Energiemangel als Auslöser für Depressionen?

Depressionen verstehen
Rund fünf Millionen Deutsche leiden unter depressiven Verstimmungen. Forscher haben nun den Auslöser für Depressionen gefunden © Fotolia

Depressionen sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Seit Jahrzehnten werden die medizinischen Hintergründe intensiv erforscht. Dennoch waren die körperlichen Ursachen bislang ungeklärt. Nun haben deutsche Forscher einen völlig neuen Ansatz gefunden, um die Krankheit zu verstehen. Erfahren Sie bei Praxisvita, wie in Zukunft Depressionen einfach ausgeschaltet werden könnten.

 

Forscher finden möglichen Auslöser für Depressionen

Bisher galten fehlerhafte Ausschüttungen von Botenstoffen im Gehirn – zum Beispiel des Glückshormons Serotonin – als Auslöser für Depressionen. Häufig wird die Krankheit von medizinischen Laien und Betroffenen auch als psychologisches Problem verstanden und nicht als ein körperliches. Nun haben Forscher der Universität Ulm in einer aktuellen Studie eine völlig neue Sichtweise auf die Auslöser von Depressionen gefunden.

 

Zellkraftwerke im Fokus der Forschung

Die Studienergebnisse legen nahe, dass der Auslöser eine Depression tief in unserem Körper verborgen ist – genauer gesagt: In den Kraftwerken unserer Zellen. Diese sogenannten Mitochondrien sind für die Energieversorgung auf zellulärer Ebene zuständig, indem sie das Molekül Adenosintriphosphat – ein Energieträger und gleichzeitig Regulator energieliefernder Prozesse – produzieren.

Die Forscher um Studienautorin Professor Christina Böck fanden heraus, dass die Mitochondrien von depressiven Menschen „weniger leistungsfähig“ sind, als die gesunder Menschen. Daraus resultiere ein von den Zellen ausgehender Energiemangel, der sich über die zelluläre Ebene in körperlichen Symptomen – wie zum Beispiel Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, körperliche Ermattung, Desinteresse und einem Gefühl von Traurigkeit – äußert. Generell zeigte sich: Je geringer die Leistung der Mitochondrien, desto schwerer ausgeprägt war die depressive Verstimmung.

 

Sauerstoffgehalt verrät Mitochondrien

Damit genau ermittelt werden konnte, welche Leistung Mitochondrien erbringen, wurde der Sauerstoffverbrauch von Blutzellen ermittelt. Ein geringer Sauerstoffverbrauch in den Zellen deutet auf eine geringe Aktivität der Zellkraftwerke hin, erklärt Professor Böck. Die Blut-Sauerstoff-Werte von depressiven und gesunden Menschen konnten so verglichen werden, um den Zusammenhang von Depressionen und Zellenergie aufzuzeigen.

Die Entdeckung der Mediziner aus Ulm zeigt schon jetzt neue Behandlungswege für depressive Menschen auf. Sport ist beispielsweise schon länger dafür bekannt, dass er die Aktivität der Zellkraftwerke steigert und könnte ein Therapieansatz sein. Grundsätzlich würde vor diesem Hintergrund eine Methode, die den Energiegewinnungsprozess in den Zellen wieder anregt, einem Ausschalter für Depressionen gleichkommen.

Zudem ließe sich – andersherum gedacht – anhand der Mitochondrienaktivität von Ärzten genau feststellen, ob traditionelle Behandlungsmethoden bei depressiven Patienten anschlagen oder nicht.

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