Entstand Omikron in einem HIV-Patienten? Das sagen Experten

Mona Eichler Health-Redakteurin

Die neue Corona-Variante Omikron könnte sich im Körper eines HIV-Erkrankten gebildet haben. Wie Experten diese Theorie bewerten.

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Inhalt
  1. Wie entstand Omikron?
  2. B.1.1.529: Immunschwäche durch HIV ausgenutzt
  3. HIV-Epidemie als Ausgangspunkt?
  4. Omikron und HIV: Das sagen Experten
  5. Was tun gegen Omikron?

Die Corona-Variante Omikron, auch B.1.1.529 genannt, besitzt im Vergleich zum ursprünglichen SARS-CoV-2 aus Wuhan eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Mutationen im Spike-Protein. Forscher:innen weltweit wollen herausfinden, wie sich diese Mutation bilden konnte. 
Die neueste Theorie: Omikron entstand im Körper einer an HIV erkrankten Person. Wie Virologinnen und Virologen auf diese Vermutung kommen und was deutsche Experten dazu sagen. 

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Wie entstand Omikron?

Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass Omikron genau 32 Mutationen im Spike-Protein aufweist – also in jenem Teil des Virus, das das Eindringen in die menschliche Wirtszelle ermöglicht. Darunter befinden sich Mutationen, die auf eine leichtere Übertragbarkeit oder Escape-Varianten hindeuten. Bisher vermutet man, dass Omikron ansteckender ist als der Originalstamm des Coronavirus, allerdings mildere Verläufe auslöst. Sicher scheint, dass B.1.1.529 andere Symptome mit sich bringt. Mehr dazu lesen Sie hier

Um über 30 Mutationen auszubilden, braucht ein Virus zwei Dinge: Eine hohe Zahl an Infizierten und ideale Voraussetzungen im Immunsystem seiner Wirte, um zu mutieren. Wissenschaftler:innen verfolgen deswegen die Theorie, dass Omikron in einer Person mit HIV oder einer anderen Form der Immunschwäche entstanden sein könnte.  

 

B.1.1.529: Immunschwäche durch HIV ausgenutzt

Einfach ausgedrückt, findet das Virus in einer immungeschwächten Person ideale Voraussetzungen, um zu mutieren. Zunächst kann das Immunsystem jener Person der Infektion weniger entgegensetzen als das einer gesunden Person. Das führt dazu, dass die Erkrankung länger dauert. Das Virus hat in der Folge länger Zeit, sich zu vermehren und zu mutieren. 

Die unterschiedlichen Mutationen sind einzeln vielleicht wirkungslos, können im Verbund aber einen Unterschied im Ansteckungs- oder Krankheitsprozess machen. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur "dpa", dass Omikron in einem immungeschwächten Wirt wochenlang Zeit gehabt haben könnte, sich zu verändern. "Dabei können immer wieder vereinzelt Mutationen auftreten, die dem Virus eventuell keinen Vorteil bringen, die sich aber aufgrund der fehlenden Kontrolle durch das Immunsystem dennoch weiter vermehren können", so der Experte weiter. 

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HIV-Epidemie als Ausgangspunkt?

Afrika kämpft seit Jahrzehnten gegen die HIV-Pandemie. Die Corona-Krise verschlimmerte die Situation drastisch. Aktuell werden viel zu wenig HIV-Patient:innen ausreichend gegen das HI-Virus therapiert, was ihr Immunsystem faktisch wehrlos gegen SARS-CoV-2 macht.

Schon länger vermuten Experten, dass Afrika zur Brutstätte neuer Corona-Mutationen werden könnte. Die zahlreichen HIV-Erkrankten könnten Omikron nun die passenden Bedingungen geliefert haben.  

 

Omikron und HIV: Das sagen Experten

Nicht nur Carsten Watzl hält die HIV-Theorie für möglich. Auch Karl Lauterbach glaubt daran. "Die vielen Mutationen sprechen für Entstehung in HIV Patienten", schreibt der SPD-Gesundheitsexperte auf Twitter.

Virologe Klaus Stöhr kommentiert die Theorie gegenüber "n-tv" vorsichtig: "HIV-Patienten können Immunschutz nicht so gut aufbauen, da können sich mutierende Erreger stärker vermehren. Dadurch ist die Möglichkeit da, dass hier häufiger solche Varianten entstehen. Allerdings ist das nur eine These. Belegen kann das nur jemand im Labor."

 

Was tun gegen Omikron?

Omikron konnte bereits in Deutschland nachgewiesen werden. Die Bundesregierung reagierte mit Reisebeschränkungen nach Afrika. Weitere Corona-Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung – etwa mögliche Kontaktbeschränkungen oder ein verstärkter Schutz vulnerabler Gruppen – sind zu erwarten. 

Carsten Watzl betonte außerdem, wie wichtig die Isolation mit Omikron infizierter Personen sei. Man müsse infizierte immungeschwächte Menschen von anderen fernhalten, denn "selbst wenn das Virus in einer solchen Person stark mutiert, erst die Weitergabe des mutierten Virus ist wirklich gefährlich", so Watzl. 

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Quellen:
Omikron könnte in HIV-Patient entstanden sein, in: zdf.de
Virologe Stöhr hält HIV-These für plausibel, in: n-tv.de

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