Erektionsprobleme: Zwei Paare erzählen

Wer Erektionsproblemen leidet, sollte möglichst schnell das Gespräch mit einem Arzt suchen
Wer feststellt, dass er unter Erektionsproblemen leidet, sollte möglichst schnell das Gespräch mit einem Arzt suchen. Der kann eine Therapie empfehlen © Fotolia

Mehr als 5 Mio. Männer leiden in Deutschland an Erektionsstörungen. Nur die wenigsten stehen offen zu ihrem Problem. Zwei mutige Paare berichten.

 

Klaus und Gabi *

Er sagt: "Meine Frau und ich führen seit 20 Jahren eine sehr harmonische Ehe - mit allem, was dazugehört. Doch plötzlich, vor circa acht Jahren, klappte es im Bett nicht mehr. Der Moment war für mich beschämend, aber ich dachte, dass ich einfach nicht bei der Sache war. Auch beim nächsten Mal sagte ich mir, dass es bestimmt bald wieder besser geht. Doch irgendwann merkte ich: Da stimmt was nicht. Ich kam mir vor wie ein Versager. Aus purem Frust schob ich sogar kurz meiner Frau die Schuld zu. Ich weiß, dass das nicht fair war, aber ich war so frustriert! Als ich dann zur Vorsorgeuntersuchung zu meinem Urologen ging, sprach ich das Thema an. Eine gute Entscheidung. Die Untersuchungen zeigten: Mein Alter ist schuld an meinen Erektionsproblemen. Ich bekam eine Pille verschrieben. Und wirklich: Sie half. Ich war so unendlich erleichtert. Ein potenter Mann zu sein bedeutet mir viel. Nie möchte ich auf die schönste Nebensache der Welt verzichten müssen."

Sie sagt: "Ich machte mir zunächst überhaupt keine Sorgen, als Klaus nicht mehr so konnte, wie er wollte. Doch je häufiger es passierte, desto unzufriedener wurde er. Immer wieder sagte ich ihm, dass es nicht schlimm, und dass Sex nicht alles sei. Aber es half nichts, er war deprimiert. Nachdem der Arzt ihm geholfen hatte, klappte alles wie früher. Und auch Klaus' Selbstbewusstsein war wieder da."

 

Frauke und Ralf *

Er sagt: "Bei Frauke und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Wir lernten uns über eine Annonce kennen, verliebten uns sofort ineinander. Seit fast acht Jahren führen wir nun eine glückliche Beziehung, wobei es am Anfang nicht leicht war: Ich konnte nicht mit ihr schlafen! Für mich war es das Schlimmste. Da begehrte ich diese Frau so sehr und trotzdem ... In diesen Momenten war ich kein vollwertiger Mann mehr. Ich hatte wahnsinnige Angst, diese tolle Frau direkt wieder zu verlieren. Doch Frauke beruhigte mich. Das tat gut. Als Workaholic arbeitete ich bis zu 16 Stunden am Tag, rauchte viel zu viel. Wir vermuteten, dass das der Grund sein könnte. Und so war es auch. Nach knapp einem Jahr fand ich einen Urologen, dem ich mich anvertrauen konnte. Er empfahl mir eine Neurologin und ein Medikament. Seither klappt es wieder. Und doch muss ich lernen, physisch und psychisch noch weiter runterzufahren. Ich hoffe, es geht dann auch wieder ohne Hilfe."

Sie sagt: "Am schlimmsten war es für mich, Ralf leiden zu sehen. Ich versicherte ihm immer wieder, dass ich ihn deswegen nicht verlassen werde. Nach einigen Wochen fehlte mir zwar schon etwas in unserer Beziehung, aber das war für mich nicht so ein großes Problem. Ich wollte einfach nur, dass er glücklich ist. Und ich wollte mit ihm zusammen sein. Heute ist es endlich so weit: Unsere Beziehung ist vollkommen. Unserem Glück steht nichts mehr im Weg."

 

Es gibt immer eine Lösung für Erektionsprobleme

Noch immer ist Impotenz ein Tabuthema. Nur die wenigsten wagen den Gang zum Arzt, wenn es im Bett plötzlich nicht mehr so gut läuft. Dabei kann Impotenz sogar ein Indikator für andere Krankheiten sein. Urologe Dr. med. Heinz-Jürgen Notz aus Düsseldorf:

In Deutschland haben rund 5 Mio. Männer eine Erektionsstörung. Allerdings liegt die Dunkelziffer viel höher, da sich nicht jeder dazu bekennt.

Impotenz kann jeden Mann ab 20 treffen. Natürlich finden sich in jungen Jahren nur Einzelfälle, ab 50 steigt die Zahl der Betroffenen stetig an.

Ursachen gibt es diverse: Wie viele bereits wissen, ist eine erektile Dysfunktion häufig altersbedingt. Aber auch Krankheiten wie Diabetes, Durchblutungsstörungen, Gefäßverkalkungen oder OPs an Darm und Prostata können zu einer erektilen Dysfunktion führen. Oft ist sie einfach die Nebenwirkung eines Medikaments oder hormonell bedingt. Erst wenn all das ausgeschlossen werden kann, kommen psychische Gründe in Betracht.

Impotenz ist immer behandelbar, allerdings nicht immer heilbar. Mithilfe von Präparaten kann den meisten Betroffenen geholfen werden. Bei psychischen Ursachen ist eine Therapie sinnvoll.

Mein Rat: Trau dich! Überwinde die Hürde, zum Arzt zu gehen. Von allein löst sich das Problem selten. Bei der Wahl des Urologen sollte darauf geachtet werden, dass er sich auf Erektionsstörungen spezialisiert hat.

*Namen von der Redaktion geändert

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