Eigenurintherapie: Wie gesund ist sie wirklich?

Redaktion PraxisVITA

Die Eigenurintherapie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode. Schon zu Zeiten des Spätmittelalters soll sie bei Hautkrankheiten und Fußpilz geholfen und die Pest vertrieben haben. Doch was steckt hinter der Behandlung mit dem eigenen Urin und welche Risiken gibt es? 

Frau hält Reagenzglas mit Urin kritisch in die Höhe
Sie verspricht Hilfe bei den unterschiedlichsten Krankheiten - doch ist die Behandlung mit Eigenurin wirklich eine gute Wahl? Foto:  iStock/hidesy
Inhalt
  1. Eigenurintherapie: Das steckt dahinter
  2. Welchen Zweck hat eine Eigenurintherapie?
  3. Wie wirkt Eigenurin?
  4. Wie wird die Eigenurintherapie angewendet?
  5. Was gilt es zu beachten?

Allein die Worte “Eigenurintherapie” oder “Eigenharnbehandlung” haben für viele Menschen einen etwas seltsamen Beigeschmack. Schließlich verraten beide Begriffe auf den ersten Blick, worum es geht: Um die Einnahme oder äußere Anwendung von eigenem Urin. Und das ist schließlich alles andere als gewöhnlich. 

 

Eigenurintherapie: Das steckt dahinter

Die Geschichte der Eigenurintherapie soll bis ins Mittelalter zurückreichen. Bekannt geworden ist sie in der breiten Öffentlichkeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch den britischen Autor John W. Armstrong. Dieser erklärte 1944 in seinem Buch “The Water of Life”, er habe durch eine 45-tägige Kur, in der er nur Wasser und Eigenurin zu sich genommen habe, eine für unheilbar erklärte Tuberkulose kuriert. In den 1990er-Jahren griff die Journalistin Carmen Thomas das Thema noch einmal auf und machte es mit einer Million verkauften Büchern offenbar für eine breite Masse interessant.

Doch was hat Eigenurin denn eigentlich an sich, dass Menschen ihm eine solch große Wirkkraft zusprechen – und ist Harnflüssigkeit nicht unsauber? Zunächst enthält Urin in erster Linie Wasser, aber auch wichtige Hormone, Enzyme, Mineralstoffe, Vitamine und Harnstoff. Letzterer wird auch Urea genannt und findet sich in vielen modernen Hautprodukten. Ob Urin tatsächlich keimfrei ist, darüber gehen die Meinungen von Experten jedoch weit auseinander.

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Welchen Zweck hat eine Eigenurintherapie?

Durch eine Behandlung mit Eigenharn sollen sich der Körper die positiven Inhaltsstoffe des Urins, also die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Co., zunutze machen können. Dies soll Entgiftungs- und Abwehrmechanismen im Organismus in Gang bringen. Und das soll wiederum die verschiedensten Krankheiten behandeln. Dazu gehören Akne oder Fußpilz ebenso wie Asthma und Rheuma.

 

Wie wirkt Eigenurin?

Zur Wirkung von Eigenurin in einer Eigenharnbehandlung gilt es zunächst zu sagen: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Studien, die die Wirkung von Harnflüssigkeit zur Behandlung von Krankheiten überhaupt beweisen würden. Selbst unter Heilpraktikern ist die Anwendung höchst umstritten. Es gibt außerdem wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass Eigenurin nicht so keimfrei ist, wie er sein sollte. Einige Experten raten deshalb von einer Einnahme oder Anwendung ab. 

Becher mit stinkendem Urin
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Wie wird die Eigenurintherapie angewendet?

Eine Eigenurintherapie kann auf verschiedene Weisen erfolgen. Es gibt die innerliche Anwendung, die Anwendung als Injektion sowie die äußere Anwendung.

  • Innerliche Anwendung

Die innerliche Anwendung bedeutet, dass Eigenurin gegurgelt oder inhaliert oder dass damit ein Einlauf gemacht wird. Aber auch das Trinken von Eigenurin sieht eine solche Behandlung vor. Dabei wird der Morgenurin – das ist besonders wichtig bei der Anwendung – in einem Gefäß aufgefangen und anschließend gegurgelt oder auf nüchternen Magen getrunken. Um eine Veränderung zu bemerken, empfehlen Heilpraktiker eine Anwendung dieser Kur von mehreren Wochen und eine Dosis von rund 50 Millilitern.

  • Anwendung als Injektion

Auch für die Anwendung der Eigenurintherapie als Injektion wird der Urin morgendlich aufgefangen. Bevor er über eine Injektion dem Körper wieder zugeführt werden kann, muss dieser anschließend jedoch steril gefiltert und mit Alkohol versetzt werden. Oft finden auch noch weitere Zusatzstoffe Anwendung. Mehrere Wochen lang wird eine kleine Menge Eigenurin anschließend in einen Muskel oder unter die Haut gespritzt.

  • Äußerliche Anwendung

Für eine äußerliche Anwendung wird der Urin ohne eine Weiterverarbeitung auf die Haut getupft oder als Wickel, Umschlag oder in Bädern verwendet.

 

Was gilt es zu beachten?

Zunächst ist noch einmal die Warnung von Experten zu beachten, dass Eigenurin durch enthaltene Keime verstärkte Entzündungen und andere Krankheiten auslösen kann. Bei der Anwendung einer Eigenurintherapie ist zusätzlich auf diese Dinge zu achten:

  • Achten Sie darauf, dass der Becher, in dem Sie Ihren Urin auffangen, steril ist.
  • Verwenden Sie ausschließlich Ihren eigenen Urin für eine Eigenharnbehandlung.
  • Verwenden Sie Ihren Urin direkt weiter. Einen lange Wartezeit bei der Weiterverwendung könnte die Keimbildung steigern.
  • Schütten Sie den nicht verwendeten Urin weg und sterilisieren Sie den verwendeten Becher vor einer erneuten Verwendung.

Selbst mit ausreichend Informationen über die Eigenurintherapie bleibt bei vielen Menschen ein unangenehmes Gefühl bei der Vorstellung, sich den eigenen Urin zuzuführen oder zu injizieren. In jedem Fall sollten Sie eine solche Behandlung nicht ohne ein Vorab-Check-up bei einem Arzt und im besten Falle unter Beaufsichtigung eines Heilpraktikers ausprobieren. Einige Heilpraktiker bieten die Behandlung außerdem als Teil einer größeren alternativ-medizinischen Therapie an.

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