"Ein neues Verfahren spürte meinen Brustkrebs auf"

Angela Meier konnte nach ihrer Brustkrebs-Diagnose durch eine Operation und anschließender Bestrahlung vollständig geheilt werden
Angela Meier konnte nach ihrer Brustkrebs-Diagnose durch eine Operation und anschließender Bestrahlung vollständig geheilt werden © shutterstock

Bei einem Krebs-Verdacht zählt jede Minute. Angela (41) erzählt exklusiv, wie bei ihr dank einer neuen Biopsie-Methode Brustkrebs früh genug erkannt wurde. Erfahren Sie mehr zu dem lebensrettenden Verfahren.

Früher habe ich gedacht: "Die anderen bekommen Krebs, aber ich doch nicht. Umso größer war der Schock, als ich vor sechs Monaten plötzlich einen Knoten in meiner Brust ertastete", erzählt Angela Meier (41) aus Hamburg. Gleich am nächsten Tag ging die Sekretärin zum Frauenarzt. Der überwies sie zur Mammografie. Auf dem Bild sah man, dass sich Gewebe in der linken Brust verändert hatte.

"Der Arzt sagte mir, es sei nicht sicher, ob es sich um Krebs handelt oder nicht. Manchmal kann es sich bei einem Knoten auch um ein sogenanntes Fibroadenom handeln, das sind gutartige Knoten. Um das zu klären müsse man eine Gewebeprobe entnehmen", berichtet die Patientin. Am besten geeignet sei hierfür die Vakuumbiopsie, die u.a. im Brustzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt wird. Frauenärzte und Radiologen arbeiten dort eng zusammen.

 

Mithilfe der Vakuumbiopsie können größere Gewebeproben entnommen werden

„Die Vakuumbiopsie ist ein relativ neues Verfahren. Es ist nicht nur sehr schonend, sondern auch äußerst effektiv“, sagt Dr. Ursula Scholz, Ärztin des Mammazentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem. Mit der Vakuumbiopsie kann Brustkrebs zu nahezu 100 Prozent nachgewiesen werden.

"Die Vakuumbiopsie wird in örtlicher Betäubung durchgeführt", erläutert Dr. Anna Katharina Finck-Wedel, Radiologin am UKE. Es wird eine Hohlnadel in die Brust eingeführt – genau an die Stelle, an der die verdächtige Stelle in der Mammografie zu sehen war. Über ein Vakuum wird nun das Gewebe angesaugt und mit dem kleinen, in der Nadel befindlichen Messer herausgeschnitten. Anschließend wird das Gewebe durch die Hohlnadel in eine Öffnung in der Nadelmitte transportiert, aus der es mit einer Pinzette entnommen wird.

Der Vorteil: Die einzelnen Gewebeproben sind größer als bei anderen Verfahren. Außerdem können mit nur einem Einstich bis zu zwölf Proben entnommen werden. "Man hat viel mehr Material, um zu schauen, ob es sich um bösartige Veränderungen handelt", sagt Dr. Scholz.

 

Vakuumbiopsie dauert nur 30 Minuten

Die Vakuumbiopsie dauert etwa eine halbe Stunde. Anschließend werden die Gewebeproben untersucht. Bei Frau Meier fanden die Mediziner die Vorstufe eines Krebstumors (Mammakarzinom). Eine Woche später wurde der Tumor entfernt, die Brust im Anschluss daran bestrahlt. Sie konnte dabei aber vollständig erhalten werden.

Heute ist Angela Meier geheilt, wie Kontrolluntersuchungen zeigten. Die Patientin lächelt: "Mir geht es so gut wie nie zuvor. Ich genieße jeden Tag meines Lebens unglaublich intensiv."

 

Brustkrebs – je früher er erkannt wird, desto besser ist er zu behandeln

Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Pro Jahr erkranken etwa 75 000 Frauen in Deutschland neu daran. Rund 18 000 sterben an dieser Krankheit. Generell gilt: Je früher man den Krebs entdeckt, desto besser kann man ihn heilen. Aber oft wird der Krebs erst gefunden, wenn er schon sehr groß ist und Tumorzellen gestreut hat, die sich im ganzen Körper ausbreiten. Es können sich in vielen Organen, fern vom Primärtumor (der zuerst gewachsenen Geschwulst), lebensgefährliche Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden. Deshalb kann nicht oft genug gesagt werden: Nehmen Sie die Vorsorgetermine wahr! Jede Frau hat Anspruch auf eine jährliche Krebsfrüherkennungs-Untersuchung beim Frauenarzt. Dazu gehört auch das Abtasten der Brust und der Achselhöhlen. Zusätzlich empfiehlt sich, die Brust einmal im Monat selbst abzutasten. Ab dem 50. Lebensjahr sollten Frauen alle zwei Jahre eine Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust) machen lassen. Dadurch können bereits kleinste Tumore entdeckt werden.

 

Drei Fragen an Dr. Anna Katharina Finck-Wedel, Radiologin im Brustzentrum des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf

 

Eignet sich die Vakuumbiopsie für alle Frauen?

Leider nicht für alle Frauen, denn es kommt auch auf die Lage der Befunde in der Brust an. Liegen diese relativ zentral in der Brust, ist die Vakuumbiopsie fast immer möglich. Liegen sie aber zum Beispiel sehr dicht unter der Haut, kann es schwierig werden. Auch bei Frauen mit sehr kleinen Brüsten kann diese Methode manchmal nicht durchgeführt werden.

 

Muss nach der Vakuumbiopsie immer operiert werden?

Bei den meisten Patientinnen ist das Ergebnis der Vakuumbiopsie zum Glück so, dass kein bösartiges Gewebe gefunden wurde. Diese Frauen haben also gar keinen Brustkrebs. Folglich brauchen sie auch nicht operiert zu werden. Früher wurden Gewebeproben oft bei einer Vollnarkose entnommen. Es gab also viele unnötige Operationen – da der Befund ja eigentlich gutartig war. Frauen, bei denen Brustkrebs oder eine Vorstufe davon gefunden wird, müssen auf jeden Fall operiert werden. Denn das bösartige Gewebe muss unbedingt entfernt werden.

 

Zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Vakuumbiopsie?

Ja, die gesetzlichen Krankenkassen tragen ohne Probleme die Kosten dieser schonenden Untersuchungsmethode.

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