sollten sich Schwangere bei Fieber direkt in ärztliche Behandlung begeben. Auch wenn die Körpertemperatur nur leicht erhöht ist, ist ein Gang zur Ärzt:in ab dem zweiten Tag angeraten.

 

Erkältung in der Schwangerschaft: Mit Hausmitteln Symptome lindern

Damit sich die Erkältung nicht zu einem schweren Infekt ausbildet, sollten sich Schwangere bei den ersten Krankheitsanzeichen schonen und sich an die Basismaßnahmen halten: Bettruhe, eine vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und viel Wasser trinken – mindestens zwei Liter täglich sollten es sein.

Darüber hinaus gibt es Hausmittel, die die Symptome reduzieren und den Heilungsprozess unterstützen. So können Heilpflanzentees schmerzstillend, entzündungshemmend und schleimlösend wirken. Schwangere sollten sich jedoch unbedingt in der Apotheke beraten lassen und keine fertigen Mischungen kaufen, da manche Kräuter frühzeitige Wehen auslösen können. Bei Halsschmerzen helfen Wickel mit Heilerde, eine verstopfte Nase und gereizte Schleimhäute lassen sich hingegen mit Meeressalz-Inhalationen lindern.

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Vorsicht ist geboten, wenn die Erkältung in der Schwangerschaft mit Fieber einhergeht. Sinkt die Körpertemperatur nach kurzer Zeit nicht von allein wieder ab, sollten betroffene Frauen unbedingt ihre Ärzt:in aufsuchen. Denn mehrtägiges Fieber um die 39 Grad kann im schlimmsten Fall vorzeitige Wehen auslösen.

 

Erkältung in der Schwangerschaft: Sind Medikamente erlaubt?

Bei einer Erkältung während der Schwangerschaft sollten Medikamente nie ohne Rücksprache mit der behandelnden Ärzt:in eingenommen werden. Diese entscheidet nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung. Grundsätzlich eignen sich sogenannte phytomedizinische Präparate besser als klassische Medikamente. Phytopräparate enthalten pflanzliche Extrakte, die in der Schwangerschaft meist ein geringeres Risiko darstellen. Aber auch diese sollten nie ohne ärztlichen Rat eingenommen werden, da nicht alle Präparate für Schwangere geeignet sind.

Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System des Ungeborenen auswirken. Hustenstiller mit dem Wirkstoff Codein können bei längerer Einnahme zu Missbildungen beim Fötus führen. Pseudoephedrin, das in Grippemitteln dem Abschwellen der Nasenschleimhaut dient, vermindert mitunter den Blutfluss in der Gebärmutter.

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Vorsichtig sollten Frauen auch bei ätherischen Ölen sein, die in Erkältungsbädern oder Mitteln zum Einreiben und Inhalieren eingesetzt werden. Die Öle von Rosmarin, Pfefferminze, Nelke und Zimt können eine wehenauslösende Wirkung haben und sind deshalb bei einer Erkältung in der Schwangerschaft nicht geeignet.

 

Wie Sie in der Schwangerschaft einer Erkältung vorbeugen

Weil es mit einigen Risiken verbunden sein kann, schwanger erkältet zu sein, ist es wichtig, einem Infekt vorzubeugen – nicht nur in der kalten Jahreszeit. So tritt etwa die Sommergrippe, wie der Name schon vermuten lässt, hauptsächlich in der warmen Jahreszeit auf.

Mit diesen Maßnahmen können Sie sich das ganze Jahr über vor einer Erkältung und der Grippe schützen:

  • Regelmäßiges Händewaschen, vor allem nach dem Kontakt mit potentiell kontaminierten Flächen wie Türklinken oder Treppengeländer.
  • Nicht ins Gesicht fassen, um eine Schmierinfektion zu verhindern.
  • Kontakt zu Personen mit Erkältungssymptomen meiden.
  • Auf eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung setzen – vor allem Vitamin C und Zink stärken die Abwehrkräfte.
  • Ruhepausen einlegen und ausreichend schlafen, denn Stress und Schlafmangel können das Immunsystem schwächen.
  • Warme Bekleidung, Schal, Mütze und Handschuhe bei kalten Temperaturen tragen. Bei Kälte werden die Schleimhäute nämlich weniger gut durchblutet, was optimale Bedingungen für Viren darstellt.
  • Täglich mindestens eine halbe Stunde an der frischen Luft bewegen – das stärkt das Immunsystem.

Eine Erkältung in der Schwangerschaft kann zwar auch mit diesen Maßnahmen nicht immer verhindert werden, das Infektionsrisiko ist aber deutlich verringert.

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Quellen:

Höfer, Silvia und Nora Szász (2012): Hebammen-Gesundheitswissen: Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach, München: Gräfe und Unzer Verlag.

Kainer, Franz und Annette Nolden (2018): Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, München: Gräfe und Unzer Verlag.

Schwanger und erkältet – was geht?, in: Apothekerzeitung

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