Emil von Behring besiegt die Kinderseuche Diphtherie

Redaktion PraxisVITA
Emil von Behring fand 1891 heraus, dass man mit einem Gegengift die tödliche Infektionskrankheit Diphtherie bekämpfen kann
Emil von Behring fand 1891 heraus, dass man mit einem Gegengift die tödliche Infektionskrankheit Diphtherie bekämpfen kann © Corbis

Emil von Behring entdeckte 1891 ein Mittel gegen die Infektionskrankheit Diphtherie, das fast alle Patienten überleben ließ! Wie Emil von Behring diese Erfindung gelang, lesen Sie hier.

Es ist Heiligabend des Jahres 1891. In der Berliner Charité ringt ein kleiner Junge mit dem Tode. Er bekommt keine Luft, sein Gesicht ist stark angeschwollen, er hat hohes Fieber. Ursache ist die gefürchtete Rachenkrankheit Diphterie.

 

Emil von Behring will neues Serum testen

Den Jungen haben die Ärzte aufgegeben. Doch der Mediziner Emil von Behring will an dem Kind ein neues, von ihm entwickeltes Serum testen. Das Wunder geschieht: Der Junge wird gesund! Emil von Behring bewies damit, dass sein Gegengift die tödliche Infektionskrankheit bekämpfen kann. Der aus der Nähe von Danzig stammende Sohn eines armen Dorfschullehrers forschte schon als Militärarzt über Infektionskrankheiten. In der Jugend erlebte er in seiner Heimat den Ausbruch der Diphterie – die Kinder starben wie die Fliegen. Die Machtlosigkeit, mit der Emil von Behring dem Elend zusehen musste, vergaß er nie. Die Erfahrung und der eiserne Wille nach Aufstieg bleibt beständiger Antrieb für seine Forschungen.

 

Emil von Behring: Heilung der todbringenden Infektion

Er begibt sich auf die Suche nach körpereigenen Gegengiften, experimentiert mit Meerschweinchen und entdeckt, dass einige Tiere immunisiert werden, wenn man ihnen abgeschwächte Diphterie-Erreger spritzt. Die Tiere bilden Antikörper, die die Krankheit stoppen. Das ist die Idee zur Entwicklung eines Heilserums, das ab 1894 auf den Markt kommt.

Diphtherie – Die tödliche Infektion

Die bakterielle Infektionskrankheit ist hoch ansteckend. Übertragen wird sie durch Tröpfcheninfektion. Diphterie-Bakterien siedeln sich auf den Schleimhäuten der Atemwege an und scheiden ein Gift aus, das die Körperzellen zerstört. Besonders gefährlich ist die Kehlkopf-Diphterie, die oft als Folge einer Infektion des Rachens auftritt. Ihre Symptome sind bellender Husten, Heiserkeit und dann Stimmlosigkeit. Gesicht und Hals schwellen stark an, der Kranke leidet unter zunehmender Atemnot. Ohne Behandlung verläuft die Diphterie oft tödlich.

Der Erfolg des Serums ist beispiellos. In einer ersten Studie werden von 108 erkrankten Kindern 102 geheilt! Einst starben in Deutschland jährlich 60 000 Jungen und Mädchen an der Krankheit, jetzt gibt es nur noch wenige Todesfälle. Emil von Behring wird als "Retter der Kinder" gefeiert.

 

Emil von Behring: Adelsstand, Nobelpreis, eigene Firma

Seine Karriere ist perfekt: War Emil von Behring schon durch seine Heirat mit Else Spinola in das Großbürgertum aufgestiegen, erhebt man ihn jetzt in den erblichen Adelsstand. 1901 wird er sogar mit dem ersten Medizinnobelpreis geehrt! Mit dem Preisgeld gründet Emil von Behring die Behringwerke in Marbach bei Marburg.

Doch der mit zwölf Geschwistern in einfachsten Verhältnissen aufgewachsene Emil von Behring kommt nicht zur Ruhe. Immer ist er unter Dampf. Der pausenlose Einsatz hinterlässt Spuren: 1907 bricht der Forscher geistig und körperlich erschöpft zusammen. Er muss drei Jahre in ein Sanatorium. Danach, in seinen letzten Lebensjahren, entwickelt er einen Diphterie-Impfstoff und ein Serum gegen Tetanus. Emil von Behring erlebt noch, wie im Ersten Weltkrieg Millionen von Soldaten damit behandelt werden. 1917 stirbt er 63-jährig in Marburg an einer Lungenentzündung.

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