Was hilft gegen Erbrechen?

Redaktion PraxisVITA
Erbrechen
Dem Erbrechen geht meist eine starke Übelkeit mit Brechreiz voraus © istock/vadimguzhva
Inhalt
  1. Was ist Erbrechen?
  2. Welche Ursachen kann Erbrechen haben?
  3. Welche Symptome treten neben dem Erbrechen auf?
  4. Wie stellt der Arzt bei Erbrechen die Diagnose?
  5. Was hilft gegen Erbrechen?

Erbrechen ist ein Abwehrmechanismus des Körpers, bei dem er den Inhalt des Magens durch den Mund wieder nach außen befördert. Die Ursachen für Erbrechen können sehr verschieden sein, weshalb man es zu den unspezifischen Symptomen zählt. Erbrechen selbst ist ein Symptom, das auf unterschiedliche Auslöser zurückgehen kann. Was hilft gegen Erbrechen? Ob und wie Übelkeit und Erbrechen behandelt werden müssen, hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Symptome ab.

 

Was ist Erbrechen?

Erbrechen (griech. Emesis) gehört zu jenen Symptomen, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens einmal erfährt. Babys erbrechen sich in den ersten Lebensmonaten noch sehr häufig. Später dann sorgen nur noch bestimmte Veränderungen im Körper dafür, dass das Brechzentrum im Gehirn aktiviert wird – sei es durch eine Magen-Darm-Erkrankung, während der Schwangerschaft oder bei einer Migräne-Attacke. Zunächst kommt es normalerweise zu Übelkeit; wird das Brechzentrum stärker gereizt, muss der Betroffene sich übergeben. Erbrechen ist in diesem Sinne selbst keine Erkrankung, sondern ein Symptom.

Magen-Darm
Vor dem Erbrechen öffnet sich der Pförtnermuskel zwischen Magen und Zwölffingerdarm, sodas ein Teil des Darminhalts in den Magen zurückfließt © istock/PALMIHELP

Ohne dass man es bewusst steuern kann, koordiniert das Brechzentrum beim Prozess des Übergebens einen sehr komplexen Ablauf: Schon vor dem Brechakt selbst öffnet sich der „Pförtnermuskel“ zwischen Magen und Zwölffingerdarm, sodass ein Teil des Darminhalts in den Magen zurückfließt. Schließlich ziehen sich Zwerchfell, Bauch- und Brustmuskeln abrupt zusammen, während der Magen selbst erschlafft. Der Mageneingang (Cardia) – also der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen – dehnt sich. Durch den erhöhten Druck im Bauchraum wird der Mageninhalt hindurchgepresst und die Speiseröhre schiebt ihn aktiv nach oben. Gleichzeitig schließt sich der Kehldeckel, um zu verhindern, dass das Erbrochene eingeatmet wird.

Manchmal ziehen sich die Muskeln rhythmisch zusammen, ohne dass der Mageninhalt erbrochen werden kann – dann spricht man von Würgen. In den meisten Fällen empfinden die Betroffenen starke Übelkeit und Brechreiz – dies variiert jedoch je nach Ursache des Erbrechens.

Erbrechen ist in der Regel ein unangenehmer bis qualvoller Vorgang, den die meisten Menschen vermeiden möchten. Einige haben auch starke Angst vorm Erbrechen – Psychologen sprechen von einer Emetophobie. Bei Essstörungen wie Magersucht (Anorexie) und insbesondere Bulimie gehört das selbst ausgelöste Erbrechen hingegen oft zum Krankheitsbild. Erbrechen künstlich herbeizuführen ist jedoch in den seltensten Fällen sinnvoll – eine Ausnahme bilden akute Vergiftungen. Wann immer die Möglichkeit besteht, sollten Sie dies allerdings einem Arzt überlassen.

Erbrechen einer Frau
Bei Esstörungen wie Bulimie und Magersucht gehört Erbrechen oft zum Krankheitsbild © istock/mheim3011
 

Welche Ursachen kann Erbrechen haben?

