Entwicklung Kleinkind: Meilensteine im 2. und 3. Lebensjahr

Verena Elson Medizinredakteurin

Die Entwicklung des Kleinkinds ist ein Abenteuer für Kind und Eltern: Im zweiten und dritten Lebensjahr kann das Kind immer unabhängiger von Mama und Papa die Welt erkunden. Es tut dies mit großer Hingabe, Neugier und Begeisterung – immer in dem Wissen, dass es im Notfall bei seinen Eltern Schutz und Trost findet. Für die Eltern spannend: die vielen Meilensteine in der Entwicklung des Kleinkindes – vom Laufen lernen über die Sprachentwicklung bis zum trocken werden.

Ein kleines Kind klatscht in die Hände
Los geht's! Lass uns zusammen die Welt entdecken Foto:  iStock/LSOphoto
Inhalt
  1. Laufen lernen: Jedes Kind ist anders
  2. Motorische Entwicklung beim Kleinkind: Klettern, schaukeln, malen
  3. Sprachentwicklung beim Kleinkind
  4. Psychosoziale Entwicklung bei Kleinkindern
  5. Trocken werden: Zeit fürs Töpfchentraining?
 

Laufen lernen: Jedes Kind ist anders

Die Entwicklung des Kleinkinds verläuft von Kind zu Kind unterschiedlich. Ein typisches Beispiel dafür ist das Laufenlernen: Kinder lernen in einem ganz unterschiedlichen Tempo laufen. Während einige bereits Ende des ersten Lebensjahres sicher laufen können, können andere dies erst mit 20 Monaten. Beides ist „normal“. Jedes Kind hat sein individuelles Lerntempo; ob beim Laufen lernen, sprechen lernen oder trocken werden.

Wann auch immer dieser Meilenstein in der motorischen Entwicklung des Kindes auftritt: Für das Kind bedeutet er eine neue Freiheit und noch bessere Möglichkeiten, seine Umgebung zu erkunden. Es kann sich jetzt fortbewegen und hat dabei die Hände frei, um Gegenstände aufzuheben, zu tragen und anderen Personen zu bringen. Dazu ist es natürlich mächtig stolz auf seine neue Fähigkeit.

 

Motorische Entwicklung beim Kleinkind: Klettern, schaukeln, malen

Die neue Mobilität lässt sich auch auf dem Spielplatz gut ausprobieren: Schaukeln, Rutschen und Klettern sind beliebte Beschäftigungen im Kleinkindalter und schulen die Grobmotorik des Kindes. Dabei lieben Kinder Abwechslung: Unterschiedliche Spielgeräte sowie hin und wieder „natürliche Klettergerüste“ wie Steine und liegende Baumstämme fördern den Erkundungsdrang des Kindes.

Auch Fortbewegungsgeräte unterschiedlicher Art werden jetzt interessant. Viele Einjährige lieben es, mit dem Bobbycar durch die Wohnung zu rutschen. Mit zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren kann das Kind Dreirad fahren, eine kleine motorische Meisterleistung: Die Arme lenken, die Füße liefern den Antrieb und das Kind passt Richtung und Geschwindigkeit den Räumlichkeiten an. Auch Laufradfahren ist in diesem Alter beliebt. Es hat den großen Vorteil, dass es das Kind optimal auf das Fahrradfahren vorbereitet.

Beim Malen entdecken Kleinkinder eine neue Form der Selbstwirksamkeit: Sie können mit ihren Fingern und bunten Farben eine Spur hinterlassen. Mit etwa einem Jahr sind sie in der Lage, einen Stift zu halten und beginnen auf Papier zu kritzeln. Dieses Kritzeln soll noch nichts Bestimmtes darstellen, das Kind probiert lediglich aus, was passiert, wenn es beispielsweise leichter und fester mit verschiedenen Stiften aufdrückt. Mit der Zeit wird dem Kind immer bewusster, dass es mit seinen Handbewegungen steuern kann, welches Gebilde auf dem Papier erscheint; und so probiert es nach und nach verschiedene Formen und Figuren aus. Dazu gehören typischerweise gekritzelte Kreise und Kreuze. Irgendwann ab Mitte des vierten Lebensjahres zeichnet das Kind dann seinen ersten „Kopffüßler“: ein Kopf mit Beinen und häufig auch Armen und Händen.

Ein kleiner Junge weint
NEWS Kindererziehung: Diese 5 Sätze sind No-gos

 

Sprachentwicklung beim Kleinkind

Mit dem Sprechen ist es ähnlich wie mit dem Laufen: Das eine Kind spricht bereits Ende des ersten Lebensjahres mehrere Worte; das andere verständigt sich auch noch mit zwei Jahren ausschließlich mit Gestik und „mh-mh“. Auch in diesem Fall sind beide Varianten normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Anders als die Sprachentwicklung unterscheidet sich die Entwicklung des Sprachverständnisses von Kind zu Kind kaum. Anfang des zweiten Lebensjahres kennt das Kleinkind die Begriffe für die Gegenstände und Personen in seiner Umgebung. Hört es ein „Nein“, hält es (zumindest kurz) inne und es kann Aufforderungen wie „Hol deine Jacke“ folgen – unabhängig davon, ob es selbst bereits spricht oder nicht.

