Echte Bräune ohne Sonne

Stephanie Pingel
Bräunen
Natürlich braun ohne Sonne – dank einer neuen Klasse von Molekülen könnte das bald möglich sein © iStock

US-Forschern ist es erstmals gelungen, mit einer bestimmten Klasse von Molekülen die natürliche Bräunung der Haut anzuregen. Anders als Selbstbräuner schützt diese Methode vor UV-Strahlung – und kann so Hautkrebs vorbeugen.

Es könnte der Durchbruch in der Hautkrebs-Vorsorge sein: US-Forscher haben eine Klasse von Molekülen entdeckt, die die menschliche Hautbarriere durchdringen und bräunen können. Der Hauptunterschied zum bekannten Selbstbräuner: Die Moleküle regen die natürliche Pigmentierung an – die dadurch entstehende Bräune schützt vor UV-Strahlung und kann so Sonnenbrand und Hautkrebs vorbeugen. Die Ergebnisse veröffentlichten die Bostoner Wissenschaftler im Magazin Cell.

 

Ergebnisse aus dem Jahr 2006 als Grundlage

Es handelt sich um eine Folgestudie, die auf den Daten einer Untersuchung aus dem Jahr 2006 basiert. Damals entdeckten Wissenschaftler, dass der Stoff Forskolin im Versuch mit Mäusen für eine Bräunung sorgte, die vor UV-Strahlung schützte. Allerdings stellten die Forscher im Folgeversuch mit menschlicher Haut fest, dass Forskolin deren Barriere nicht durchdringen konnte. „Die menschliche Haut ist eine hervorragende Schutzbarriere. Wir konnten keinen Weg finden, sie zu überlisten“, so Studienautor David E. Fisher, der die damalige und die neue Untersuchung leitete. „Aber nun, zehn Jahre später, haben wir eine Lösung gefunden. Wir nutzen eine bestimmte Zusammensetzung aus Molekülen, bei der Forskolin als eine Komponente genutzt wird. Und diese chemische Verbindung ist auf ein bestimmtes Enzym ausgerichtet, das mit der Pigmentierung der Haut zusammenhängt.“

Der Durchbruch gelang den Forschern demnach, indem sie den Chemiker Nathanael S. Gray des Dana-Farber Cancer Institute kontaktierten. Der Experte kreierte mit seinen Kollegen eine Klasse von Molekülen, die in der Lage sind, Lipide zu durchdringen, die die Schutzbarriere der Haut bilden. Beim anschließenden Test mit einer menschlichen Hautprobe konnten die Wissenschaftler dann beobachten, dass die Bräunung durch die neue chemische Verbindung proportional zur Dosis zunahm. Die entstandene Bräune hielt für etwa eine Woche an – solange, bis die entsprechenden Hautzellen auf natürliche Weise abstarben und durch neue ersetzt wurden. Der gleiche Effekt entsteht bei Bräune durch Sonneneinstrahlung.

 

Nie wieder Sonnenstudio?

„Wir glauben, dass unsere Studienergebnisse dabei helfen können, eine neue Strategie für die Hautkrebs-Vorsorge zu entwickeln“, so Fisher. Viele Fälle von Hautkrebs lassen sich auf die UV-Strahlung zurückführen. Und dieser setzen wir uns nicht nur beim Sonnenbaden aus, sondern auch im Sonnenstudio. „Durch unsere Herangehensweise kann natürliche Bräune erreicht werden, ohne sich der UV-Strahlung auszusetzen und beispielsweise Sonnenbrand zu riskieren.“ Die Forscher wollen nun eine Methode finden, durch die die neue Molekülklasse im Alltag verwendet werden kann – beispielsweise als Bestandteil handelsüblicher Sonnencreme.

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