Endometriose: Heilmittel erforscht

Verena Elson

Endometriose ist für die Betroffenen extrem belastend – die Erkrankung kann zu starken Schmerzen führen ist häufig die Ursache von Unfruchtbarkeit. Eine neue Entdeckung US-amerikanischer Forscher bringt jetzt neue Hoffnung.

Endometriose kann extreme Schmerzen verursachen
Endometriose kann extreme Schmerzen verursachen © Mladen Zivkovic/iStock

Das sogenannte Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) wird bei Frauen in jedem Zyklus neu gebildet. Es soll als „Nistplatz“ für eine eventuell befruchtete Eizelle bereitstehen. Nistet sich keine Eizelle ein, wird die nicht benötigte Schleimhaut abgestoßen – es kommt zur Regelblutung.

Bei einer Endometriose wächst die Gebärmutterschleimhaut nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Gebärmutter in benachbarten Organen. Je nach Ort der Wucherungen kann das ohne Symptome vor sich gehen und zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt werden – es kann aber auch zu extremen Schmerzen führen, besonders um den Zeitraum der Monatsblutung herum, wenn der Körper erfolglos versucht, die „zerstreute“ Gebärmutterschleimhaut abzustoßen.

 

Bisher keine Heilung möglich

Die Ursache der Endometriose konnte noch nicht genau entschlüsselt werden. Als ein möglicher Faktor gilt die Tatsache, dass ein Teil der Gebärmutterschleimhaut bei betroffenen Frauen nicht richtig mit den zuständigen Hormonen „zusammenarbeitet“: Die unterste Schicht der Schleimhaut, die sogenannte Basalis, bleibt unter Einfluss des Hormons Progesteron bei der Regelblutung normalerweise bestehen – aus ihr entwickelt sich dann das neue Endometrium. Die Basalis tendiert zum Wuchern, das garantiert den schnellen Aufbau der neuen Schleimhaut. Bei Endometriose-Patientinnen werden jedoch auch Teile der Basalis abgebaut – und siedeln sich außerhalb der Gebärmutter an, wo sie teils schmerzhafte Wucherungen bilden.

Bisher gibt es keine ursächliche Behandlung bei Endometriose. Zur Linderung der Symptome wurde bislang eine Hormontherapie eingesetzt, die vorhandene Wucherungen verkleinert und das Entstehen neuer Wucherungen unterbindet – allerdings verhindert sie auch den Aufbau einer normalen Gebärmutterschleimhaut: Die Regelblutung bleibt aus und die Patientin kann in dieser Zeit nicht schwanger werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Wucherungen im Bauchraum operativ zu entfernen.

Frau mit Endometriose und negativem Schwangerschaftstest
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Was ist Endometriose und was hilft dagegen?

 

Heilung durch transplantierte Gebärmutterschleimhaut?

Was Forschern an der Northwestern University in Illinois jetzt gelungen ist, eröffnet neue Möglichkeiten der Endometriose-Therapie – und weckt sogar die Hoffnung auf eine Heilung. In ihrer aktuellen Studie demonstrierten Dr. Sedar Bulun und sein Team, dass sich gesunde Endometrium-Zellen im Labor züchten lassen – und zwar aus sogenannten pluripotenten Stammzellen. Dabei handelt es sich um Stammzellen, die das Potenzial haben, sich in jede Art von Körperzellen zu entwickeln. Seit einigen Jahren ist es Medizinern möglich, solche Zellen im Labor zu züchten.

Aus Sicht der US-Forscher eröffnet ihre Entdeckung die Möglichkeit, aus Hautproben von Endometriose-Patientinnen gewonnene Stammzellen in Endometrium-Zellen zu „verwandeln“ und diese in die Gebärmutter der betroffenen Frauen zu transplantieren. Die so geschaffenen neuen Zellen würden wie die einer gesunden Frau auf Progesteron reagieren und in der Gebärmutter verbleiben, so die Hoffnung der Forscher. Ein weiterer Vorteil: Da es sich um körpereigene Zellen der Patientinnen handeln würde, wäre auch das Risiko einer Abstoßung durch das Immunsystem minimiert.

„Das ist gewaltig. Wir haben die Tür zu einer Heilung der Endometriose geöffnet“, so Studienautor Bulun, der seit 25 Jahren Endometriose-Therapien erforscht. Bisher kann sich das Team allerdings nur auf Labortests berufen – bis eine entsprechende Therapie zugelassen wird, dürften noch einige Jahre vergehen.

Quelle:
Miyazaki, Kaoru, et al. (2018): Generation of Progesterone-Responsive Endometrial Stromal Fibroblasts from Human Induced Pluripotent Stem Cells: Role of the WNT/CTNNB1 Pathway, in: Stem Cell Reports.

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