Eine bipolare Störung äußert sich durch diese Symptome

Redaktion PraxisVITA

Bei einer bipolaren Störung sind die Symptome davon abhängig, ob der Betroffene eine manische oder depressive Episode durchlebt. Während die Manie Euphorie und enthemmtes Verhalten fördert, kommt es in der depressiven Phase zu Ängsten und Suizidgedanken.

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Die bipolare Störung verläuft in Phasen, die als manische und depressive Episoden bezeichnet werden. Da die Erkrankung chronisch ist, durchleben die meisten Betroffenen im Laufe ihres Lebens mehrere Episoden. Zwischen den Episoden liegen häufig längere Pausen von einigen Monaten oder sogar Jahren, in denen die Betroffenen keine Beschwerden haben und ihre Stimmung stabil ist. Je nach Ausprägung der bipolaren Störung kann die Schwere der Symptome in den manisch-depressiven-Phasen variieren.  

 

Bipolare Störung – Symptome einer depressiven Phase

Depressive Phasen entwickeln sich meistens über längere Zeiträume, zum Teil über Wochen oder Monate.  In einer Depression ist der Betroffene nicht – wie viele Menschen annehmen – einfach nur traurig oder niedergeschlagen: Depressive Menschen sind schwermütig und haben ein Gefühl des „Nichts-mehr-fühlen-Könnens“ und der inneren Leere. Sie empfinden keine Emotionen mehr, können über traurige Ereignisse nicht weinen und über schöne Ereignisse nicht lachen oder sich freuen. Depressive Menschen fühlen sich gefangen in einer für sie hoffnungslos und ausweglos erscheinenden Situation. Das wirkt sich nicht nur auf ihr Denken, sondern auch auf ihr Handeln und auf ihren körperlichen Zustand aus. Depressive Phasen sind ein typisches der bipolare Störung-Symptome.

Typisch für eine Depression sind folgende Symptome:

Hauptsymptome:

  • langanhaltendes Gefühl der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Interessenverlust, auch an Tätigkeiten, die zuvor Freude bereitet haben (zum Beispiel der Verlust des sexuellen Interesses)
  • Antriebslosigkeit

Begleitsymptome:

  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuld- und Versagensgefühle
  • Ängste und quälende innere Unruhe
  • verlangsamtes Denken, Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen
  • häufiges Grübeln, depressive Zukunftsgedanken und Katastrophenvorstellungen
  • vermehrtes Schlafbedürfnis, Schlafstörungen
  • verminderter Appetit
  • Suizidgedanken oder im Extremfall Suizidhandlungen

Von einer Depression spricht der Arzt allerdings nur dann, wenn mindestens zwei Leitsymptome und zwei Begleitsymptome über einen Zeitraum von wenigstens zwei Wochen auftreten. In der Regel sind die depressiven Episoden sogar wesentlich länger und bestehen über einen Zeitraum von durchschnittlich drei bis sechs Monaten.

Die besondere Gefahr der depressiven Phase liegt in den ausgeprägten Suizidgedanken, die im Rahmen einer bipolaren Störung zu den typischen und häufigsten Symptomen gehören. Ein großer Anteil aller Betroffenen haben während einer depressiven Phase Suizidgedanken, circa 15 Prozent aller schwer depressiven Menschen begehen tatsächlich Suizid. Eine rasche Diagnose und eine Therapie sind deshalb besonders wichtig. Sind die Symptome besonders stark ausgeprägt, können bipolare Menschen auch eine wahnhafte Depression entwickeln, die mit Symptomen einer Psychose, wie Halluzinationen, einhergehen kann.

Ein Mediziner hält eine Blutprobe in der Hand
Service Kann man eine bipolare Störung im Blut nachweisen?

 

Die Symptome einer manischen Phase

Die manische Phase, die oft auf eine depressive Episode folgt, bildet den Gegenpol zur Depression. Sie entwickelt sich im Gegensatz zur Depression nicht schleichend, sondern innerhalb kurzer Zeit und ohne offensichtlichen Grund. Die Betroffenen sind euphorisch, sind „übertrieben gut gelaunt“, unternehmenslustig und voller Tatendrang. Sie suchen soziale Kontakte, reden häufig wie ein Wasserfall und wirken auf Außenstehende aufgedreht, zum Teil aber auch gereizt und aggressiv.

Der ungehemmte Tatendrang führt zu ständiger, oft zielloser Aktivität. Vieles wird begonnen, aber kaum etwas beendet. Betroffene fühlen sich zu Großem berufen und neigen dazu, sich bis zum Größenwahn selbst weit zu überschätzen. Manchmal geht der Realitätsverlust so weit, dass die Betroffenen akustische oder optische Halluzinationen haben. Nicht selten passiert es in der manischen Phase einer bipolaren Störung, dass die Beziehung beendet wird – insbesondere wenn die Erkrankung nicht diagnostiziert ist und der Betroffene ein enthemmtes Verhalten an den Tag legt.

Typische Anzeichen einer manischen Episode sind:

  • intensives, euphorisches Gefühl, das schnell in Gereiztheit und Aggressivität umschlagen kann
  • gesteigerter Tatendrang bis hin zur Hyperaktivität, gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität
  • vermindertes Schlafbedürfnis, Schlaf wird als Zeitverschwendung empfunden
  • Distanzlosigkeit gegenüber anderen Menschen, Gier nach sozialen Kontakten, gesteigerter Rededrang
  • Enthemmung in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel im sexuellen Bereich, im Umgang mit anderen Menschen oder auch im finanziellen Bereich
  • Selbstüberschätzung und Größenwahn

Frau steht auf Hochhaus und freut sich
Übersicht Was ist eine Manie?

 

Manische Phasen mit fatalen Folgen

Tatsächlich haben Menschen in manischen Phasen schon Großartiges geleistet. Viele berühmte Meisterwerke in Kunst, Musik und Literatur stammen von bipolaren Künstlern, wie Vincent van Gogh, Robert Schumann oder Charles Dickens. Es hat einen Grund, warum gerade unter Künstlern die bipolare Störung weit verbreitet ist: Selbstüberschätzung, grenzenloser Optimismus und Enthemmung können für die Betroffenen eine Quelle der Kreativität und Inspiration sein: Grenzen werden nicht beachtet, alles scheint möglich und umsetzbar.

Doch meist hat die Manie auch fatale Folgen für das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Viele bipolare Menschen bringen sich durch ihre Selbstüberschätzung in gefährliche Situationen oder häufen in einer manischen Phase hohe Schulden an, da sie sich in eine maßlose Kaufwut hineinsteigern, riskante Spekulationen wagen oder ihr Geld in Spielbanken und Spielautomaten investieren.

Das besondere Problem der manischen Episoden besteht darin, den Maniker, der sich selbst ausgesprochen gut fühlt, von der Notwendigkeit einer Therapie zu überzeugen. Oft hinterlässt der Betroffene am Ende seiner manischen Euphorie nämlich einen gesellschaftlichen, beruflichen oder finanziellen Scherbenhaufen. Nicht zuletzt aus dem Grund entwickeln Menschen mit einer bipolaren Störung schnell Symptome einer Depression direkt nach einer manischen Phase.

 

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