Um zu bestimmen, wodurch das Erbrechen ausgelöst wurde, ist der Gesamtkontext wichtig. Unter folgenden Umständen und Erkrankungen kommt es typischerweise zu Erbrechen:

  • bei einer Magen-Darm-Grippe, z. B. bei einer Infektion mit Noroviren, Rotaviren oder Salmonellen
  • bei einem Darmverschluss (Ileus) und anderen Störungen im Magen-Darm-Bereich
  • nach einer Operation
  • als Nebenwirkung von Medikamenten, z. B. Chemotherapeutika und Opioiden
  • in der frühen Phase der Schwangerschaft
  • bei schweren Stoffwechselstörungen wie Urämie (Folge von Nierenversagen) oder Ketoazidose (Folge von Diabetes mellitus)
  • unter starken Schmerzen an einem Organ, z. B. bei einem Herzinfarkt, einer Nierenkolik oder einem verdrehten Hoden (Hodentorsion)
  • bei einem Migräneanfall
  • auf Schiffen und in bestimmten anderen Fahrzeugen (Reisekrankheit)
  • bei Erkrankungen des Innenohrs bzw. des Gleichgewichtsorgans, z. B. Morbus Menière, Neuritis vestibularis
  • bei gesteigertem Hirndruck, z. B. bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einem Schädel-Hirn-Trauma
  • bei einem Glaukomanfall, wenn der Augeninnendruck sich schlagartig erhöht
  • wenn ein Geruch oder ein optischer Eindruck stark ekelerregend wirkt
  • bei Essstörungen, z. B. Anorexie, Bulimie
Erbrechen in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist häufiges Erbrechen normal und noch kein Warnzeichen © istock/DeanDrobot

Der Grund, warum so viele verschiedene Ursachen zum Erbrechen führen können, liegt in der Funktionsweise des Brechzentrums, denn es kann im Körper auf verschiedensten Wegen gereizt werden. Dies geschieht zum Beispiel über die Chemorezeptor-Triggerzone (CTZ), die wie das Brechzentrum im Hirnstamm sitzt und eng mit ihm verknüpft ist. Erkennt die CTZ mit ihren Rezeptoren, dass bestimmte Giftstoffe im Blut oder im Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) sind, aktiviert sie das Brechzentrum. Aber auch aus dem Gehirn kann das Brechreiz-Signal kommen, etwa bei starkem Ekel (Großhirn) oder wenn der Gleichgewichtssinn und die Augen unterschiedliche Signale senden (Kleinhirn). Letzteres ist bei der Seekrankheit der Fall.

Auch direkt aus den Organen des Körpers kann das Signal zum Erbrechen kommen. Wird zum Beispiel das Gewebe von Magen, Leber oder Herz stark angegriffen, senden sie über die  sogenannten viszeralen sensiblen Nervenbahnen Schmerzsignale an das Gehirn – auch an das Stammhirn, das als Reaktion auf viszerale Schmerzen Symptome wie Schwitzen, Unruhe und eben Erbrechen hervorruft.

 

Welche Symptome treten neben dem Erbrechen auf?

In der Regel geht dem Prozess des Erbrechens eine Phase der Übelkeit und des Brechreizes einher. Die meisten Menschen verlieren den Appetit und nehmen die Übelkeit als unangenehmes und „eingeschnürtes“ Gefühl in der Magengegend oder im Hals wahr. Manchmal kann das Gefühl der Übelkeit auch fehlen, zum Beispiel wenn ein gesteigerter Hirndruck Ursache des Erbrechens ist.

Einige Symptome begleiten das Erbrechen in den meisten Fällen unabhängig von der Ursache:

beschleunigter Herzschlag bei Erbrechen
Je nach auslösenden Umständen kann das Erbrechen von weiteren Symptomen wie z.B. einem beschleunigten Herzschlag begleitet werden © istock/Dr_Microbe

Je nach auslösenden Erkrankungen oder Umständen kann das Erbrechen von verschiedenen weiteren Symptomen begleitet werden. Bei der Reisekrankheit gehen Übelkeit und Erbrechen oft mit starken Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen einher, meist angekündigt durch eine Phase, in der die Betroffenen sich sehr müde fühlen und oft gähnen müssen. Bei bestimmten Erkrankungen des Verdauungstrakts ist das Erbrechen begleitet von Bauchkrämpfen, Durchfall (z. B. Magen-Darm-Grippe) oder Verstopfung (z. B. Darmverschluss).

