Erektionsprobleme - Das Schweigen der Männer

Stress kann Erektionsprobleme auslösen
Gerade bei jungen und gesunden Männern kann der Auslöser für Erektionsprobleme Stress im Beruf sein © Fotolia

Männer haben immer Lust auf Sex. Das stimmt nicht. Gerade ältere Männer haben oft keine Lust – oder sie können nicht. Woran das liegt. Und wie Paare wieder zusammenfinden.

“Schatz, bitte nicht, ich habe Migräne”. Eine typisch weibliche Ausrede? Weit gefehlt! Oft ist es der Mann, der sich vor der schönsten Sache der Welt drückt. Manchmal, weil er keine Lust hat. Oft auch, weil er einfach nicht kann. Etwa jeder fünfte Mann zwischen 30 und 80 leidet unter Impotenz, schätzen Experten. Der Sexual- und Partnerschaftstherapeut Thomas Jürgens  weiß, warum...

 

Wann ist man impotent?

Von einer Erektilen Dysfunktion (ED) sprechen Urologen, wenn in sechs Monaten mindestens 70 % der Versuche, Sex zu haben, erfolglos waren. Eine gelegentliche Erektionsstörung ist somit kein Grund zur Panik. ED ist meist nicht heilbar, lässt sich aber durch Medikamente gut behandeln.

 

Was sind die Ursachen einer Erektionsstörung?

Meistens sind Stoffwechselerkrankungen (wie z. B. Diabetes), Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauferkrankungen schuld an einer Erektionsstörung. Auch Medikamente (z. B. Blutdruck- oder Blutfettsenker) mit entsprechenden Nebenwirkungen können die Potenz beeinträchtigen.

 

Welche Rolle spielt dabei die Psyche?

Eine sehr große! Stress im Job, die Angst, ihn zu verlieren oder dort zu versagen sind ebenfalls oft Ursache für eine Flaute im Bett. Auch falsche Erwartungen an eine Liebesbeziehung können schaden. Aus Kosten- und Zeitgründen verzichten zudem immer mehr Menschen auf ihre Hobbys. Die Folge: Sie leben nur noch für die Arbeit und Partnerschaft. “Diese pure Konzentration auf die Beziehung schafft einen hohen Erwartungsdruck”, erklärt der Diplom-Psychologe Thomas Jürgens. “Gerade bei Männern erzeugt das Stress und tut der Liebe nicht gut.”

 

Was kann man(n) tun?

Zuerst sollten Sie organische Ursachen durch einen Facharzt (Urologen) ausschließen. Denn eine Studie des Klinikums München belegt, dass bei vielen Männern eine Erektile Dysfunktion Vorbote eines Herzinfarkts sein kann. Außerdem wichtig: “Reden Sie mit Ihrer Frau offen über Ihre Ängste und Gefühle”, rät Jürgens. So kann sie manche Dinge besser verstehen und Alltagssorgen teilen. Für die Partnerin gilt: Gehen Sie sehr behutsam auf Ihren Liebsten ein. “Das Gefühl, im Bett zu versagen, ist für viele Männer eine Katastrophe”, so Jürgens. “Sie stellen sich oft als ganze Person in Frage, fühlen sich als Versager.” Deshalb sollte SIE besonders zärtlich und verständnisvoll sein.

 

Sollen betroffene Paare ganz auf Sex verzichten?

Das muss nicht sein. Viele finden andere Wege, ihr Liebesleben lustvoll zu gestalten, z. B. durch zärtliche Massagen. Durch viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Vertrauen kommt oft auch die Lust zurück.

 

Wie wichtig ist Sex denn überhaupt?

Für Paare zwischen 30 und 40 gehört er laut einer aktuellen Umfrage zur Basis, damit eine Beziehung gelingt (gleich nach gemeinsamen Interessen und Hobbys). Mit den Jahren nimmt er zwar etwas an Bedeutung ab, trotzdem genießen auch reifere Partner die körperliche Nähe.

Deswegen ist es so wichtig, dass Männer rechtzeitig über ihr Problem reden. Wie unser Echtfall-Pärchen beweist...

 

ER sagt:

Carsten B. (36), Bank-Angestellter aus Berlin:

“Ich brauchte viel zu lange, um mit meiner Frau Heike offen über mein Erektionsproblem zu sprechen und professionelle Hilfe anzunehmen.

Ich stehe beruflich ständig unter Druck. Sicher, ich bin erfolgreich, aber der ganze Stress, die Verantwortung, die Angst, den gutbezahlten Job zu verlieren, ist hoch.

Als ich für sechs Monate nach Frankfurt versetzt wurde, sah ich meine Frau nur am Wochenende. Wenn wir dann miteinander zärtlich wurden, begann der Kampf im Kopf.

Einerseits wollte ich mich ausruhen, fallen lassen, andererseits meine Frau nicht enttäuschen. Aber immer öfter versagte ich. Ich fühlte mich unter Leistungsdruck, beruflich und privat.

Mit Freunden konnte ich nicht darüber reden - über Impotenz macht man ja höchstens Witze. Irgendwann bekam ich aber Angst, Heike zu verlieren. Ich überwand mich und suchte einen Therapeuten auf. Heute hat sich unser Problem erledigt.”

 

SIE sagt:

Heike B. (32), PR-Referentin:

“Anfangs dachte ich, es läge an mir. Ich hatte während seiner Zeit in Frankfurt etwas zugenommen und versuchte, die Pfunde mit schöner Wäsche zu kaschieren.

Aber es half nichts. Schon bald vermutete ich, er hätte eine andere. Ich kontrollierte sein Handy und fragte seine Freunde aus.

Jeder Versuch mit ihm zu reden, schlug fehl. Er saß abends nur noch vorm Computer, wich mir aus. Dass Carsten sich so stark unter Druck gesetzt fühlte, von seinem Chef, von mir, hab ich nicht gemerkt.

Ich bin froh, dass er den Schritt gemacht und unsere Liebe gerettet hat.”

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.