Ein Pflaster für die Netzhaut

Verena Elson

Douglas Waters (68) war auf einem Auge erblindet – jetzt kann er wieder Zeitung lesen. Britischen Forschern ist es gelungen, mit einem "Stammzellen-Pflaster" seine Sehkraft wiederherzustellen.

Etwa 4,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an der sogenannten Altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Bei dieser Erkrankung wird ein etwa fünf Millimeter großes Areal im Zentrum der Netzhaut, die Makula, zerstört. Auf der Makula befinden sich besonders viele "Zapfen", das sind sogenannte Lichtsinneszellen, die für das scharfe Sehen in Farbe verantwortlich sind. Ist die Makula zerstört, können Betroffene ihre Umwelt nur noch schemenhaft wahrnehmen, keine Gesichter mehr erkennen und nicht mehr lesen.

 

Stammzellentherapie bisher erfolglos

Bisher gibt es ausschließlich Medikamente, die das Fortschreiten der AMD verlangsamen – vorhandene Schäden in der Netzhaut können herkömmliche Therapien nicht rückgängig machen. Die Hoffnung vieler Wissenschaftler ruht darum seit Langem auf der Stammzellentherapie, die im Wesentlichen darauf beruht, im Labor gezüchtete, "neue" Netzhautzellen ins Auge zu transplantieren.

Bisherige Versuche in dieser Richtung sind allerdings gescheitert – anstatt der erhofften Verbesserungen verschlechterte sich die Sehleistung der Probanden drastisch. Medizinern des Moorfields Eye Hospital in London gelang jetzt bei zwei Patienten – einer davon Douglas Waters – ein entscheidender Durchbruch mit der Stammzellentherapie.

 

Durchbruch mit Stammzellen-Pflaster

Die Forscher besiedelten ein Pflaster aus Polyester mit Netzhautzellen, die zuvor im Labor aus Stammzellen "gezüchtet" worden waren. Ende 2015 wurden den beiden Patienten die vier mal sechs Millimeter großen Pflaster ins Auge implantiert. Mit großem Erfolg: Beide Patienten waren nach dem Eingriff wieder in der Lage, Zeitung zu lesen.

Im ersten Jahr kam es zu kleinen Komplikationen, die jedoch gut behandelt werden konnten. Douglas Waters ist mit dem Behandlungserfolg zufrieden: "Es ist großartig, was das Team gemacht hat und ich bin so glücklich, wieder sehen zu können", sagte er gegenüber BBC. Die Forscher rechnen damit, dass das Stammzellen-Pflaster schon in rund fünf Jahren auf den Markt kommt.

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