Einmal pusten, bitte! – Was der Atem über Lungenkrebs verrät

Atemtest zur Früherkennung bei Lungenkrebs
Beim Atemtest werden die Stoffe in der Luft chemisch genau untersucht. Auf diese Weise lässt sich Lungenkrebs bereits im Frühstadium diagnostizieren © Fotolia

Was die Polizei zum Nachweis von Alkohol schon lange nutzt, ist auch Ärzten immer öfter hilfreich. Sie begeben sich mit sensiblen Atemtests auf die Suche nach Tumoren in der Lunge, Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und hohen Blutzuckerwerten bei Diabetes.

Wenn der Arzt sich ein Bild darüber machen möchte, was in unserem Körper los ist, hat er viele Möglichkeiten – von Ultraschall über Röntgen bis zur Blutuntersuchung. Eine Diagnosemethode, die immer öfter zum Einsatz kommt, die aber nur wenige kennen, ist die Atemanalyse. Sie hilft bei vielen Beschwerden unkompliziert und sicher weiter.

 

Tumore in Lunge oder Darm

Lungen- oder Darmkrebs werden oft erst spät entdeckt. In Studien konnte gezeigt werden, dass ausgebildete Hunde Darm- oder Lungenkrebs an der Atemluft erschnüffeln können – bereits im Frühstadium, also lange bevor Beschwerden einsetzen. Die Tumoren produzieren organische Verbindungen, die durch die Atemluft abgegeben werden. Ein frühes Erkennen verbessert die Heilungschancen sehr.

 

Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln

Immer mehr Menschen vertragen Milchprodukte schlecht (Laktose-Intoleranz). Auch Fruchtzucker bereitet vielen Beschwerden, führt zu Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen (Fruktose-Intoleranz). Hier gibt eine Wasserstoff-Atemanalyse Aufschluss. Hintergrund: Beim Verdauungsprozess entsteht im Dickdarm durch bakterielle Zersetzung von Zuckern Wasserstoff. Er wird über das Blut zur Lunge transportiert und ausgeatmet. Kann der Körper Milch- oder Fruchtzucker durch einen Enzym- beziehungsweise Proteinmangel schlecht verdauen, steigt der Wasserstoff im Atem stark an.

Der H2-Atemtest tut nicht weh, ist nur etwas aufwendig: Zunächst wird die Atemluft pur gemessen – dazu bläst man in ein Gerät, ähnlich wie ein Alkohol-Tester. Dann wird ein Zuckertrunk auf nüchternen Magen verabreicht und nach 30, 60 beziehungsweise 90 Minuten erneut gepustet.

Wichtig ist, vor dem Test nicht zu rauchen oder Kaugummi zu kauen. Eine Antibiotika-Therapie sollte länger als zwei Wochen zurückliegen, da diese die Ergebnisse verfälschen kann.

 

Magen-Keim in der Schleimhaut

Hinter Verdauungsbeschwerden, Übelkeit und Magenschmerzen kann ein Keim in der Magenschleimhaut stecken: Helicobacter pylori. Er wird auch für die Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren verantwortlich gemacht.

Beim Harnstoff-Atemtest (anderer Name: 13C-Atemtest) wird eine Harnstofflösung in Saft verabreicht, die ein markiertes Kohlenstoff-Atom enthält. Das geschieht auf nüchternen Magen. Ist der Keim vorhanden, spaltet er den Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid, das dann den markierten Kohlenstoff trägt und ausgeatmet wird. Ist ein Keim vorhanden, kann eine Antibiotika-Therapie ihn beseitigen.

 

Hohe Blutzuckerwerte bei Diabetes

Für den Privatgebrauch Zukunftsmusik, aber als Erfindung bereits da: der Diabetes-Atemtest. Hoher Blutzucker lässt den Stoff Aceton in der Atemluft steigen. In schweren Fällen ist dies als Nagellackentferner-Geruch sogar zu riechen. Mit sensiblen Messverfahren ist es möglich, Blutzuckerschwankungen zu verfolgen. So könnten Atemgeräte eines Tages das Piksen zur Entnahme eines Bluttropfens überflüssig machen.

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