Einschlafstörungen: Ursachen und was dagegen hilft

Redaktion PraxisVITA

Einschlafstörungen gehören zu den häufigsten Schlafproblemen. Jeder liegt hin und wieder länger wach als gewöhnlich. Doch ab wann wird Schlaflosigkeit krankhaft? Und wie kann man besser einschlafen? 

Inhalt
  1. Normale Einschlafprobleme und Einschlafstörungen – das ist der Unterschied
  2. Einschlafstörungen: Diese Symptome treten auf
  3. Einschlafstörungen: Die häufigsten Ursachen
  4. Einschlafstörung bei Babys und Kindern
  5. Was hilft bei Einschlafstörungen? Tipps zum Einschlafen
  6. Einschlafstörungen – wie Homöopathie helfen kann
  7. Wann kommen Medikamente bei Einschlafstörungen zum Einsatz?
 

Normale Einschlafprobleme und Einschlafstörungen – das ist der Unterschied

Nahezu jeder kennt es: Man geht zu Bett, vielleicht ist man sogar müde, aber man kann nicht direkt einschlafen. Sorgen muss man sich deswegen nicht machen. Denn um eine Einschlafstörung handelt es sich erst dann, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind:

Eine Einschlafstörung liegt vor, wenn man über einen Zeitraum von vier Wochen mindestens dreimal die Woche mehr als 30 Minuten braucht, um einzuschlafen. Als krankhaft wird eine Einschlafstörung dann bezeichnet, wenn das Wohlbefinden des Betroffenen stark darunter leidet und es aufgrund des Schlafmangels zu Leistungseinbußen kommt. Ab einer Dauer von vier Wochen gilt eine Schlafstörung als akut, nach sechs Monaten als chronisch.

Typischerweise tritt eine Einschlafstörung nicht alleine, sondern in Verbindung mit anderen Schlafstörungen auf, wie Durchschlafstörungen oder dem Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine). Die Betroffenen leiden an einem unruhigen Schlaf mit mehrmaligem Erwachen in der Nacht und einem zu frühen Aufwachen am Morgen.

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Einschlafstörungen: Diese Symptome treten auf

Schwierigkeiten beim Einschlafen sind nicht das einzige Symptom, an dem Betroffene erkennen können, dass Sie an einer Einschlafstörung leiden.

Diese Anzeichen weisen ebenfalls darauf hin: 

  • Schlaflosigkeit trotz Müdigkeit
  • Das Einschlafen dauert mindestens 30 Minuten
  • Morgens brauchen Sie lange, bis Sie sich richtig wach fühlen
  • Am Tag zeigen sich Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten und eine geringere Leistungsfähigkeit
  • Grübeln und Sorgen aufgrund der Einschlafprobleme
 

Einschlafstörungen: Die häufigsten Ursachen

Die Ursachen von Einschlafstörungen sind oft psychischer Natur: Stress im Job, psychische Erkrankungen sowie Anspannung und Sorgen aufgrund bevorstehender Termine oder Prüfungen verhindern, dass die Gedanken zur Ruhe kommen und erschweren so das Einschlafen. Auch Medikamente und gesundheitliche Beschwerden und Krankheiten, wie chronische Schmerzen oder Herzprobleme, können zu Schlaflosigkeit führen.

Jedoch müssen nicht immer ernste Ursachen hinter den Einschlafproblemen stecken. Auch ganz banale Dinge können einen schlechten Schlaf verursachen, etwa eine zu hohe oder zu niedrige Raumtemperatur, Koffeinkonsum oder mangelnde Bewegung. Zudem leiden Frauen in den Wechseljahren vermehrt unter Schlafstörungen, da Hitzewallungen und Nachtschweiß die Nachtruhe stören.