Erbrechen kann auch eine Reaktion auf eine Gallen- oder Nierenkolik, einen Herzinfarkt, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder andere Erkrankungen eines inneren Organs sein. In dem Fall verspüren die Betroffenen zumeist sehr unangenehme, drückende, ausstrahlende oder krampfartige Schmerzen im Bauch- oder Brustraum. Nicht immer lässt sich dabei auf Anhieb fühlen, wo genau der Schmerz herkommt. Bei einem Glaukomanfall treten Augenschmerzen und Sehstörungen auf, bei einer Hirnhautentzündung meistens Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen.

Auch Aussehen und Konsistenz des Erbrochenen können variieren, vor allem bei Erkrankungen des Verdauungstrakts. Blut im Erbrochenen kann entweder hellrot erscheinen – dann kommt es meist aus der Speiseröhre – oder kaffeesatzartig und fast schwarz, was auf eine Blutung im Magen hinweist. Wenn Ihr Erbrochenes blutig, sehr gallig oder kotartig aussieht, suchen Sie so schnell wie möglich einen Arzt auf!

 

Wie stellt der Arzt bei Erbrechen die Diagnose?

Für die Diagnose wird der Arzt zunächst vor allem ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Er fragt nach, in welcher Situation Ihnen übel wurde, wann und wie oft Sie sich übergeben mussten und welche anderen Symptome – wie Durchfall, Schwindel oder Fieber – bestehen. Aussehen und Konsistenz des Erbrochenen können ebenfalls eine Rolle bei der Diagnose spielen. Des Weiteren erkundigt sich der Arzt, ob Sie vor dem Erbrechen etwas Ungewohntes gegessen, bestimmte Medikamente oder Drogen eingenommen oder Alkohol getrunken haben. Wichtig sind auch bestehende Vorerkrankungen (z. B. Migräne oder Diabetes mellitus) und bei Frauen die Möglichkeit einer Schwangerschaft.

Arzt tastet Bauch ab
Um herauszufinden, welche Ursachen für das Erbrechen infrage kommen, tastet der Arzt den Bauch ab © istock/Wavebreakmedia

Oft erschließt sich bereits aus der Anamnese, welche Ursachen für das Erbrechen infrage kommen. Meist folgt dennoch eine körperliche Untersuchung, vor allem, wenn Verdacht auf eine bestimmte Krankheit besteht. Dabei tastet der Arzt den Bauch ab. Einerseits kann er hier Auffälligkeiten und Verhärtungen fühlen, andererseits wird er Sie fragen, an welchen Stellen Sie eventuell Schmerzen haben. Bei Verdacht auf einen Darmverschluss und andere Magen-Darm-Erkrankungen horcht er den Darmbereich mit einem Stethoskop ab, um Veränderungen der Darmgeräusche festzustellen. Außerdem horcht er eventuell das Herz und die Lunge ab, misst den Blutdruck und / oder die Körpertemperatur.

Die weiteren Untersuchungen hängen davon ab, welche Ursache der Arzt anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung vermutet. Eventuell reichen diese Schritte bereits aus, um eine Diagnose zu stellen. Anderenfalls überprüft der Arzt eventuell mit einigen kleinen Tests die Funktion Ihrer Nerven (neurologische Untersuchung), untersucht mit einem Ultraschallgerät den Bauchraum oder mit einer kleinen Lampe den Augenhintergrund (Ophthalmoskopie).

Mit einer Blutuntersuchung kann der Arzt anhand der Laborwerte Infektionen, Stoffwechselstörungen und andere mögliche Auslöser des Erbrechens feststellen. Bei einigen Erkrankungen folgen zur weiteren Diagnose eine Magenspiegelung, eine Darmspiegelung, eine Röntgenuntersuchung oder ein Elektrokardiogramm (EKG).

 

Was hilft gegen Erbrechen?

Um die Frage zu klären "Was hilft gegen Erbrechen" ist es in jedem Fall wichtig, nach Möglichkeit den jeweiligen Auslöser des Erbrechens auszuschalten, also mögliche Grunderkrankungen zu behandeln oder Medikamente mit starken Nebenwirkungen zu wechseln. Dies sollten Sie allerdings immer mit Ihrem Arzt absprechen.

