Ein Chip im Auge lässt Blinde wieder sehen

Mit einem Chip im Auge können Blinde wieder sehen
Endlich mein eigenes Kind sehen können – das ist der sehnlichste Wunsch vieler blinder Menschen. Mit einem Chip, der ins Auge implantiert wird, könnte er in Erfüllung gehen © Fotolia

Diane war fast blind. Dann wurde ihr ein Chip ins Auge implantiert. Ein Eingriff, der Millionen Menschen hoffen lässt. Praxisvita erklärt, wie ein Chip Blinden das Augenlich zurückgeben kann.

Blind zu sein, das ist ein Schicksal, mit dem weltweit circa 39 Millionen Menschen leben müssen. Fast alle Blinden wünschen sich nichts mehr, als irgendwann einmal einen Sonnenuntergang, eine bunte Blumenwiese oder das Lächeln ihrer Liebsten mit eigenen Augen (wieder) sehen zu können. Australischen Forschern soll der Durchbruch gelungen sein. Sie entwickelten einen Chip, mit dem der Traum vom Sehen vielleicht wahr wird. Die schwerst sehbehinderte Australierin Diane Ashworth durfte als Erste testen, wie es sich mit einem künstlichen Auge lebt.

 

Chip im Auge soll Blinde heilen

Als Diane Ashworth 24 Jahre alt ist, wird bei ihr „Retinopathia pigmentosa" diagnostiziert. Eine seltene, unheilbare Genstörung, durch die ihre Netzhaut unterentwickelt ist. Gut sehen, das konnte Diane nie. Schon immer war sie stark kurzsichtig. Aber eine Augenkrankheit hatte in ihrer Familie niemand. Diane ist gerade mit ihrem ersten Sohn schwanger, als sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigen: „Die Ärzte sagten mir, dass ich erblinden werde." Die werdende Mutter hat Angst, niemals das Gesicht ihres Babys zu sehen. Doch ihre Sehkraft nimmt immer weiter ab. Bei der Geburt ihres Kindes hat sie ihr Augenlicht fast ganz verloren. Sie versucht, sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren, gibt aber die Hoffnung nie auf. Als sie erfährt, dass Bionic Vision Australia nach sehbehinderten Testpersonen sucht, die einen neuartigen Prototypen ausprobieren wollen, lässt sie sich registrieren. Und ihr Mut soll belohnt werden... Im Mai pflanzen ihr die Wissenschaftler der „Royal Victorian"-Augenklinik in Melbourne in einer mehrstündigen OP einen Chip ins Auge. Ein Netz aus Elektroden hinter Dianes Netzhaut ist mit einem Gerät hinter ihrem Ohr verbunden. Über dieses Implantat werden Außenreize in Dianes Auge geleitet. Nach dem Eingriff muss Diane noch acht Wochen warten, bis ihr Körper den Eingriff verkraftet hat.

 

Augenlicht kehrt langsam zurück

Dann endlich der große Tag: Die Ärzte aktivieren das Kunstauge. Über einen Empfänger hinter dem Ohr leitet das bionische Implantat elektrische Impulse über 24 Elektroden weiter. So wird das Gehirn von Diane mit Informationen versorgt. „Es war ein komisches Gefühl, als sie es angeschaltet haben. Ich hatte eine Schutzbrille auf und wusste nicht, was mich erwartet." Die Spannung im Raum ist fühlbar. „Ich konnte einen kleinen Blitz sehen. Ein Splitter. Es tauchten Umrisse aus dem Schwarz auf. Ich erinnere mich, dass ich einfach verblüfft war, als das erste größere Bild auftauchte. Es war einfach nur toll..."

Richtig sehen kann Diane allerdings noch nicht. Immerhin, sie erkennt Schemen, kann zwischen Hell und Dunkel unterscheiden. Aber sie ist überglücklich und voller Hoffnung. „Mein Sohn hat mich immer wieder gefragt: 'Mama, wirst du mich irgendwann sehen können?' Und ich sagte: 'Ja, werde ich.' Ich habe immer daran geglaubt. Jetzt ist er 28, und sein Wunsch könnte wahr werden..."

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