Entspannt Fliegen mit Baby – worauf achten?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Legen Sie Ihren Säugling bei Start und Landung an die Brust oder geben Sie ihm die Flasche oder den Schnuller. So kann es den Druckausgleich leichter bewältigen.“ © privat

Kalte Kabinenluft, Druck auf den ohnehin oft entzündeten Kinderohren, Reiseübelkeit: Es gibt viele Faktoren, die Flugreisen mit Kindern zu einem eher anstrengenden Erlebnis machen. Mit diesen Profi-Tipps wird die Reise ein gutes Stück entspannter, die ganze Familie kommt gesund im Urlaub an und die Vorfreude kann beginnen!

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Viele meiner Patientenfamilien planen gerade die Sommerferien. Immer wieder werde ich gefragt, ab wann man mit einem Baby fliegen darf, was zu beachten ist und welche Medikamente mitgenommen werden sollten. Die meisten Fluggesellschaften nehmen Kinder ab einem Alter von acht bis 14 Tagen mit. Allerdings sollten Flugreisen, wenn irgend möglich, lieber erst mit drei bis sechs Monaten unternommen werden. Die Kleinen kühlen in der kalten Luft, die im Flugzeug herrscht, leicht aus. Beim Fliegen mit Baby ist der Druckausgleich oft schmerzhaft für Kopf und Ohren, weil Säuglinge noch keine Nasennebenhöhlen haben. Die Luft ist zudem trocken, so dass die Nasenschleimhaut trocken und gereizt werden kann.

 

Fliegen mit Baby – was muss mit in die Kabine?

Sinnvoll ist es also, immer eine warme Decke dabei zu haben. Ziehen Sie das Kind im Zweifel lieber etwas zu warm an – ausziehen kann man das Baby ja ganz leicht. Legen Sie Ihren Säugling bei Start und Landung an die Brust oder geben Sie ihm die Flasche oder den Schnuller. So kann es den Druckausgleich leichter bewältigen. Schläft das Baby, müssen Sie es selbstverständlich für Start und Landung nicht extra wecken. Ist die Nase ohnehin schon ein bisschen verstopft, nehmen Sie auf jeden Fall abschwellende, für das Alter geeignete Nasentropfen mit und geben Sie sie vor dem Start. Wenn es sich um einen Langstreckenflug handelt, möglicherweise auch noch einmal vor der Landung. Zusätzlich sind befeuchtende Kochsalztropfen sinnvoll, um die Nasenschleimhäute zu schonen. Für alle Fälle sollten Sie auch Fieberzäpfchen und etwas gegen Erbrechen mitnehmen (zum Beispiel Zäpfchen mit Dimenhydrinat in der für das Alter Ihres Kindes geeigneten Dosis).

Frau mit Baby im Flugzeug
Das sollten Sie beim Fliegen mit Baby dabei haben: warme Decke und Kleidung, Nasentropfen, Zäpfchen gegen Fieber und Erbrechen, gewohnte Babynahrung© Fotolia
 

Praktische Tipps für stressfreies Fliegen mit Baby

Babynahrung darf mit an Bord genommen werden, das ist kein Problem. Ist Ihr Kind jünger als zwölf Monate, können Sie um eine Babyliege bitten, die an die Wand gehängt werden kann. Allerdings sind diese Liegen begrenzt, Sie sollten also schon bei der Buchung daran denken. Alle älteren Kinder benötigen meist einen eigenen Sitzplatz, der dann leider auch kostenpflichtig ist.

Bei Langstreckenflügen mit einem Baby habe ich es mehrmals erlebt, dass die Eltern für die unmittelbar daneben sitzenden Passagiere ein kleines Paket dabei hatten – darin Ohrstöpsel, eine kleine Süßigkeit und ein Zettel, auf dem stand: „Dies ist mein erster Flug. Weil Mami und Papi nicht wussten, wie mir das gefällt, haben sie etwas für Sie vorbereitet, falls ich lautstark bekunden sollte, dass mir die Fliegerei nicht behagt.“

Damit hatten die Eltern von vornherein gute Stimmung bei den Sitznachbarn und wenn das Kind wirklich viel schrie, war das Gewissen der Eltern nicht ganz so belastet – für alle also eine nette kleine Geste, die den Eltern den Stress genommen hat, den eine lange Reise mit einem so kleinen Kind auslösen kann. So war es für alle viel entspannter – und Sie wissen ja, wenn Sie gestresst sind, überträgt sich das auch auf Ihr Baby. Kommen Sie gut in den Urlaub!

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