"Eine schonende OP heilte meine Divertikulitis"

Helene Gimpelmann hatte eine schwere Divertikulitis.
Helene Gimpelmann (62) hatte eine schwere Divertikulitis. Eine neue Operations-Methode machte sie schnell wieder fit © shutterstock

Ganz plötzlich hatte Helene Gimpelmann (62) starke Schmerzen im linken Unterbauch. Bei ihrem Arzt erfuhr sie den Grund: eine schwere Divertikulitis. Wie eine Operation ihre Darm-Entzündung heilte, lesen Sie bei Praxisvita.

Beim Aufstehen spürt Helene Gimpelmann plötzlich starke Schmerzen im linken Unterbauch. Sie verschwinden nicht. Nach zwei Tagen geht sie zum Hausarzt. Seine Diagnose: Helene hat eine Divertikulitis. Das sind kleine, sackartige Ausstülpungen (Divertikel) in der inneren Darmschleimhaut, die sich entzündet haben.

Helene soll ihre Ernährung umstellen: Keine blähenden Speisen, viel Kefir, weil er gut ist für die Darmflora, viel trinken. Sie hält sich daran. "Tatsächlich hatte ich nach zwei Wochen keine Schmerzen mehr", erinnert sie sich an die Zeit vor elf Jahren.

 

Plötzlich treten wieder starke Schmerzen auf

Lange geht alles gut. Aber im September 2004 sind die Unterbauchschmerzen plötzlich wieder da. Jetzt fühlt Helene sich richtig krank, hat Fieber. Der Hausarzt verschreibt ihr Antibiotika, und in den nächsten vier Wochen soll sie nur flüssige Nahrung und Brei essen, um den Darm zu entlasten. In der Zeit nimmt sie vier Kilo ab, und die Schmerzen verschwinden wieder.

Aber nach jeder Divertikulitis entstehen Narben. Dort, wo die Narben sitzen, wird der Darm immer enger. Der Druck steigt, löst neue Entzündungs-Schübe aus. Ende 2006 ist es wieder so weit. Ihr Arzt rät jetzt zur OP, empfiehlt Dr. Wolfgang Spangenberger, Chefarzt der Chirurgie am Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg bei Köln. Denn er macht die OP mit kleinen Schnitten und einer neuen Ultraschall-Schere.

 

Divertikulitis im Sigma-Darmabschnitt

Nach einer Darmspiegelung und einer Computer-Tomographie erklärt der Chefarzt Helene: "Die Ausstülpungen liegen bei Ihnen im S-förmigen unteren Darmabschnitt, dem Sigma. Dort treten sie am häufigsten auf, weil da der Druck des Speisebreis am höchsten ist." Das betroffene Stück Darm, bei Helene rund 25 cm, muss entfernt werden.

Bei dem Eingriff führt Dr. Spangenberger durch einen kleinen Schnitt unter dem Bauchnabel ein Laparoskop ein. Das Rohr mit Mini-Kamera ist 1 cm dünn, überträgt 20-fach vergrößerte Bilder auf einen Monitor. Zwei weitere Einstiche für die Instrumente sind nur 5 mm groß. Einen Schnitt von 4 cm braucht der Chirurg, um das abgetrennte Darmstück zu entfernen. Diesen Schnitt macht er in der alten Blinddarmnarbe von Helene, damit keine zusätzliche Narbe entsteht. Zuerst trennt er einen Teil des Darms auf 40 cm Länge vom umgebenden Fett- und Bindegewebe. Dazu benutzt er die neue, nur 5 mm dicke Ultraschall-Schere. Ein Generator erzeugt rasend schnelle Schwingungen in der Schere, die das Gewebe auf 50°C erhitzen. So werden durchtrennte Gefäße verklebt, es gibt kaum Blutungen.

Jetzt trennt der Chirurg das freie betroffene Darmstück ab und zieht es durch den größeren Bauchschnitt heraus. Mit einem Spezialinstrument verbindet er dann die offenen Darm-Enden, indem er sie mit winzigen Titanklammern zusammenheftet.

Die schonende Operation dauert rund 90 Minuten. Schon am nächsten Tag darf Helene aufstehen, und nach fünf Tagen ist sie wieder zu Hause. Helene: "Jetzt kann ich wieder alles essen, ich habe keine Schmerzen mehr!"

 

Die Gefahr: Darmverschluss

Rund 40 Prozent der Deutschen haben Divertikel im Darm. Bei jedem Fünften entzünden sie sich (Divertikulitis). Zunächst wird mit Antibiotika behandelt. Aber wenn die Divertikel sich immer wieder entzünden, muss das betroffene Darmstück entfernt werden. Sonst kann es zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss oder zu einer Bauchfellentzündung kommen.

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