Hilfe beim Knalltrauma Einfacher Trick gegen Hörverlust

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Knalltrauma
Forscher haben ein einfaches Mittel gefunden, mit dem sich Hörverlust nach einem Knalltrauma vermeiden lässt © Pixsooz/iStock

Bei einem Knalltrauma kann es leicht zu einem Hörverlust kommen. Forscher haben jetzt entschlüsselt, was genau bei einem Knalltrauma im Ohr passiert – und einen einfachen Weg gefunden, die Wahrscheinlichkeit für einen Hörverlust zu vermindern.

Extrem laute Geräusche, beispielsweise ein in der Nähe explodierender Böller, können schnell zu einem sogenannten Knalltrauma führen. Durch das laute Geräusch wirkt ein hoher Schalldruck auf das Ohr ein, der zu einer Schädigung des Innenohrs und damit zu einem Hörverlust führen kann. Was genau durch das Knalltrauma im Ohr passiert und wie man einen dadurch entstehenden Hörverlust behandeln kann, haben nun Forscher der Keck School of Medicine of USC in Los Angeles herausgefunden.

 

Das Zusammenspiel von Haar- und Nervenzellen

Um den Mechanismus der Schädigung zu entschlüsseln, haben Studienleiter John Oghalai und seine Kollegen ein spezielles Werkzeug erfunden, mit dem sich die sogenannte Hörschnecke optisch darstellen lässt. In diesem Teil des Innenohrs wandeln sensorische Haarzellen den ankommenden Schall in Nervenimpulse um. Nervenzellen greifen diese Impulse dann auf und leiten sie an das Gehirn weiter, wo sie interpretiert und als Ton wahrgenommen werden.

Um das Knalltrauma zu simulieren, wurden Mäuse einem Geräusch ausgesetzt, das vergleichbar mit einer nahen Bombenexplosion für das menschliche Ohr ist. Dabei konnte man zwei Dinge beobachten: Zum einen starben durch den Knall die Haarzellen ab, zum anderen füllte sich das Innenohr mit Flüssigkeit – wodurch wiederum die Nervenzellen abstarben, die die Impulse ans Gehirn weiterleiten sollen. „Das Ansteigen des Flüssigkeitsspiegels im Innenohr spürt man auch, wenn man beispielsweise zu einem lauten Konzert geht“, so Oghalai. Demnach fühlen sich die Ohren voll an und man hat nach Ende des Konzerts das typische Piepen im Ohr. „Das Absterben der Haarzellen führt zu Hörverlust. Doch selbst wenn ein paar Haarzellen überleben und weiterarbeiten könnten, kann das Gehirn das Geräusch nicht wahrnehmen, wenn keine Nervenzellen da sind, die die Impulse weiterleiten.“

 

Nervenschäden treten später ein

Auffällig war, dass die Haarzellen in der Regel sofort nach dem Knalltrauma abstarben, die Nervenzellen aber erst einige Stunden später, wenn das Innenohr vollständig mit Flüssigkeit geflutet war. Um das Absterben der Nervenzellen zu verhindern, tropften die Forscher drei Stunden nach dem Knalltrauma einfache Salz- und zuckerbasierte Lösungen ins Ohr. Das Fazit: Im Vergleich starben zwischen 45 und 64 Prozent weniger Nervenzellen ab, als ohne die Lösung. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass diese Behandlung ein einfacher Weg sein könnte, um Hörverlust zu vermeiden.

Oghalai sieht mehrere Verwendungsmöglichkeiten für diese Entdeckung: „Ich kann mir vorstellen, dass beispielsweise Soldaten im Einsatz ein kleines Fläschchen mit der Lösung in ihrer Ausrüstung dabei haben könnten. So lässt sich Hörverlust vermeiden, wenn in ihrer Nähe eine Bombe explodiert.“ Es gibt aber auch Krankheiten, bei denen es zu einem Flüssigkeitsanstieg im Innenohr kommt und die sich mit der Lösung behandeln lassen könnten.

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