Emotionale Einblicke: So ging es mir nach der Geburt

Verena Elson Medizinredakteurin

Du bist nicht allein! Diese Botschaft richtet Teresa Wong an alle jungen Mütter, die an postpartalen Depressionen leiden. Mit ihren persönlichen Zeichnungen erzählt sie, wie es ihr nach der Geburt ihres ersten Kindes ging.

Eine junge Mutter im Krankenhaus hat postpartale Depressionen
Foto:  Orbon Alija/iStock

Manchmal ist es unmöglich, Gefühle in Worte zu fassen. So ging es Teresa Wong, als sie auf eine leidvolle Episode ihres Lebens zurückblickte: ihre postpartale Depression nach der Geburt ihrer Tochter Scarlet.

Die Künstlerin und Autorin fand einen anderen Weg, ihre Geschichte zu erzählen: über Zeichnungen, die sie selbst zeigen, mit allen ihren Ängsten und körperlichen Gebrechen nach der Geburt. Ihre „grafischen Memoiren“ veröffentlichte sie in dem Buch „Dear Scarlet: The Story of My Postpartum Depression“. An ihre Tochter gerichtet, erzählt die inzwischen dreifache Mutter ihre Leidensgeschichte. 

 

Postpartale Depressionen: Selbst-Zeichnungen einer Betroffenen

Auf der Webseite mother.ly gibt es Kostproben von Wongs Zeichnungen. Darauf zu sehen: Die junge Mutter, die im Bett liegt und versucht sich auszuruhen, während der Vater sich um das Baby kümmert. Doch trotz ihrer unglaublichen Erschöpfung findet sie keine Ruhe – ihr Herz rast, ihr Körper ist in höchster Alarmbereitschaft.

Eine andere Zeichnung zeigt Wongs „post partum Körper“ – schonungslos beschreibt sie all die Gebrechen und Beschwerden, die sie nach der Geburt plagten: geschwollene Füße, die in keine Schuhe mehr passten. Eine schmerzhafte Dammschnitt-Narbe. Eine entzündete Blase. Getrocknetes Erbrochendes im Haar. Wunde Brüste. Ein „Ballonbauch, aus dem die Luft herausgelassen wurde“. „Massive Hämorrhoiden“, die aussahen „wie ein Bündel Trauben“.

 

Geschundener Körper, geschundene Seele

Als Wong schließlich mit Mann und Kind das Krankenhaus verließ, wurde sie von düsteren Gedanken und übermächtigen Ängsten begleitet. In einer Zeichnung stellt sie diese Gedanken als schwarze Wolken dar, die drohend über ihr und ihrer kleinen Familie hängen. „Wie werden wir sie am Leben halten?“ „Ich hoffe, wir sind bereit“. Neben solchen existenziellen Ängsten ist ihr Kopf voll mit Alltagssorgen wie der Liste an Besorgungen für das Baby.

Die Zeichnungen sind erschreckend – nicht, weil sie grafische Details zeigen. Sondern weil sie schonungslos wiedergeben, wie eine postpartale Depression junge Mütter lähmt und ihnen die Chance nimmt, die Anfangszeit mit ihrem Baby zu genießen. Für Betroffene ist diese Zeit nicht – wie so oft in Medien und von Freundinnen beschrieben – die schönste Zeit ihres Lebens, sondern die schlimmste Zeit ihres Lebens. Sie haben übermäßige Angst, sich nicht richtig um ihr Kind kümmern zu können, haben das Gefühl, als Mutter unfähig zu sein, oder können keine Zuneigung zu ihrem Kind entwickeln.

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Hilfe suchen ist der erste Schritt zur Besserung

Expertenschätzungen zufolge leiden zehn bis 20 Prozent der Mütter nach der Geburt an einer postpartalen Depression. Anders als der sogenannte Babyblues, an dem bis zu 80 Prozent der jungen Mütter leiden, vergeht diese Form der Depression nicht nach ein paar Tagen, sondern kann Monate oder sogar über ein Jahr anhalten. Die Folge ist mitunter eine anhaltende Beziehungsstörung zum Kind, die auch Auswirkungen auf die mentale Gesundheit des Nachwuchses hat.

Wichtig ist es darum, dass Betroffene sich Hilfe suchen. Doch viele Frauen trauen sich nicht – sie wollen nicht wahrhaben, dass etwas mit ihnen „nicht stimmt“. Sie fühlen sich schuldig und schämen sich, wenn das viel gepriesene Mutterglück ausbleibt. Dabei ist die postpartale Depression eine Krankheit, an der niemand Schuld trägt, und die gut behandelt werden kann. Betroffene Frauen oder Angehörige sollten einen Arzt ansprechen (z.B. Hausarzt oder Frauenarzt), dieser kann ihnen therapeutische Hilfe empfehlen. Eine Anlaufstelle für Frauen und Männer mit Depressionen rund um die Geburt eines Kindes bietet außerdem der Verein Schatten & Licht.

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