Eierstockkrebs – Ursachen, Symptome und Therapie

Mona Trautmann

Eierstockkrebs betrifft vor allem Frauen ab 50 und ruft lange Zeit keine Symptome hervor. PraxisVITA erklärt, welche Anzeichen und Risikofaktoren es gibt und welche Behandlung notwendig ist.

Inhalt
  1. Was ist Eierstockkrebs?
  2. Ursachen für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
  3. Welche Faktoren senken das Risiko für Eierstockkrebs?
  4. Symptome von Eierstockkrebs
  5. Diagnose von Eierstockkrebs
  6. Eierstockkrebs Stadien
  7. Wie wird Eierstockkrebs behandelt?
  8. Wie stehen die Heilungsschancen bei Eierstockkrebs?
  9. Kann man Eierstockkrebs vorbeugen?
 

Was ist Eierstockkrebs?

Eierstock mit Tumor in der Vergößerung
Bei Eierstokkrebs bildet sich tumoröses Gewebe an einem oder an beiden Eierstöcken. Die Ursachen des Ovarialkarzinoms sind noch nicht erforscht © iStock

Als Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) bezeichnet man einen bösartigen Tumor der Eierstöcke. Meist bemerken Betroffene keine Frühsymptome, da der Tumor viel Raum zum Wachsen hat und nicht auf umliegende Organe drückt. Deshalb wird diese Krebsart in 75 Prozent der Fälle erst dann entdeckt, wenn sich bereits Metastasen (Tochtergeschwülste) im Körper gebildet haben. Das Risiko für Eierstockkrebs steigt mit der Zahl der Eisprünge, die eine Frau in ihrem Leben hat. Durchschnittlich sind Betroffene bei der Diagnose 69 Jahre alt.

Eierstockkrebs im Überblick 

- Das Risiko für Eierstockkrebs steigt mit der Anzahl der Eisprünge, die eine Frau in ihrem Leben hat
- Pro Jahr erkranken etwa 8.000 Frauen in Deutschland
- Diese Krebsart wird in mehr als zwei Dritteln aller Fälle in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt
- Eine sichere Diagnose ist erst durch eine Gewebeentnahme während einer Operation möglich

Eierstock mit Tumor
Bei Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) wächst ein Tumor (hier rot im Bild) an einem oder an beiden Eierstöcken. Oft verursacht Eierstockkrebs in frühen Stadien keine Beschwerden © iStock/Raycat
 

Ursachen für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken ist erhöht, wenn bereits Darm-, Gebärmutter-, oder Brustkrebs diagnostiziert wurden. Weitere Risikofaktoren sind:
•    Genetische Veranlagung – etwa jede zehnte Eierstockkrebserkrankung ist erblich bedingt
•    Die Gefahr einer Erkrankung steigt mit dem Alter
•    Hormonersatztherapie während der Wechseljahre (und/oder danach)
•    Fett- und fleischreiche Ernährung
•    Übergewicht

 

Welche Faktoren senken das Risiko für Eierstockkrebs?

Die Einnahme der Pille unterdrückt den Eisprung und minimiert so das Eierstockkrebsrisiko. Weitere Faktoren, die das Erkrankungsrisiko senken können, sind Schwangerschaften und Stillzeit. 
Sichere Früherkennungsmaßnahmen gibt es jedoch bisher nicht. Meist treten Symptome erst dann auf, wenn die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium ist und bereits Beschwerden verursacht.

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Symptome von Eierstockkrebs

Zu den typischen Symptomen von Eierstockkrebs gehören:

•    Blutungen außerhalb der Periode
•    Blutungen nach den Wechseljahren
•    Fremdkörpergefühl im Unterbauch
•    Gewichtsverlust
•    Krankheitsgefühl
•    Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
•    Schmerzen im Unterbauch
•    Verdauungsbeschwerden (Völlegefühl, Blähungen, Schmerzen beim Stuhlgang)
•    Zunahme des Bauchumfangs durch Wassereinlagerungen

 

Diagnose von Eierstockkrebs

Ultraschall durch die Bauchdecke beim Frauenarzt zur Diagnose von Eierstockkrebs
Um die Diagnose Eierstockkrebs stellen zu können, sind mehrere Untersuchungen notwendig. Dazu gehört auch ein Ultraschall durch die Bauchdecke © iStock/7postman

Bei Verdacht auf eine Krebserkrankung der Eierstöcke, führt der Frauenarzt eine Anamnese (Befragung zu Beschwerden und Risikofaktoren) und eine gynäkologische Untersuchung durch. Ertastet er eine Verdickung der Eierstöcke, folgen weitere Maßnahmen zur Diagnosestellung. Dazu gehören sowohl ein Ultraschall über die Bauchdecke als auch über die Scheide (Transvaginalsonographie).

