Eierstockkrebs – neues Medikament überlistet den eigenen Körper

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Eierstockkrebs
Ein neuer Arzneistoff kann die Entwicklung neuer Tumoren nach einer Chemotherapie bei Eierstockkrebs verhindern – zumindest für eine bestimmte Zeit © Alamy

Ein neu entwickelter Arzneistoff soll laut einer Studie in der Lage sein, Krebszellen zu stoppen, die sonst nach einer Chemotherapie vom Körper selbst wieder repariert werden.

Rund 8.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Eierstockkrebs. Die Todesrate der Krankheit ist hoch – vor allem, da sie meist erst spät entdeckt wird. Ein neu entwickelter Arzneistoff macht jetzt vielen Patientinnen Hoffnung: Das als Niraparib bezeichnete Mittel konnte die Entwicklung neuer Tumoren nach einer Chemotherapie für rund 15 Monate verhindern.

 

Wenn ein körpereigenes Protein zum Problemfall wird

500 Patientinnen nahmen an der Versuchsreihe in den USA teil. Bei allen Frauen war der Eierstockkrebs nach einer Chemotherapie zurückgekehrt. Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen geteilt: Eine Gruppe nahm täglich Niraparib, die andere wurde mit einem Placebo behandelt. Bei rund 73 Prozent der Frauen, die die neue Arznei eingenommen hatten, wurde das Wachstum der Tumoren im Vergleich mit der Kontrollgruppe bis zu 15 Monate lang verhindert. Der Wirkstoff blockiert das Protein PARP, das im Körper dafür verantwortlich ist, beschädigte DNA zu reparieren. Was normalerweise für unsere Gesundheit unverzichtbar ist, wird bei der Krebsbehandlung zum Problem: Das Protein reduziert nämlich auch den Schaden, den eine Chemotherapie auf die DNA von Krebszellen haben kann.

Die Forscher weisen darauf hin, dass Niraparib zwar die Bildung neuer Tumoren für bestimmte Zeit aussetzen kann, es aber nicht möglich ist, den Eierstockkrebs an sich damit zu heilen. Außerdem kann noch keine Empfehlung dafür gegeben werden, wie lange der Arzneistoff eingenommen werden sollte, da die Nebenwirkungen noch nicht vollständig erforscht sind. Bei vielen Patientinnen traten allerdings bereits Blutgerinnungsstörungen und Anämien (Mangelerscheinungen) auf. Auch ist noch nicht klar, ob die Testpersonen durch die Einnahme von Niraparib länger leben als ohne.

 

Tödlicher Eierstockkrebs

Eierstockkrebs macht sich meist erst im fortgeschrittenen Stadium durch relativ unspezifische Beschwerden wie Rückenschmerzen und übermäßige Blähungen bemerkbar. Die Krankheit wird oft auch deshalb erst so spät erkannt, weil sie vergleichsweise selten auftritt. Gleichzeitig zählt sie aber zu den Krebsarten, an denen Frauen am häufigsten sterben. „Es ist schwer, Eierstockkrebs zu diagnostizieren, gerade weil er so selten ist. Es gibt kein Screening, keine Mammografie oder sonst ein Verfahren, das die Diagnose der Krankheit vereinfacht“, erklärt Dr. Rebecca Liu, die in der gynäkologischen Onkologie an der „University of Michigan“ arbeitet.

Hamburg, 4. Juni 2016

© by WhatsBroadcast

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.