Erhöht Rosazea das Alzheimer-Risiko?

Rasmus Cloes
Auch Schauspielerin Cameron Diaz ist betroffen: Sie leidet seit Jahren unter Rosacea
Auch Schauspielerin Cameron Diaz ist betroffen: Sie leidet seit Jahren unter Rosacea © corbis

Eine Studie zeigt: Rosazea-Patienten erkranken auch häufiger an neuronalen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Doch wie groß ist das Risiko?

Menschen mit Rosazea erkranken häufiger an Demenz – besonders in der Form von Alzheimer – als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das haben dänische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in der Fachzeitschrift Annals of Neurology veröffentlicht.

Rosazea ist eine häufige Hauterkrankung, bei der es zu chronischen Entzündungen kommt. Ursache ist eine verstärkte Ausprägung bestimmter Proteine, wie zum Beispiel sogenannten Matrix-Metalloproteasen und antimikrobielle Peptide. Sie sind auch an der Entwicklung von Alzheimer und anderen Demenzformen beteiligt. Diese Verbindung brachte das Team um Dr. Alexander Egeberg von der Universität Kopenhagen auf die Idee, einen möglichen Zusammenhang zwischen Rosazea und Demenz zu untersuchen.

Dazu durchsuchten die Forscher dänische Bevölkerungsdatenbaken auf dort registrierte Rosazea-Patienten. Unter mehr als 5,5 Millionen Personen fanden sie 82 439 Betroffene. Als sie deren Daten gesondert analysierten, trat ein Zusammenhang klar hervor: Nachdem sie mögliche Störfaktoren herausgerechnet hatten, zeigte sich, dass Rosazea-Patienten ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko hatten, an Alzheimer zu erkranken. Statt sechs von Tausend Personen, erkrankten in dieser Gruppe etwa acht. Ein kleiner, aber aus medizinischer Sicht wichtiger Unterschied.

 

Verdoppeltes Alzheimer-Risiko

Besonders deutlich zeigte sich der Effekt, wenn die Wissenschaftler nur die schweren Rosazea-Fälle untersuchten. Das heißt, sie betrachteten nur Patienten, die sich wegen ihres Leidens in einem Krankenhaus behandeln ließen. Deren Risiko war fast doppelt so hoch (92 Prozent erhöht), wie das der Allgemeinbevölkerung. Im Schnitt erkranken etwa zwölf von 1000 Personen an Alzheimer.

„Eine wachsende Zahl an Studien zeigt den Zusammenhang zwischen Rosazea und neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson“, sagt Studienleiter Dr. Egeberg.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Rosazea-Patient eine neurologische Krankheit entwickelt. Vielmehr „bietet die Studie neuen Einblick in die Entwicklung beider Krankheiten“, so Egeberg. Letztlich könnte so vielleicht irgendwann ein Mittel gefunden werden, was beide Leiden effektiv bekämpft.

 

Was genau ist Rosazea?

Diese Faktoren können einen Rosazea-Schub auslösen

1. Seelische Anspannung

Stress fördert die Durchblutung im Kopf und bremst das Immunsystem. Bei entsprechender Veranlagung können sich die Gefäße im Gesicht entzünden.

2. Starke Temperaturwechsel

Hitze und Kälte regen den Kreislauf an, vor allem im Wechsel. Achtung: Saunagänge lösen oft besonders heftige Schübe aus.

3. Scharfe Speisen

Chili und Co haben einen ähnlichen Effekt: Sie weiten die Blutgefäße.

4. Intensiver Sport

Alles, was uns zum Schwitzen bringt, reizt auch die entzündete Haut. Tipp: Ausdauersport ist besser verträglich als Hochleistungstraining.

5. Alkohol

Viele Genussmittel sind tabu: Alkohol (insbesondere Sekt), Kaffee, Cola, Schwarz- und Grüntee regen die Durchblutung an. Sie verursachen oft starke Schübe.

6. Kosmetika

Achten Sie beim Kauf von Kosmetika darauf, dass diese keine hautreizenden Stoffe wie Alkohol oder Zink enthalten. Auch Ölhaltiges ist ungeeignet, da es die Poren verstopft.

Die Briten nennen sie den „Fluch der Kelten“. Denn Rosazea tritt vor allem bei sehr hellhäutigen Menschen auf. Deshalb ist sie besonders in Nordeuropa und auf den britischen Inseln verbreitet. Auch vier Millionen Deutsche sind davon betroffen – hinzu kommt noch eine unbestimmte Zahl nicht-diagnostizierter Fälle. Häufig wird sie nämlich gar nicht als behandlungsbedürftige Erkrankung wahrgenommen.

Frühes Anzeichen für eine Rosazea ist eine Neigung zu roten Wangen. Während ein gesunder Mensch nur bei großer Anstrengung errötet, reichen hier bereits kleine Reize, sogenannte Trigger, aus. Hitze, Alkohol und Kaffee gehören zu den typischen Verursachern, Stress ist ein weiterer Risikofaktor: Er bringt die Krankheit oft erst zum Ausbruch.

Die Veranlagung dazu wird jedoch vererbt: Die Rötungen entstehen, weil die Durchblutung der feinen Äderchen im Gesicht gestört ist. So staut sich das Blut dort an und schimmert durch die Haut hindurch. Dieser Zustand wird auch als Couperose bezeichnet und muss sich nicht immer zu einer Rosazea weiterentwickeln.

Weil die häufige Schwellung der Gefäße die Haut reizt, entzündet sich diese allerdings oft. Pickel und Knötchen entstehen. Mediziner sprechen von „Pusteln“ und „Papeln“. Diese ähneln den Symptomen bei Akne – doch Rosazea beginnt im Gegensatz dazu meist im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt.

Wird zu lang mit der Therapie gewartet, bilden sich die geweiteten Adern irgendwann nicht mehr zurück. Vor allem bei Männern kann sich auch eine „Knollennase“ entwickeln. Die Symptome sind ungefährlich, beeinträchtigen aber das Äußere – und werden von Fremden leicht für Zeichen einer Alkoholsucht gehalten. Viele Betroffene leiden seelisch unter der Erkrankung.

Um das Fortschreiten zu bremsen, sollten die persönlichen „Trigger“ gemieden werden. Ein vorsichtiger Umgang mit der Haut ist ebenso wichtig – auch wenn sie sich schuppt, keine Peelings verwenden. Gegen eine akute Entzündung helfen antibiotikahaltige Salben oder Tabletten vom Arzt. Achtung: Fettcremes und Kortisonpräparate verschlimmern den Juckreiz noch!

 

Video: Das hilft gegen Rosazea

Hamburg, 29. April 2016

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