Ein Pflaster gegen Fettpolster

Verena Elson
Fettzellen
Unser Körperfett besteht zum größten Teil aus sogenannten weißen Fettzellen, die Energie speichern. Forschern ist es gelungen, weißes in sogenanntes braunes Fettgewebe "umzuprogrammieren", das Energie in Wärme umwandelt © iStock

Endlich rank und schlank werden: dabei könnte künftig ein Pflaster helfen. Einfach auf die entsprechende Stelle kleben, abwarten und den Pfunden beim Purzeln zusehen. Kann es wirklich so einfach sein?

Was für Diätengeplagte wie ein Traum klingt, haben Wissenschaftler der US-Universitäten Columbia University und University of North Carolina tatsächlich entwickelt. Bisher wurden die Abnehm-Pflaster nur an Mäusen getestet – jedoch mit erstaunlichen Ergebnissen.

 

Weißes Fett und braunes Fett

Menschen – und auch Mäuse – haben zwei verschiedene Arten Körperfett. Das sogenannte weiße Fett speichert überschüssige Energie und dient so als Reservedepot für Zeiten, in denen die Nahrung knapp wird. Bei Übergewicht ist das weiße Fett der „Übeltäter“ – der Körper hat schlicht zu viel Reservefett gespeichert.

Anders als das „passive“ weiße Fett arbeitet das sogenannte braune Fettgewebe unentwegt an der Umwandlung von Energie in Wärme. Das geschieht in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Fettzellen. Das braune Fett kommt bei Erwachsenen nur an wenigen Körperstellen vor – Babys und Kleinkinder haben mehr davon, weil sie im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen eine sehr große Körperoberfläche haben und dadurch mehr Wärme verlieren und stärker von Unterkühlungen bedroht sind. Seit Längerem suchen Wissenschaftler nach Wegen, weißes Fett in braunes Fett umzuwandeln – denn so würde überschüssige Energie verbrannt, anstatt gespeichert zu werden.

„Es gibt mehrere erhältliche Medikamente, die eine Bräunung (Umwandlung von weißem in braunes Fett) bewirken, aber alle müssen in Form von Tabletten oder Injektionen verabreicht werden“ sagt Co-Studienleiter Li Qiang in einer Pressemitteilung. „Das setzt den ganzen Körper dem Wirkstoff aus, was zu Nebenwirkungen wie Magenverstimmungen, Gewichtszunahme und Knochenbrüchen führen kann.“

 

Wie funktioniert das Abnehm-Pflaster?

Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, entwickelten die US-Forscher ein Pflaster, das den Wirkstoff direkt in die Fettzellen transportiert. Als Transportmittel dienen Nanopartikel, die das Medikament umhüllen, jeder rund 250 Nanometer im Durchmesser, also zu klein, um mit dem bloßen Auge wahrgenommen zu werden (zum Vergleich: ein menschliches Haar ist etwa 100.000 Nanometer breit). Die Nanopartikel werden in ein zentimeterbreites Pflaster gefügt, das Dutzende mikroskopisch kleiner Nadeln enthält. Wird das Pflaster auf die Haut geklebt, stechen die Nadeln (unmerklich) durch die Haut und setzen das Medikament schrittweise frei.

Das Pflaster wurde an fettleibigen Mäusen getestet, die jeweils zwei Pflaster auf den Bauch geklebt bekamen – eins mit einem von zwei ausgewählten Wirkstoffen und eins ohne. Mäuse in einer Kontrollgruppe bekamen zwei wirkstofflose Pflaster auf den Bauch.

Bei Mäusen, die ein Wirkstoffpflaster bekommen hatten, beobachteten die Forscher eine Verminderung des Fettgewebes um 20 Prozent gegenüber der unbehandelten Bauchseite – egal, welcher der beiden Wirkstoffe zum Einsatz gekommen war. Auch ihr Blutzuckerspiegel senkte sich deutlich.

Die Pflaster wurden bisher nicht an Menschen getestet. Bevor das geschieht, wollen die Forscher herausfinden, welcher Wirkstoff sich am besten zur Umprogrammierung der Fettzellen eignet.

© by WhatsBroadcast

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.