Erhärtet sich der Verdacht auf Eierstockkrebs, kommen weitere bildgebende Verfahren zur Diagnosestellung zum Einsatz. Dazu gehört das Röntgen des Brustraums, um zu prüfen ob Tumorgewebe in diesen Bereich vorgedrungen ist. Im weiteren Verlauf der Diagnose können eine Computertomographie (CT), eine Kernspintomographie (MRT) und/oder eine Darmspiegelung notwendig sein, um die Ausdehnung des tumorösen Gewebes zu bestimmen.

Frau liegt im MRT zur Diagnose von Eierstockkrebs
Um die Diagnose Eierstockkrebs stellen zu können, kommen bildgebende Verfahren wie das MRT zum Einsatz  © iStock/nattrass

Bei einer zusätzlichen Blutabnahme erfolgt ein Test auf Tumormarker. Dabei handelt es sich um Substanzen in Gewebe, Blut und anderen Körperflüssigkeiten, die auf eine Krebserkrankung hinweisen können – ein Beweis für eine Erkrankung stellt der Wert allerdings nicht dar. Trotzdem ist er ein wichtiger Faktor, um die Wirksamkeit der Behandlung zu kontrollieren. 

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, entscheidet der Arzt individuell. Die endgültige Diagnose Eierstockkrebs kann nur während einer Operation festgestellt werden. Erst dann zeigt sich, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt und welches Stadium der Krebserkrankung vorliegt. Die Operation wird auch Staging-Operation (OP zur Stadienbestimmung) genannt.

 

Eierstockkrebs Stadien

FIGO-Stadium*Ausbreitung des Tumors
1Der Tumor befindet sich auf einem oder beiden Eierstöcken
2Der Tumor hat einen oder beide Eierstöcke und Eileiter befallen und Teile des Beckens (Bauchfell) befallen
3Zusätzlich zu Eierstöcken und Becken sind Lymphknoten befallen
4Der Tumor hat Fernmetastasen gebildet

* FIGO steht für Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique und wird in der Gynäkologie zur Klassifizierung bösartiger Tumore genutzt.

 

Wie wird Eierstockkrebs behandelt?

Die Behandlung von Eierstockkrebs besteht in den meisten Fällen aus:

  • Operation 
  • unterstützender Chemotherapie

Bei einer Operation öffnet der Chirurg mit einem Längsschnitt vom Schambein bis zum Brustbein die Bauchdecke. So ist die Entnahme von Gewebeproben der auffälligen Region möglich und das Operationsteam hat freien Blick auf den gesamten Bauchraum. In der Pathologie wird das entnommene Gewebe bereits während der Operation untersucht, um zu prüfen, ob tatsächlich eine Krebserkrankung vorliegt. Ist das der Fall, versucht der Operateur das gesamte tumoröse Gewebe zu entfernen. Je besser das gelingt, desto höher liegen die Heilungschancen der Patientin.

In den meisten Fällen entnimmt der Operateur in einem frühen Stadium beide Eierstöcke, den Eileiter, die Gebärmutter (Hysterektomie), das große Bauchnetz (Omentektomie), den Blinddarm (Appendektomie) und die Lymphnoten im Becken (Lymphadenektomie). Ist der Eierstockkrebs schon weiter fortgeschritten, entfernt er zusätzlich betroffene Teile des Darms, die Milz und das Bauchfell.

Bei Frauen mit Kinderwunsch und einem Tumor im FIGO-Stadium 1 kann eine fruchtbarkeitserhaltende Operation durchgeführt werden: Gebärmutter, Eileiter und ein (nicht tumoröser) Eierstock werden nicht entfernt.

