Entlastungsangebote für pflegende Angehörige

Redaktion PraxisVITA
Entlastungsangebote für pflegende Angehörige
© SilviaJansen
Inhalt
  1. Das Gläschen Wein wird zum falschen Freund
  2. Lust am Essen lässt nach
  3. Nerven liegen blank
  4. Schmerzen häufen sich
  5. Schlaflosigkeit kann zermürben
  6. Traurigkeit macht sich breit

Voll motiviert kümmert man sich um seinen kranken Angehörigen. Wer aber meint, immer alles allein und perfekt meistern zu müssen – und Entlastungsangebote nicht nutzt – verausgabt sich. Das passiert nicht von heute auf morgen. Die Kräfte schwinden langsam und die Psyche gerät in eine Stress-Spirale. Dann besteht Gefahr für Körper und Seele. Burn-out, Rückenschmerzen, Infekte, aber auch Depressionen sind bei pflegenden Angehörigen leider keine Seltenheit. Wer die Hilferufe seines Körpers erkennt, kann richtig reagieren.

 

Das Gläschen Wein wird zum falschen Freund

Es kann ein schönes Ritual sein: Man hat abends alles geschafft und gönnt sich zur Entspannung ein gutes Tröpfchen. Für viele der Höhepunkt des Tages. Doch wenn man ohne diesen alkoholischen Abschluss nicht mehr zur Ruhe kommt, kann sich eine Abhängigkeit aufbauen. Und diese muss sich nicht nur auf den Alkohol beschränken. Oft wird auch das Beruhigungsmittel zum unerlässlichen Begleiter, ohne den man nicht mehr durch den Tag kommt. Das kann eine Reaktion auf die Anforderungen sein, die einem über den Kopf wachsen. Sucht bei pflegenden Angehörigen ist weit verbreitet, das wissen wir aus der Statistik. Unser Rat: Erlernen Sie Entspannungsmethoden, um zur Ruhe zu kommen. Akzeptieren Sie Hilfe von außen als Entlastung bei der Pflege. Und wenden Sie sich vertrauensvoll an eine anonyme Sucht-Beratungsstelle. Denn aus der Abhängigkeit von Alkohol oder Tabletten kommt man nur schwer allein wieder heraus.

Appetitlosigkeit sind oft ein Anzeichen für Stress © iStock/SrdjanPav
 

Lust am Essen lässt nach

„Ich kann nichts essen, mir ist alles auf den Magen geschlagen.“ „Ich habe einfach keinen Appetit.“ „Nachts plündere ich kopflos den Kühlschrank.“ Solche Äußerungen sind typische Anzeichen für eine angeschlagene Psyche. Natürlich muss man beim Hausarzt abklären, ob es keine körperlichen Gründe für das gestörte Essverhalten gibt. Doch die Erfahrung zeigt, dass es häufig eine seelische Ursache hat. Fangen Sie wieder an, Mahlzeiten zu zelebrieren, das Essen als entspannende Auszeit zu sehen. Decken Sie den Tisch schön, nutzen Sie einen bunten Blumenstrauß als Blickfang. Suchen Sie sich Gesellschaft zum Essen, gute Freunde, die beim Kochen helfen. Verwöhnen Sie sich mit frischen, ausgewogenen Gerichten. Vitamine schenken auch EnergieEntlastungsangebot könnte eine Tagespflege sein: Das bietet Ihnen mehr Zeit, um Ihre Mahlzeiten in Ruhe zu genießen.

 

Nerven liegen blank

Plötzlich ist man nah am Wasser gebaut oder schnell aus der Fassung zu bringen. Jeder Mensch kann in Situationen geraten, in denen er das Gefühl hat, kurz vor der Explosion zu stehen. Bevor man aber womöglich seine Wut an dem Menschen auslässt, den man pflegt, sollte man aus dem Raum gehen und tief durchatmen, um sich zu beruhigen. Passiert das öfter, ist es höchste Zeit, sich Unterstützung zu suchen, um für sich selbst regelmäßig Abstand und Zeit zu bekommen. Es kann auch hilfreich sein, sich seine Sorgen einfach mal von der Seele zu reden. Das kann man mit Familie und Freunden. Entlastungsangebote für pflegende Angehörige sind zum Beispiel die Telefonseelsorge oder Teilzeitpflegekräfte.

 

Schmerzen häufen sich

Pflege kann auch körperlich anstrengend sein. Je nachdem, wie gebrechlich der zu Pflegende ist, muss man Kraft haben, um ihn z. B. umzubetten, zu baden, ihm beim Anziehen zu helfen. Rückenschmerz ist da nur eine mögliche Folge – und er kann zum Teil sogar psychisch bedingt sein. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Körperliche Ursachen müssen abgeklärt und entsprechend behandelt werden. Sind Bandscheiben, Gelenke und Muskeln in Ordnung, sollte man an die Seele denken. Massagen können zweifach helfen – Verspannungen lockern, aber auch Stress abbauen. Um körperlichen Beschwerden vorzubeugen, sollte man Entlastungsangebote, wie  ambulante Pflegedienste nutzen, die professionell mit anpacken, wo Hilfe nötig ist. Und für die Seele sollte man mehr Selbstpflege betreiben.

Frau mit Schlafstörungen
Schlaflosigketi ist ein Energieräuber. Hier finden Sie viele Entlastungsangebote  © iStock/martin-dm
 

Schlaflosigkeit kann zermürben

Guter Schlaf gehört zu den Lebenselixieren, damit Körper und Seele sich erholen können. Doch gerade er leidet, wenn man selbst überfordert ist. Sorgen und die Angst, die Pflege nicht mehr zu schaffen, lassen die Gedanken auch nachts kreisen. Unausgeschlafen ist man immer weniger in der Lage, die Anforderungen des Tages zu bewältigen. Ein Teufelskreis. Tipp: Führen Sie abends Tagebuch, in dem Sie Sorgen und negative Gedanken festhalten.

Das kann befreiend sein. Nehmen Sie abends ein Beruhigungsbad. Konzentrieren Sie sich im Bett auf Ihre Atmung und Ihren Körper. Sobald Sie merken, dass die Grübeleien wieder die Oberhand gewinnen, beginnen Sie von vorn. Sagen Sie sich: ,Gedanken Stopp!’. Liegt es eventuell an dem Pflegebedürftigen, der Sie auch nachts auf Trab hält, sollten Sie sich regelmäßig freie Nächte verschaffen. Entlastungsangebot für den Pflegenden kann hierbei eine Nachtpflege-Einrichtung sein.

 

Traurigkeit macht sich breit

Man hat zu nichts mehr Lust, sagt alle privaten Verabredungen ab, geht nicht mehr zum Sport. Und gelacht hat man schon lange nicht, worüber auch? Der Alltag erscheint doch eher düster und perspektivenlos. Wenn man nur noch trübe Gedanken hat, antriebslos und traurig ist, sollten die Alarmglocken laut schrillen. Das sind erste Anzeichen einer depressiven Verstimmung, die sich zu einer ernsten Depression auswachsen kann. Depressionen kommen bei pflegenden Angehörigen dreieinhalbmal häufiger vor als bei der übrigen Bevölkerung. Unser Rat: Nutzen Sie Hilfsangebote. Das kann eine online-Beratung sein. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Möglichkeiten einer Psychotherapie. Wichtigste Vorbeugemaßnahme: Gönnen Sie sich täglich schöne Momente, positive Auszeiten und pflegen Sie soziale Kontakte.

 
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