"Eine Perlenkette stoppte mein Reflux"

Patientin hat Reflux bekämpft
Helga Rust litt über vier Jahre an Reflux. Titan-Kugeln mit Magnet-Kernen konnten sie schließlich heilen © Fotolia

Wird saures Aufstoßen chronisch, sind Säureblocker aus der Apotheke keine gute Lösung. Helga Rust war schon ganz heiser. Ein neues Verfahren konnte ihr endlich helfen.

„Egal was ich gegessen hatte – spätestens nach einigen Stunden bereute ich es." Helga Rust* berichtet von ihrer Refluxkrankheit. „Über vier Jahre hatte ich dieses oft schmerzhafte saure Aufstoßen. Zum Schluss ernährte ich mich fast nur noch von einer eintönigen Diät." Die Magensäure greift mit der Zeit auch Helgas Stimmbänder an. „Ich war heiser. Als Sachbearbeiterin in einem Job-Center war das ein großes Hindernis." Selbst nachts hat sie keine Ruhe. „Wenn ich auf der linken Seite lag, spürte ich, wie es die Speiseröhre hochkroch. Dann musste ich mich hinsetzen. Manche Nächte habe ich ganz im Sitzen geschlafen." Bald sind ihre Beschwerden so schlimm, dass ihr Ärzte einen Chip in die Speiseröhre setzen, der die Säure misst. Helga: „Das Ergebnis war heftig. Ich sollte mich sofort operieren lassen." Man empfiehlt ihr den Chefarzt der Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus Herne, Professor Matthias Kemen.

 

Neue, bessere Methode zur Behandlung der Refluxkrankheit

Säure blocken oder binden

Bestimmte Medikamente helfen dabei, die überbrodelnde Magensäure in den Griff zu bekommen. Es gibt zwei verschiedene Wirkmechanismen: Säurebinder gibt es als Pulver, Brausetabletten oder Gele. Wie ihr Name schon sagt, binden sie die übermäßige Säure im Magen. Säureblocker setzen mit ihrer Wirkung noch früher an. Sie sorgen dafür, dass gar nicht erst zu viel Säure entsteht. Die Medikamente hemmen bestimmte Eiweißstoffe, sogenannte Protonenpumpen, die in bestimmten Magenzellen die Säure bilden. Diese Protonenpumpenhemmer gibt es als magensaftresistente Kapseln rezeptfrei in der Apotheke. Doch Vorsicht: Der Griff zum praktischen Säureblocker aus der Apotheke ist bei Sodbrennen oder hartnäckigem Aufstoßen zwar verlockend. Die regelmäßige Anwendung birgt aber viele Gefahren, warnen Mediziner.

Er untersucht sie und stellt fest: Helgas Magen bildet zu viel Säure, und der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen schließt nicht richtig. Dann berichtet der Experte Helga von einer neuen, sehr wirksamen Methode. Bei dem „LINX Reflux Management System" legt der Arzt ein Band aus Titan-Kugeln oberhalb des Magens um die Speiseröhre. Es ist so flexibel, dass es die Speiseröhre gegen aufsteigende Säure verschließt, sich aber für Speisen und Getränke, auch bei Erbrechen öffnet. Nach einer Besprechung mit ihrer Familie willigt Helga ein.

„Ich kann wieder alles essen." Für den Eingriff benutzt der Professor ein Endoskop, ein dünnes Rohr mit Kamera, das er durch einen kleinen Schnitt einführt. Damit kann er innere Organe in HD-Qualität, vergrößert und dreidimensional auf einem Monitor sehen. Durch drei weitere Zugänge bewegt er die Instrumente, mit denen er die „Perlenkette" um die Speiseröhre schlingt. Helga: "Mein Reflux ist weg, und meine Stimme ist wieder klar. Aber das Beste ist, dass ich wieder alles essen kann." Und: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diesen Eingriff.

*Name von der Redaktion geändert


 

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