Die Ursachen von Einschlafproblemen im Überblick:

  • Unregelmäßige Schlafzeiten
  • Zu frühes Zubettgehen 
  • Stress und Aufregung, z.B wegen eines wichtigen Termins am nächsten Tag oder wegen Streit mit dem Partner am Abend
  • Psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen
  • Körperliche Beschwerden und Krankheiten
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Mangelnde Bewegung
  • Starker Konsum von koffeinhaltigen Getränken, wie Kaffee und Cola
  • Üppiges Essen, vor allem kurz vor dem Zubettgehen
  • Eine neue oder schlechte Schlafumgebung (Lärm durch Straßenverkehr, eine zu warme Bettdecke, stickige Luft)

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Einschlafstörung bei Babys und Kindern

Nicht nur Erwachsene sind von Einschlafproblemen betroffen, sondern auch Kinder. Es ist normal, dass Kleinkinder sich phasenweise gegen das Zubettgehen quer stellen, vor allem in der Trotzphase, oder hin und wieder länger brauchen, um einzuschlafen – der Schlafrhythmus muss sich erst einpendeln. Anders ist es, wenn die Einschlafprobleme mehr als vier Wochen anhalten und spürbare Beeinträchtigungen im Alltag verursachen, wie starke Unruhe und Antriebslosigkeit.

Einschlafstörungen beim Kind kann zeigen sich oft dadurch, dass es ungewöhnlich „aufgedreht“ ist. Grundschulkinder können zudem unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Ein voller Terminkalender, Reizüberflutung, eine fehlende körperliche Auslastung, aber auch Ängste, Leistungsdruck und Aufregung sind typische Ursachen für die Einschlafstörung beim Kind. Damit sich die Schlafprobleme nicht chronifizieren, sollten sich Eltern vom Kinderarzt beraten lassen.

Eine Einschlafstörung beim Baby ist dagegen sehr selten – meist handelt es sich um Einschlafprobleme, die durch körperliche Beschwerden, wie Koliken, Erkältungen oder Ohrenschmerzen, verursacht werden. Ist die Erkrankung überstanden, verschwinden die Schlafprobleme in aller Regel wieder.

 

Was hilft bei Einschlafstörungen? Tipps zum Einschlafen

Wie Einschlafstörungen gelöst werden können, hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. So können Entspannungsmethoden, wie Yoga oder Meditation, dabei helfen, Stress abzubauen und Körper und Geist zur Ruhe zu bringen. Bei dauerhaften psychischen und körperlichen Erkrankungen lässt sich die Schlaflosigkeit hingegen nur durch eine Therapie(-umstellung) behandeln.

Wenn weder eine körperliche noch eine psychische Ursache für die Einschlafstörung gefunden werden kann, sollte man seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Eine Umstellung auf eine leichte, gesunde Kost – besonders am Abend – und regelmäßiger Sport tragen zu einem guten Schlaf bei – auch bei Kindern.

Treten Schlafprobleme neu auf, kann die Angst davor die Entstehung einer Einschlafstörung begünstigen: Plagt einen die Angst, dass man am Abend wieder nicht einschlafen und am nächsten Tag unausgeruht sein wird, kann sich das zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln, die eine chronische Einschlafstörung erst auslöst. Kann man mehrere Tage hintereinander nicht einschlafen, ist daher zunächst das Wichtigste, Ruhe zu bewahren. Auch wenn es schwer fällt: Versuchen Sie zu akzeptieren, dass Sie weniger schlafen und ergründen Sie die Ursachen für ihre Schlaflosigkeit. 

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Diese Tipps zum Einschlafen können zusätzlich dabei helfen, das Problem schnell in den Griff zu bekommen:

  • Zwingen Sie sich nicht zum Schlafen und gehen Sie erst dann ins Bett, wenn Sie müde sind.  
  • Setzen Sie auf pflanzliche Schlafmittel: Lavendel, Baldrian und Hopfen haben sich als natürliche Schlafmittel bewährt. Als Kapseln, Tabletten und Tropfen sind sie in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich. Auf Schlaftabletten sollte aufgrund des Abhängigkeitspotentials möglichst verzichtet werden.
  • Bei einer Einschlafstörung können auch Hausmittel Abhilfe schaffen: Warme Milch mit Honig gehört zu den bekanntesten Einschlafhilfen. Das Getränk kann gegen Schlaflosigkeit helfen. Zum einen enthält Milch nämlich Substanzen, die den Schlaf fördern. Zum anderen hat das Getränk einen psychologischen Effekt, da es das Wohlbefinden steigert und entspannend wirkt. 
  • Blaues Licht blockiert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Schalten Sie daher ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen alle elektronischen Geräte aus, um gut schlafen zu können.
  • Statt Fernsehen wählen Sie eine monotone, einschläfernde Beschäftigung vor dem Zubettgehen, wie Lesen – oder Schäfchen zählen. Diese Methode wirkt tatsächlich bei Einschlafstörungen, da sie einen von Gedankenkreisen und Grübeln abhält. 

