Endlich heilbar? – Forscher melden erfolgreiche Ebola-Therapie

RNA bekämpft Ebola
Die neu entwickelte RNA-Therapie gegen Virusinfektionen – wie Ebola – zeigt bisher keine Nebenwirkungen © Fotolia

Seit Ende 2013 erschüttert Westafrika eine der größten Ebola-Epidemien aller Zeiten. Bisher gelten alle Therapieansätze als gescheitert oder sind zu aufwendig, um sie flächendeckend einzusetzen. Doch nun melden texanische Forscher einen Durchbruch bei der Suche nach einem Medikament gegen eine der tödlichsten Krankheiten der Neuzeit.

Immer wieder meldeten Mediziner rund um die Welt, Ansätze für mögliche Behandlungswege oder Impfmittel gegen das tödliche Virus gefunden zu haben. Zuletzt geisterte das experimentelle Medikament ZMAPP durch die Medien, das vielleicht tatsächlich zur Genesung von zwei an Ebola erkrankten Amerikanern geführt haben könnte, aber zur Zeit nicht in ausreichenden Mengen hergestellt werden kann.

 

Neuer Weg der Ebola-Therapie

Nun stellten US-amerikanische Forscher der University of Texas ein Verfahren vor, das – anders als weitere Ansätze zur Ebola-Behandlung der letzten Monate – in Fachkreisen als vielversprechend eingestuft wird: Die sogenannte RNA-Therapie.

Diese neue Ebola-Behandlung setzt dabei auf die Manipulation der sogenannten Virus-RNA. Die RNA (Ribonukleinsäure) ist üblicherweise in Zellen an der Herstellung von Proteinen beteiligt.

 

Virus wird an der Fortpflanzung gehindert

Die nun veröffentlichte Untersuchung basiert direkt auf einer Vorstudie aus dem Jahr 2010, bei der die RNA-Therapie im Laborversuch erfolgreich zur Ebola-Behandlung eingesetzt worden war. Diesmal übertrugen die Wissenschaftler das Verfahren allerdings auf den noch aggressiveren Marburg-Virus – da beide Viren eng verwandt sind, blieb der Prozess identisch.

Die texanischen Wissenschaftler um den Virologen Professor Thomas Geisbert manipulierten das Virusgen durch Zugabe eines RNA-Fragments (Small Interfering RNA) so, dass der Erreger sich nicht mehr fortpflanzen konnte. Das sogenannte siRNA-Fragment stört dabei konkret die Erbinformation im Virus, die für die Vermehrung zuständig ist, indem sie sich an das Virusgen anhängt – und so verändert.

 

Das Verfahren heilt Ebola – ohne Nebenwirkungen

Um die Wirksamkeit der RNA-Therapie – das tausenden Menschen das Leben retten könnte – nachzuweisen, infizierten die Forscher 21 Makaken mit dem Virus. Nach der Infektion bekamen 16 der Tiere eine Injektion mit dem siRNA-Fragment verabreicht – die unbehandelten Tiere fungierten als Kontrollgruppe.

Um das Zeitfenster einer Virus-Behandlung mit dem RNA-Fragment einzugrenzen, bekamen die Makaken das Therapeutikum zeitversetzt nach der Infektion – vier innerhalb einer Stunde und jeweils vier nach einem, zwei und drei Tagen. Insgesamt wurde die siRNA-Injektion täglich für eine Woche verabreicht. 

Tatsächlich überlebten alle Tiere, die mit den siRNA-Injektionen behandelt worden waren, die Infektion. Die Forscher konnten „keine auffälligen Nebenwirkungen“ feststellen. Der zeitversetzte Versuchsaufbau der Studie zeigte zudem, dass sich die RNA-Therapie auch zur Behandlung von Patienten eignet, bei denen der Virus schon mehrere Tage ausgebrochen ist.

 

Klinische Studien bereits zugelassen

Ein weiterer Vorteil der siRNA-Injektion ist die Möglichkeit, den Wirkstoff – im Gegensatz zu anderen Ansätzen zur Ebola-Therapie, wie z.B. ZMAPP – sofort in großen Mengen produzieren zu können. Die Studienergebnisse sind nach Aussagen von Professor Geisbert insgesamt so vielversprechend, dass die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) bereits eine „klinische Phase-I-Studie mit einem siRNA-Präparat gegen Ebola“ genehmigt hat.

Hamburg, 23. August 2014

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