Da die Hormonproduktion durch die Eierstöcke nach der Operation wegfällt, kommen betroffene Frauen (frühzeitig) in die Wechseljahre. In der Folge bleibt die Periode aus, die Betroffene ist nicht mehr fruchtbar und leidet womöglich an typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen.

Aufgaben der Eierstöcke
Grafik der weiblichen Fortpflanzungsorgane mit Gebärmutter und Eierstöcken
Gebärmutter (mittig), Scheide (unten), Eierstöcke und Eileiter (rechts & links) © iStock/7activestudio

Die beiden Eierstöcke liegen rechts und links neben der Gebärmutter und sind über die Eileiter mit ihr verbunden. In den Eierstöcken (Ovarien) wachsen die Eizellen bis zum Eisprung heran. Außerdem produzieren die Eierstöcke die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, die den Monatszyklus bestimmen.

Im Anschluss an die Operation erfolgt in den meisten Fällen eine unterstützende Chemotherapie: Falls noch Krebszellen im Körper sind, werden diese durch Medikamente abgetötet. Da Krebszellen sich sehr schnell teilen, werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, die eine Zellteilung verhindern. In den meisten Fällen kommt bei der Behandlung von Eierstockkrebs eine Chemotherapie bestehend aus den Medikamenten Carboplatin und Paclitaxel zum Einsatz.

Die Patientinnen erhalten diese Kombination in Zyklen sechsmal in Folge, wobei jeweils drei Wochen Abstand zwischen den Therapien liegen.
Eine Chemotherapie kann stationär im Krankenhaus erfolgen oder ambulant – dann kann die Patientin am selben Tag nach der Behandlung nach Hause. 

Tipp: Während der Behandlung und auch danach, haben Eierstockkrebs-Patientinnen die Möglichkeit, psychoonkologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Speziell ausgebildete Psychologen helfen nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen dabei, mit der Belastung durch die Krankheit umzugehen. Anlaufstellen finden Interessierte auf der Seite des Krebsinformationsdienstes.

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Wie stehen die Heilungsschancen bei Eierstockkrebs?

Wie gut die Heilungschancen bei Eierstockkrebs stehen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

•    Tumorstadium
•    Wie viel des Tumors operativ entfernt werden kann
•    Wie gut spricht der Patient auf die Chemotherapie an

Selbst nach kompletter Entfernung des Tumors ist ein Rückfall (Rezidiv) möglich. Um die Heilungschancen zu erhöhen, sollten betroffene Frauen sich vor der Behandlung von Eierstockkrebs darüber informieren, wo es Zentren mit Gynäkoonkologen und Gynäkoonkologinnen gibt, die sich auf die Behandlung von Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane spezialisiert haben.

Nach der Krebsbehandlung haben Patientinnen die Möglichkeit, eine Rehabilitation zu machen, um sich von der körperlichen und seelischen Belastung der Erkrankung zu erholen. Die behandelnden Ärzte sollten Betroffene zu Angeboten informieren.

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Kann man Eierstockkrebs vorbeugen?

Bisher gibt es laut Experten keine effektiven Vorsorgeuntersuchungen, um Eierstockkrebs rechtzeitig zu erkennen. Jedoch sollten Frauen sich auf Risikogene testen lassen, wenn ein Familienmitglied an Eierstock-, Gebärmutterhals-, Brust-, Darm- oder Hautkrebs erkrankt war oder ist. Zu den Risikogenen gehören BRCA-1 und BRCA-2. Liegt eine Mutation an diesen Genen vor, beträgt das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken 60 Prozent. Die einzige vorbeugende Maßnahme für Trägerinnen eines Risikogens ist die Entfernung von Eierstöcken und Eileitern. 

Eine weitere Möglichkeit einem Ovarialkarzinom vorzubeugen, ist die Einnahme der sogenannten Antibabypille. Diese birgt zwar Risiken und verursacht in einigen Fällen Nebenwirkungen – in Bezug auf das Eierstockkrebs-Risiko hat sie jedoch Vorteile: das Unterdrücken des Eisprungs durch die Einnahme der Pille senkt das Krebsrisiko.

Quellen

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