EHEC-Ausbruch in Süddeutschland: Kommt jetzt die Seuche zurück?

Enterohämorrhagische Escherichia coli-Bakterien
Die enterohämorrhagische Escherichia coli-Bakterien können das gefürchtete HU-Syndrom auslösen © Fotolia

Ein neunjähriges Mädchen aus der Gemeinde Allensbach hat sich mit dem gefährlichen EHEC-Bakterium infiziert. Das bestätigte am Montag das Gesundheitsamt Konstanz.

Vier Jahre nach dem großen EHEC-Ausbruch im Sommer 2011 sorgt die Mitteilung für Verunsicherung. Das hat besonders einen Grund: Bisher bleibt unklar, woran sich das Mädchen angesteckt hat. Auch wenn nach Informationen des Südkuriers eine Klassenfahrt zu einem Erlebnisbauernhof ins Zentrum der Ermittlungen rückt.

Die Erkrankung des Mädchens ist kein Einzelfall: Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) werden jährlich etwa 1000 EHEC-Erkrankungen gemeldet. Allerdings scheint in diesem Fall auch das gefürchtete Hämolytish-urämische Syndrom (HUS) aufgetreten zu sein, was laut RKI nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Infektionen geschieht. Es zeichnet sich besonders durch akutes Nierenversagen aus.

Ob sich die Infektion weiter ausbreitet, bleibt abzuwarten. Bislang wurden die Familienmitglieder und weitere Personen aus dem Umfeld des Mädchens unter Quarantäne gestellt – von diesen zeigt jedoch bislang keiner Symptome einer Erkrankung.

 

Große Infektionsgefahr im Sommer

Generell gilt: Lebensmittelinfektionen oder -vergiftungen kommen in der warmen Jahreszeit besonders häufig vor. Für solche Erkrankungen sind neben einigen Viren wie dem Norovirus vor allem Bakterien verantwortlich.

Die Hauptinfektionsquelle sind verdorbene Lebensmittel. Bakterien kann man weder sehen noch fühlen und sie machen sich erst Stunden oder sogar Tage nach dem Essen bemerkbar. Im Sommer vermehren sich die Keime besonders schnell. Bei 20 Grad dauert es nur drei Stunden, bis aus zehn Salmonellen 5000 geworden sind. Die gute Nachricht: Wenn Sie ein paar Regeln beachten, können Sie das Erkrankungsrisiko deutlich minimieren.

 

Keime in Geflügel

Campylobacter-Infektionen kommen beim Menschen häufiger vor als Salmonellosen. Allein in Deutschland werden laut Robert Koch-Institut jedes Jahr 70 000 Fälle registriert. Nach zwei bis fünf Tagen treten Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfall. Auch Kopfweh und Fieber können auftreten.

Vorkommen: Vor allem in rohem Geflügelfleisch. Seltener auch in Rohmilch und in Rind- und Schweinefleisch. Campylobacter kann zwar eine gewisse Zeit in Lebensmitteln überleben; der Keim vermehrt sich aber nicht im Essen, sondern erst im menschlichen Körper.

So schützen Sie sich: Vermeiden Sie durch strikte Küchen- und Händehygiene, dass Keime vom rohen Geflügelfleisch durch direkten Kontakt oder über Hände und Gerätschaften auf andere Lebensmittel übertragen werden. Das Geflügelfleisch sollte vor dem Verzehr vollständig gegart sein, sodass es auch im Kern und am Knochen von weißer bis grauer Farbe ist.

 

Escherichia Colibakterien in rohem Fleisch

Jeder hat Escherichia-coli-Bakterien in seinem Darm, und das ist auch gut so. Denn die meisten Stämme sind nützlich und hindern andere Keime daran, sich auszubreiten. Es gibt aber auch einige krankheitserregende E.-coli-Bakterien. Besonders gefürchtet sind enterohämorrhagische E. coli, die EHEC auslösen. Symptome bei einer EHEC-Infektion sind leichte bis schwere Durchfallerkrankungen.

Vorkommen: In rohem bzw. nicht durchgegartem Fleisch von Rindern, Schafen, Ziegen oder Wildwiederkäuern sowie in Rohmilch und daraus hergestellten Produkten wie Rohmilchkäse. Auch auf Obst und Gemüse können die Erreger vorkommen, wenn die Lebensmittel mit Tierdung oder verunreinigtem Wasser in Kontakt gekommen sind.

So schützen Sie sich: Fleisch gut durchbraten und auf Hygiene in der Küche achten.

 

Listerien in Räucherfisch

Listerien sind in der Umwelt weitverbreitet und gelangen durch Hygienemängel auch in erhitzte Lebensmittel. Gesunde erkranken meist nicht oder nur mit leichten grippeähnlichen Symptomen. Gefährdet sind Säuglinge und abwehrgeschwächte Menschen. Bei ihnen kann eine Listerien-Infektion zu Blutvergiftung oder Gehirnhautentzündung führen und tödlich enden.

Vorkommen: Fleisch- und Wurstwaren, Käse oder Räucherfisch (z. B. Räucherlachs, geräuchertes Forellenfilet).

So schützen Sie sich: Gründlich kühlen. Räucherfisch möglichst frisch verzehren.

 

Salmonellen auf Eierschalen

Lebensmittelinfektionen durch Salmonellen sind weniger geworden. Die gemeldeten Fälle sind deutschlandweit auf etwa 20 000 pro Jahr zurückgegangen. Es treten Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen auf.

Vorkommen: Auf Eiern sowie in rohem Schweine- und Geflügelfleisch. Über tierischen Dünger oder kontaminiertes Wasser können die Keime auch auf Gemüse gelangen.

So schützen Sie sich: Speisen mit rohen Eiern sofort verzehren oder bei 4 bis 6 °C kühlen. Kinder, ältere/abwehrgeschwächte Personen sollten auf Speisen mit rohem Ei verzichten.

 Hamburg, 22. Juni 2015

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