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Einschlafstörungen – wie Homöopathie helfen kann

Sind die Einschlafstörungen so hartnäckig, dass auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten keine deutliche Besserung bewirkt, können homöopathische Globuli die Symptome verbessern.

Die wichtigsten homöopathischen Arzneien bei Einschlafstörungen:

  • Aconitum: wenn seelische Belastungen, Traumen, Schock die Ursache sind. Angst vor Alpträumen
  • Argentum nitricum: bei Aufregung vor Prüfungen, Vorträgen
  • Arsenicum album: viele Ängste und Sorgen schon um Kleinigkeiten
  • Chamomilla: trotz Müdigkeit ist das Einschlafen unmöglich, ärgerliche Stimmung
  • Calcium carbonicum: spätes Einschlafen, Gedankenkreisen
  • Cocculus: Erschöpfung durch die Pflege Angehöriger, Schichtdienste, Reisen
  • Gelsemium: lähmende Angst vor Prüfungen verbunden mit Unruhe
  • Ignatia: Kummer und Sorgen, überdrehtes Nervenkostüm
  • Nux vomica: zu viel Arbeit, zu viele Genussmittel, Gedankenkreisen
  • Pulsatilla: wach am Abend, Bedürfnis nach Nähe
  • Sepia: unruhig und sehr erschöpft, zu müde, um einzuschlafen

Alle genannten Mittel können in der Potenz D6 oder D12 drei Mal täglich als Globuli eingenommen werden bis sich die Symptome bessern. Bei chronischen Einschlafstörungen eignen sich die C-Potenzen, wie C30 oder C200, als einmalige Dosis von drei Globuli. Hierbei sollte ein Heilpraktiker oder homöopathischer Arzt hinzugezogen werden.

Foto: iStock
Hausmittel Aromatherapie: Heilung durch ätherische Öle

Als einer der wirkungsvollsten pflanzlichen Wirkstoffe bei Einschlafstörungen gilt hochdosiertes Lavendelöl. Dies hat sich in zahlreichen Studien wirksam auf die mit den Schlafproblemen verbundene innere Unruhe, Angstgefühle oder auch wechseljahresbedingte Schlafstörungen gezeigt. Es wirkt Angst lösend, antidepressiv, beruhigend und entkrampfend. Hochdosiertes Lavendelöl wirkt direkt auf die Reizfilter unseres Nervensystems und seine Botenstoffe. Dadurch werden Stoffe zurückgedrängt, die für Erregung sorgen. Auf diese Weise lassen sich Einschlafstörungen mit Lavendelöl auf natürliche Weise behandeln.

 

Wann kommen Medikamente bei Einschlafstörungen zum Einsatz?

Wenn natürliche Mittel keine Wirkung zeigen, werden Einschlafstörungen mit Medikamenten behandelt, um den Schlafrhythmus wiederherzustellen. In besonders schweren Fällen, etwa, wenn die Betroffenen über einen längeren Zeitraum weniger als fünf Stunden Schlaf bekommen, werden sogenannte Benzodiazepine eingesetzt. Das sind starke Sedativa, die beruhigend und angstlösend wirken. Aufgrund ihres hohen Abhängigkeitspotentials werden sie jedoch unter ärztlicher Kontrolle und nur kurzfristig bei Einschlafstörungen eingenommen. 

Wird die Einschlafstörung durch eine psychische Erkrankung ausgelöst, lässt sich mit den richtigen Medikamenten die Schlafqualität der Betroffenen wiederherstellen. Bei Depressionen sowie Angst- und Panikstörungen verbessern sich in der Regel die Krankheitssymptome durch die medikamentöse Behandlung und damit auch das Schlafverhalten. Es gibt einige beruhigende Antidepressiva, die gegen Einschlafstörungen helfen, ohne abhängig zu machen. 

Quellen:

Naturheilkundliche Behandlung von Schlafstörungen und Ängsten, in: uniklinik freiburg

Kasper S.: Pharmakon 2016; 4(4): 365-372.

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