Eiweißschock nach Austern & Co.: Mythos oder Realität?

Mona Eichler

Erleidet man einen Eiweißschock, wenn man zu viele Austern oder Eier gegessen hat? Was ist dran am Mythos Eiweißschock?

Proteinreiche Lebensmittel sortiert
Auch bei extrem hoher Proteinzufuhr: Ein Eiweißschock ist nicht möglich Foto:  iStock/Santje09
Inhalt
  1. Eiweißschock: Gibt es das überhaupt?
  2. Eiweißallergie oder -unverträglichkeit?
  3. Warum ist eine Eiweißallergie nicht möglich? 
  4. Wozu braucht der Körper Eiweiß?
  5. Wie viel Eiweiß braucht der Körper?
 

Eiweißschock: Gibt es das überhaupt?

Immer wieder stolpert man, vor allem als Sportbegeisterter, über das Schlagwort Eiweißschock. Wer zu viele Austern, Muscheln, Garnelen oder auch Eier zu sich genommen hat, soll ihn erleiden, und in der Folge an Symptomen wie

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit 
  • Erbrechen 
  • Schwindel und
  • Kreislaufproblemen leiden.

Unabhängig von jeglichen Symptomen muss man aber sagen: Einen Eiweißschock gibt es nicht, er wurde nie wissenschaftlich belegt. Trotzdem kommt es natürlich vor, dass sich Menschen nach der Aufnahme von eiweißreichem Essen unwohl fühlen und eben jene oben genannten Symptome auftreten. Dem zugrunde liegt aber kein Eiweißschock, sondern entweder eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine Allergie.

 

Eiweißallergie oder -unverträglichkeit?

Zwischen einer Lebensmittelunverträglichkeit und einer Allergie bestehen bestimmte Unterschiede:
Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit kommt es zu Verdauungsproblemen im Darm, da der Körper bestimmte Nahrungsbestandteile nicht zerlegen oder aufnehmen kann. Dies ruft Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen hervor.
Eine Allergie löst indes eine Überreaktion des Immunsystems aus, bei dem die sogenannten IgE Antikörper gebildet werden. Die Symptome können von leichtem Jucken, Brennen und Schwellungen im Mundraum bis zum lebensbedrohlichen Kreislaufversagen im anaphylaktischen Schock reichen.

Nährstoffe Die Wahrheit über Eiweiß

 

Warum ist eine Eiweißallergie nicht möglich? 

Von "einer" Eiweißallergie oder -unverträglichkeit zu sprechen, ist nicht möglich, weil es das eine Eiweiß, worauf man allergisch sein könnte, nicht gibt. Nahrungseiweiße, also aus Aminosäuren zusammengesetzte Proteine, kommen in den unterschiedlichsten Formen und Zusammensetzungen in allen Nahrungsmitteln vor. Die bekanntesten Formen von Eiweißunverträglichkeiten treten bei Hühnereiweiß und Milcheiweiß auf. 

Wer beispielsweise nach dem Verzehr von Austern, Garnelen, Milchprodukten oder Eiern das Gefühl hat, mit einer Allergie oder Lebensmittelunverträglichkeit zu reagieren, sollte das jeweilige Nahrungsmittel im Ganzen weglassen. Eine ärztliche Untersuchung kann klären, ob es sich um eine Intoleranz oder eine Allergie handelt.    

 

Wozu braucht der Körper Eiweiß?

Die Aminosäuren, aus denen Eiweiße bestehen, übernehmen zentrale Aufgaben in unserem Körper. Sie sind an der Zellregeneration beteiligt, am Wachstum der Muskeln, sie transportieren Sauerstoff und sorgen für die Bildung von Hormonen und Enzymen. Rund 21 Aminosäuren übernehmen diese und weitere Schlüsselrollen und nicht alle kann der Körper selbst produzieren, weswegen sie über die Nahrung aufgenommen werden müssen.

 

Wie viel Eiweiß braucht der Körper?

Der Eiweißbedarf ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig und daher bei jedem individuell. Grob lässt sich sagen, dass auf ein Körpergewichts ein Gramm Eiweiß kommt. Besonders sportliche Menschen sollten allerdings 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht rechnen. Wiegt eine Person beispielsweise 60 Kilo, beträgt ihr täglicher Eiweißbedarf also zwischen 60 und 90 Gramm, je nachdem, wie sportlich Sie sind.

Mit Blick auf den Mythos Eiweißschock sei erwähnt: 100 Gramm Austern enthalten rund 9 Gramm Eiweiß – um sich in einen vermeintlichen Eiweißschock zu essen, müsste man unzählige dieser Muscheln zu sich nehmen. Diese Delikatesse kann also weiterhin entspannt genossen werden. 

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