Ebola-Serum: Rettung durch Tabak?

Serum gegen Ebola entwickelt
Mediziner schöpfen Hoffnung, endlich einen Wirkstoff gegen das tödliche Ebolavirus gefunden zu haben © Fotolia

Zwei mit Ebola infizierte Amerikaner wurden in der vergangenen Woche mit einem experimentellen Serum behandelt – und tatsächlich: Das Medikament scheint zu wirken. Doch die Herstellung der geheimnisvollen Substanz ist schwierig und Vorräte gibt es nicht. Ein kleines Pharmalabor in den USA will nun mithilfe von modifizierten Tabak-Pflanzen genau diese Probleme lösen.

„ZMapp“, so bezeichnen Mediziner der Emory University in Georgia ein experimentelles Serum, das den ersten effektiven Wirkstoff zur Heilung Ebola enthalten könnte. Obwohl das Medikament von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) noch nicht zugelassen ist, wurde es bereits in den vergangenen Tagen zur Behandlung von zwei amerikanischen Staatsbürgern – Kent Brantly und Nancy Writebol – eingesetzt. Beide Patienten sind nach Behördenangaben nun auf dem Weg der Besserung.

 

Kein Serum vorhanden – Tabak kann helfen

Die den Medizinern zur Verfügung stehenden Mengen des Serums sind zurzeit erschöpft. Reserven gibt es nicht. Darum rückt nun ein kleines Biopharma-Unternehmen aus Kentucky in den Fokus, das mithilfe einer modifizierten Tabakpflanze eine schnelle Produktion des Heilmittels gewährleisten will.

Für das Ebola-Serum benötigen die Forscher der Emory University ein bestimmtes Protein, dessen Herstellung sehr schwierig und langwierig ist. Nun sollen speziell gezüchtete Tabak-Pflanzen dazu genutzt werden, genau dieses Protein in größeren Mengen und kurzer Zeit zu produzieren.

 

Tabak reproduziert lebensrettendes Protein

Die Tabak-Pflanzen werden zurzeit in speziellen Gewächseinrichtungen herangezüchtet und mit dem speziellen Protein „infiziert“. Der Tabak reproduziert die wertvolle Grundlage für das Serum dadurch schneller als es im Labor möglich wäre. In diesem Sinne, „funktioniert der Tabak wie ein Fotokopierer des Proteins“, erklärt Professor David Howard von der Emory University.

Sobald die Tabakpflanzen „infiziert“ sind, dauert es eine Woche, bis genug Proteine vorhanden sind. Diese werden dann im Labor isoliert und in einen einnehmbaren Wirkstoff gegen Ebola integriert.

 

Antikörper zerstören Ebola

Konkret stellen die Forscher aus den „geernteten Proteinen“ drei verschiedene Antikörper her. Einer dieser sogenannten Immunglobuline alarmiert das Immunsystem, sodass umgehend die mit Ebola infizierten Zellen zerstört werden. Die beiden anderen Antigene verhindern die Vermehrung und Ausbreitung der Ebola-Viren im Körper.

Noch ist nach Aussagen der beteiligten Forscher noch unklar, wie alle Komponenten genau zusammenarbeiten, aber scheinbar „wird der Virus durch die Antikörper neutralisiert“.

 

Bisher keine Tests mit Menschen

Das Ebola-Serum wurde erst im Januar 2014 entwickelt und bisher nicht an Menschen getestet. Und doch zeigte sich das Serum zuletzt offenbar erfolgreich bei der Behandlung von Kent Brantly und Nancy Writebol – deren Gesundheitszustand sich teilweise innerhalb einer Stunde nach Verabreichung des Medikaments deutlich verbesserte.

Weitere Forschungen müssen nun zeigen, ob dieser Effekt tatsächlich durch das Serum ausgelöst wurde oder ob es sich um eine natürliche Immunreaktion handelt. Aktuellen Schätzungen zufolge überleben rund 40 Prozent der Menschen, die mit Ebola infiziert sind, die Krankheit, da ihr Abwehrsystem rechtzeitig und ausreichend eigene Antikörper gegen das Virus bilden kann.

Hier finden Sie weitere Informationen über die Ansteckungsgefahr von Ebola, den Krankheitsverlauf von Ebola und die Gefahr einer Ebola-Epidemie in Deutschland.

Hamburg, 5. August 2014

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