Eingewöhnung in die Kita: Wie sie klappt und was sich durch Corona ändert

Redaktion PraxisVITA

Die Eingewöhnung in die Kita geht bald für viele Kinder los. Doch wie klappt sie am besten? Und welche Auswirkungen hat Corona auf den Eingewöhnungsprozess? Wir haben die Antworten für Sie!

Eltern mit ihren Kindern bei der Eingewöhnung in der Kita
Die Eingewöhnung in die Kita kann nach verschiedenen Modellen erfolgen Foto:  istock_Rawpixel
Inhalt
  1. Wie ist der Ablauf der Kita-Eingewöhnung mit dem Berliner Modell?
  2. Wie ist der Ablauf beim Münchener Eingewöhnungsmodell?
  3. Was passiert bei einer fehlenden Kita-Eingewöhnung?
  4. Was sind geeignete Abschiedsrituale in der Kita?
  5. Eingewöhnung in die Kita in Corona-Zeiten

Mit der Eingewöhnung in die Kita beginnt ein neuer Abschnitt im Leben von Kindern: Sie lernen, sich von ihren Eltern zu lösen und erweitern ihr soziales Umfeld. Um den Übergang angenehm zu gestalten, gibt es verschiedene Eingewöhnungsmodelle. Die gängigsten Modelle sind das Berliner Modell und das Münchener Modell. Sie unterscheiden sich in Dauer und Herangehensweise. Die Eingewöhnung in die Kita dauert je nach Modell in der Regel zwischen ein und vier Wochen.

 

Wie ist der Ablauf der Kita-Eingewöhnung mit dem Berliner Modell?

Die Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell besteht aus drei Phasen: die Grundphase, die Stabilisierungsphase und die Schlussphase. Die Grundphase startet damit, dass sich Mutter oder Vater gemeinsam mit dem Kind für ein bis zwei Stunden in der Kita aufhalten. Nach dem vierten Tag verlässt die Bezugsperson zum ersten Mal nach einer Verabschiedung für kurze Zeit den Gruppenraum.

Die Zeit der Trennung wird in der Stabilisierungsphase der Kita-Eingewöhnung ab dem fünften Tag behutsam verlängert. Die Erzieher übernehmen Stück für Stück mehr Aufgaben und bieten sich als Spielpartner an. In der Schlussphase ist die Bezugsperson nicht mehr in der Einrichtung anwesend, aber im Notfall jederzeit erreichbar.

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Ob die Eingewöhnungsphase in die Kita sechs, acht oder 16 Tage dauert, hängt von der Reaktion des Kindes ab. In der Regel dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell etwa ein bis drei Wochen. Eine Kita-Eingewöhnung gilt als erfolgreich, wenn sich das Kind vom Kita-Personal trösten lässt und es fröhlich am Kita-Alltag teilnimmt.

 

Wie ist der Ablauf beim Münchener Eingewöhnungsmodell?

Nach dem Münchener Modell werden alle Beteiligten, darunter auch die Kinder, die die Kita schon besuchen, aktiv in die Gestaltung der Eingewöhnung miteinbezogen. Vor der ersten Trennung erleben Eltern und Kinder den Alltag der Kita etwa zwei Wochen lang gemeinsam.

Die Kita-Eingewöhnung nach dem Münchener Modell dauert länger als die Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell. In der Regel geht sie über drei bis vier Wochen. Sie gliedert sich ebenfalls in drei Phasen: Kennenlernen, Sicherheit, Vertrauen.

 

Was passiert bei einer fehlenden Kita-Eingewöhnung?

Wenn die Eingewöhnungszeit in die Kita fehlt, kann sich das negativ auf das Kind auswirken. Empirische Studien zeigen, dass Kinder bei fehlender Eingewöhnung häufiger und länger krank sind. Außerdem waren sie ängstlicher und ihre Entwicklung war verzögert, da das Lernen durch mangelndes Wohlbefinden in der Kita erschwert werden kann. Ob jedoch eine fehlende Eingewöhnung allein ursächlich für Ängste und Entwicklungsverzögerungen ist oder auch andere Faktoren eine Rolle spielen, können die Studien nicht beantworten.

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Was sind geeignete Abschiedsrituale in der Kita?

Kindern hilft es, wenn der Abschied von den Eltern immer nach einem bestimmten Schema abläuft, weil es Sicherheit gibt. Dafür eignet sich ein Ritual oder Spiel, das das Kind mag. Dieses Kita-Abschiedsritual könnte zum Beispiel sein, dass die Mutter oder der Vater dem Kind spielerisch die Hausschuhe anzieht, auch wenn das Kind dies vielleicht schon selbst könnte: Beim Anziehen „wollen die Hausschuhe dann aber nicht an die Füße“. Sie „springen immer wieder im hohen Bogen weg“. Nach so einem Spiel als Abschiedsritual ist die Stimmung gelassen – das Verabschieden fällt leichter.

Wichtig ist auch, dass das Kind immer weiß, welche Schritte als Nächstes folgen. Das wäre in diesem Fall: Mutter oder Vater verlassen die Kita. Das Kind geht in die Gruppe. Ein Erzieher oder eine Erzieherin ist in der Nähe und nimmt das Kind in Empfang.

 

Eingewöhnung in die Kita in Corona-Zeiten

Seit dem 08. Juni sind Kindertagesstätten nach vielen Monaten des Lockdowns geöffnet. Ein Normalbetrieb ist wegen Corona nicht möglich – es werden weniger Betreuungsstunden angeboten und die Hygiene- und Abstandsregeln gelten auch dort. Zudem sollen Eltern, wenn möglich, die Kita und vor allem die Gruppenräume beim Bringen und Abholen nicht betreten, wie das Familienministerium vor einigen Wochen erklärte. Eine Ausnahme von dieser Regelung bilden Eltern von Kindern, die eingewöhnt werden. Das heißt: Die Eingewöhnungsphase darf stattfinden. Durch Corona kann sie jedoch erschwert werden.

Das Ministerium überlässt die Entscheidung über die Maskenpflicht in den Kitas den Trägern. Gilt eine Maskenpflicht für die Erzieherinnen, kann das Folgen für die Eingewöhnung haben. So können Gesichtsmasken des Kita-Personals die Kleinen erschrecken und es ihnen nicht leicht machen, Vertrauen zu den Erzieherinnen zu fassen. Umso wichtiger sind feste Rituale und ein spielerischer Umgang, damit die Eingewöhnung in die Kita trotz Corona klappt.

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Quellen:

Das Berliner Eingewöhnungsmodell – Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung, in: kita-fachtexte.de

Das Münchener Eingewöhnungsmodell – Theorie und Praxis der Gestaltung des Übergangs von der Familie in die Kindertagesstätten, in: kita-fachtexte.de

Laewen, Hans-Joachim et al. (2003): Die ersten Tage – ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege, Weinheim: Beltz

Laewen, Hans-Joachim et al. (2006): Ohne Eltern geht es nicht. Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen, Berlin: Cornelsen Scriptor

 

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