Erfordert ein Bandscheibenvorfall eine Behandlung?

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Ob bei einem Bandscheibenvorfall eine Therapie nötig ist und welche Behandlung dann die beste ist, entscheiden Ärzte aufgrund der Art der Beschwerden.

Stellt der Arzt einen Bandscheibenvorfall als Zufallsbefund ohne weitere Symptome fest, ist keine Therapie erforderlich. Bestehen aber Schmerzen und / oder andere Beschwerden, stimmt der Arzt eine Behandlung mit Ihnen ab. 

Stehen Rückenschmerzen im Vordergrund, dann zielt die Behandlung darauf ab, diese zu lindern. Dazu können Schmerzmittel (Paracetamol und sog. NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac) sinnvoll sein, ebenso Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Mittel) und Antiphlogistika (entzündungshemmende Mittel). Manchmal spritzt der Arzt Wirkstoffe direkt neben die Wirbelsäule (Injektionstherapie). Meist reichen eine oder wenige Anwendungen; zur Dauertherapie eignet sich die Injektionstherapie nicht.

Bei einem Bandscheibenvorfall ist es angenehm, sich zwischendurch mit angewinkelten und erhöhten Beinen hinzulegen (sog. Stufenlagerung). Eine Wärmetherapie (etwa Fango, Wärmekissen) löst Muskelblockaden. Auch wenn der Rücken schmerzt: Der Arzt wird Ihnen raten, sich vorsichtig zu bewegen. So vermeiden Sie eine Schonhaltung; schmerzhafte Muskelverspannungen lösen sich. Zum Beispiel eignen sich Walken oder Spazieren, Rückenschwimmen oder weitere Aktivitäten, die Ihnen individuell gut tun.

Zusätzlich können Sie bei einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall Entspannungsverfahren nutzen, etwa die Progressive Muskelrelaxation. In der Rückenschule lernen Sie, wie Sie Ihren Rücken stärken und unnötige Belastungen vermeiden können.

In der Regel klingen die Beschwerden dann nach einigen Tagen bis Wochen wieder ab. Daher wartet der Arzt ab, ob sich die Rückenschmerzen innerhalb einiger Wochen legen, bevor er zu weiteren Therapien oder einer Operation rät.

Sind die Rückenschmerzen durch einen Bandscheibenvorfall chronisch geworden, verordnet der Arzt zum Beispiel Massagen, Physiotherapie („Krankengymnastik“, manuelle Therapie) oder Akupunktur. Auch eine Bewegungstherapie ist zur Therapie bei einem Bandscheibenvorfall empfehlenswert. Antidepressiva helfen teilweise bei chronischen Schmerzen. Manchmal rät der Arzt auch zu einer Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Das Ziel ist dabei, mit den Schmerzen besser umgehen zu lernen und aktiv zu bleiben. Denn eine aktive Lebensweise wirkt sich zum einen auf das Schmerzempfinden aus, zum anderen lassen sich Fehlhaltungen, Depressionen und andere Schmerzfolgen vermeiden.

Sind durch einen Bandscheibenvorfall das Rückenmark oder zugehörige Nervenstrukturen geschädigt, liegt ein Notfall vor. Dann ist eine sofortige Operation notwendig. Auch wird der Arzt zu einer Operation raten, wenn Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall chronisch geworden sind und keine andere Therapie greift. Ein solcher Eingriff erfolgt häufig über einen Schnitt am Rücken (mikrochirurgische Diskektomie). Dabei arbeitet der Arzt zur besseren Sicht mit einem speziellen Mikroskop. Er entfernt während der Operation die betroffen Bandscheibe oder Teile davon, um den gequetschten Nerv zu entlasten.

Eine Bandscheiben-Operation ist oftmals auch minimal-invasiv möglich (sog. Schlüsselloch-Operation ohne große Hautschnitte). Bei bestimmten Verfahren entfernt der Arzt den Bandscheibenkern, indem er ihn entweder absaugt (perkutane Nukleotomie) oder per Laser zerstört (Laserdiskektomie). Manchmal empfiehlt der Arzt bei einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall auch, eine künstliche Bandscheibe einzusetzen (sog. mobilitätserhaltende Interponate). Dieses kommt vor allem infrage, wenn die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist. Ob eine künstliche Bandscheibe oder ein anderes OP-Verfahren in Ihrem individuellen Fall sinnvoll ist, erfahren Sie in einem Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt.

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