Die meisten Kinder sprechen ihre ersten Worte im Alter zwischen zwölf und 18 Monaten – einige bereits mit acht, andere erst mit 30 Monaten. Zunächst kommuniziert das Kind in Ein-Wort-Sätzen, in der nächsten Entwicklungsstufe verwendet es Zwei- und Mehrwortsätze. Im dritten Lebensjahr lernt das Kind, längere Sätze zu bilden, häufig noch mit grammatikalischen Fehlern, die seiner eigenen „Sprachlogik“ entsprechen.

 

Psychosoziale Entwicklung bei Kleinkindern

Anfang des zweiten Lebensjahres beginnt das Kleinkind, sich selbst als eigenständige Person wahrzunehmen. Ab etwa der Mitte des zweiten Lebensjahres kann es sich selbst im Spiegel erkennen. Sein großes Ziel ist jetzt, selbstständig zu werden: selbst essen, anziehen und ausziehen. Ein Wort, das Eltern in dieser Zeit häufig hören ist ein entrüstetes „alleine!“. Stößt das Kind dabei an seine Grenzen, kann es mit Trotzanfällen reagieren. Bis zur Mitte des zweiten Lebensjahres fremdeln viele Kinder noch stark – dann lässt die Angst und Ablehnung gegenüber Fremden in der Regel nach.

Mit 18 Monaten nimmt das Kind aktiv an sozialen Spielen wie Backe-Backe-Kuchen-Klatschen und Ballrollen teil, zeigt anderen Personen sein Spielzeug und streckt seine Hand aus, wenn ihm ebenfalls eine Hand entgegengestreckt wird. Mit zwei Jahren ahmt es Handlungen seiner Bezugspersonen nach und erzählt laut, wenn es alleine ein Bilderbuch anschaut. Viele Kinder haben in diesem Alter ein Plüschtier als ständigen Begleiter und Freund. Mit zweieinhalb Jahren zeigt das Kind seinen Bezugspersonen vermehrt seine Zuneigung, tröstet sie und möchte ihnen helfen.

Mädchen beim Stuhlgang verweigern
Kindergesundheit Wenn Kinder den Stuhlgang zurückhalten

 

Trocken werden: Zeit fürs Töpfchentraining?

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kleinkinds ist für viele Eltern das Trockenwerden. Mit drei Jahren ist gut die Hälfte der Jungen und über 80 Prozent der Mädchen tagsüber trocken. Doch wie auch beim laufen und sprechen lernen unterscheidet sich der Zeitpunkt, an dem die Windel tagsüber überflüssig wird, von Kind zu Kind. Einige Kinder machen selbst mit vier Jahren noch keine Anstalten, trocken zu werden. Eltern sollten sich auch in diesem Fall nicht verunsichern lassen: Auch beim trocken werden hat jedes Kind sein eigenes Tempo.

Das sogenannte „Töpfchentraining“ ist in der Regel gar nicht notwendig: Studien zum Töpfchentraining zeigen, dass Kinder nicht schneller trocken werden, wenn sie regelmäßig aufs Töpfchen gesetzt werden. Wenn das Kind körperlich dazu bereit ist, trocken zu werden, wird es selbst die Initiative ergreifen. Dann sollten die Eltern allerdings auf die Wünsche des Kindes eingehen und es ohne Windeln herumlaufen lassen – auch auf die Gefahr hin, dass anfangs hin und wieder etwas in die Hose geht. Weitere Tipps, um dem Kind das trocken werden zu erleichtern:

  • Vorbild sein: nicht die Badezimmertür abschließen, wenn Sie selbst auf Toilette gehen – das Kind möchte zusehen und wissen, was auf der Toilette passiert.
  • Das An- und Ausziehen erleichtern: Hosen mit Gummibund ermöglichen es dem Kind, seine Hose selbst an- und auszuziehen.
  • Toilettensitz: Falls das Kind nicht aufs Töpfchen gehen möchte, sondern wie alle anderen Familienmitglieder auf die Toilette, eignet sich ein spezieller Toilettensitz für Kinder in Kombination mit einem Fußschemel.

Ein Mädchen hält einen weißen Teddybären und lacht eine Frau an, die ebenfalls lacht
Familie Bilinguale Erziehung: Was sollten Eltern beachten?


Quellen:
Largo, Remo H. (2019): Babyjahre, München: Piper Verlag.

Largo, Remo H., et al. (1996): Does a profound change in toilet‐training affect development of bowel and bladder control?, in: Developmental Medicine & Child Neurology

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.