Erbrechen auf dem Schiff
Bei Übelkeit auf dem Schiff, richten Sie den Blick am besten auf den Horizont, um Erbrechen vorzubeugen © istock/Koldunov

Also was hilft gegen Erbrechen? Einige Tipps und Hausmittel helfen dabei, die Symptome zu lindern:

  • Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe. Legen Sie sich hin und versuchen Sie zu schlafen, damit er sich regenerieren kann.
  • Frische Luft tut gut: Öffnen Sie die Fenster oder machen Sie einen kleinen Spaziergang im Freien, wenn Sie sich gut genug fühlen. Vermeiden Sie stickige Räume und starke Gerüche (z. B. Essens- oder Benzingeruch). Diese können den Brechreiz verstärken.
  • Rauchen Sie nicht und verzichten Sie strikt auf Kaffee und Alkohol. Diese Stoffe reizen das Brechzentrum in der Regel nur noch mehr.
  • Versuchen Sie dafür, in kleinen Schlucken Mineralwasser ohne Kohlensäure oder Kräutertee zu trinken. Bei Magen-Darm-Beschwerden sind Teemischungen mit Fenchel, Kümmel und Anis besonders beruhigend, aber auch Pfefferminz- und Kamillentee sind geeignet. Trinken ist wichtig, da der Körper beim Erbrechen viel Flüssigkeit verliert.
  • „Cola und Salzstangen“ werden zwar oft empfohlen, sind aber nur mäßig gut als Therapie geeignet. Salzstangen sind zwar recht gut verträglich, Cola allerdings  kann den Magen reizen. Wenn ein Kind unter Erbrechen leidet und weder Wasser noch Tee trinken möchte, ist natürlich auch Cola einen Versuch wert.
  • Zwieback, Laugengebäck und trockene Kekse sind eine gute „Schonkost“. Große und fettreiche Mahlzeiten und schwer verdauliche Zutaten (z. B. rohes Gemüse) sollten Sie vorerst vermeiden.
  • Ingwer ist ein gutes Hausmittel bei Erbrechen und Übelkeit. Sie können zum Beispiel einen Ingwertee kochen, indem Sie einige frisch aufgeschnittene Ingwerscheiben mit kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.
  • Wenn Sie schwanger sind, sollten Sie auf Ingwer verzichten. Gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft hilft am besten ein kleines, leichtes Frühstück und Lebensmittel mit viel Vitamin B6 (z. B. Avocado, Kartoffeln und Fleisch).
  • Wenn Ihnen im Auto, im Zug oder auf Schiffen leicht schlecht wird, richten Sie den Blick aus dem Fahrzeug heraus in die Ferne, am besten auf den Horizont oder auf die Straße. Hilfreich ist es auch, sich hinzulegen und die Augen zu schließen.
  • In der Apotheke bekommen Sie rezeptfrei einige pflanzliche Mittel, die bei Übelkeit und Erbrechen hilfreich sein können, etwa in Form von Tropfen. Wenn Sie sich häufig übergeben müssen, lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten – es kann auch sinnvoll sein, die beim Erbrechen verlorenen Blutsalze (Elektrolyte) mit einer Elektrolytlösung aus der Apotheke wieder aufzufüllen.
Ingwer gegen Erbrechen
Was hilft gegen Erbrechen? Inhaltsstoffe aus Ingwer mindern Übelkeit und Erbrechen © istock/toeytoey2530

Bei häufigem und hartnäckigem Erbrechen reichen diese Mittel manchmal nicht aus. Was hilft dann gegen Erbrechen? Suchen Sie auf jeden Fall einen Arzt auf! Dieser verschreibt Ihnen gegebenenfalls Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, sogenannte Antiemetika. Diese gibt es in Form von Tabletten, Tropfen, Pflastern und Zäpfchen. Dopaminantagonisten wie Metoclopramid und Domperidon sind speziell für Magen-Darm-bedingtes Erbrechen geeignet. Wirkstoffe wie Dimenhydrinat und Meclozin helfen bei Reisekrankheit. Kortison-ähnliche Medikamente (Betamethason, Dexamethason) lassen Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung von Chemotherapien abklingen. Sprechen Sie die Einnahme dieser Medikamente immer mit einem Arzt ab.

VIDEO: Die besten Tipps gegen (Reise-)Übelkeit

 

 

 

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