Ebola in Deutschland: So groß ist die Gefahr einer Epidemie

Ebola in Deutschland
Auch wenn die Gefahr in Deutschland sehr gering ist, kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass ein Ebola-Infizierter einreist © Shutterstock

In Westafrika breitet sich die tödliche Infektionskrankheit Ebola immer weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach bereits Anfang Juli 2014 davon, dass die Epidemie in vielen afrikanischen Regionen außer Kontrolle sei. Bislang gibt es noch keinen Ebola-Fall in Europa. Doch die Sorge bei den Behörden und in der Bevölkerung steigt. Lesen Sie bei Praxisvita, wie groß das Risiko für Deutschland ist.

 

Die Gefahr der unbemerkten Einschleppung

Sorge macht den Behörden hierzulande die Tatsache, dass die Inkubationszeit – das ist die Zeit, die verstreicht, bis das Virus nach der Ansteckung ausbricht – von Ebola über 20 Tage betragen kann. In diesem Zeitraum sind keine Symptome vorhanden und die bereits Infizierten könnten auch ohne Probleme reisen. Vor Ausbruch der Krankheit sind die Betroffenen zwar nicht ansteckend, aber das würde sich spätestens nach Ende der Inkubation schlagartig ändern.

Ebenso wäre es denkbar, dass ein mit Ebola infizierter Mensch in einem sehr frühen Stadium der Krankheit nach Deutschland einreist. In der ersten Krankheitsphase sind die Symptome kaum von denen einer schweren Grippe zu unterscheiden. Allerdings sind Infizierte dann bereits ansteckend.

 

Deutsche Flughäfen sind sicher

Damit das nicht passiert, wurden hierzulande entsprechende Vorkehrungen getroffen. Besonders an Flughäfen greifen umfassende Vorsichtsmaßnahmen. So ist beispielsweise das Flughafenpersonal durch Schulungen und Leitlinien für Anzeichen von Ebola sensibilisiert worden. Darüber hinaus wurden an größeren Flughäfen spezielle Wärmebildkameras installiert, die Personen mit stark erhöhten Temperaturen – ein typisches Symptom von Ebola – identifizieren können.

Zudem ist bereits das Flugzeugpersonal angewiesen, auffällige Krankheitsbilder bei Passagieren umgehend und möglichst vor der Landung zu melden. Eine weitere Maßnahme an Flughäfen – wie zum Beispiel in München – sind spezielle medizinische Eingreiftruppen, die mit entsprechendem Equipment und Schutzkleidung bereit stehen, um potenzielle mit Ebola infizierte Personen sofort festzusetzen und zu isolieren.

 

In Deutschland ist eine Epidemie kaum möglich

In Deutschland ist die Bevölkerungsdichte im Verhältnis zu afrikanischen Ländern sehr hoch, was die Gefahr einer epidemischen Ausbreitung eines Virus grundsätzlich erhöht. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Ebola-Epidemie hierzulande sehr gering.

Das hat vor allem den Grund, dass sich die medizinische Versorgung in Deutschland sehr engmaschig und auf einem hohen technischen Level befindet. Das verbessert die Möglichkeiten, mit Ebola infizierte Personen effektiv zu isolieren und unterstützend intensivmedizinisch zu betreuen, sodass eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus einfacher eingedämmt werden könnte.

 

Aus der Quarantäne käme niemand raus

Zudem gibt es im gesamten Bundesgebiet hochspezialisierte Behandlungszentren und Forschungseinrichtungen – wie zum Beispiel das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), das zuletzt noch den Mitarbeiter einer Gesundheitsorganisation aufnehmen sollte –, die über die technischen Möglichkeiten verfügen, um die medizinische Betreuung von Ebola-Patienten in einer sicheren Quarantäne zu garantieren.

Zu den technischen und personellen Möglichkeiten der Medizin in Deutschland kommt die Vertrautheit mit klinischen und intensivmedizinischen Maßnahmen – wie sie im Falle eines Ebola-Ausbruches nötig würden.

Viele Ebola-Infizierte in Westafrika dagegen werden erst gar nicht mit intensivmedizinischen Maßnahmen isoliert behandelt, sondern häufig von örtlichen Heilern und Schamanen betreut. Diese traditionelle Art der Behandlung von Krankheiten aller Art führt dazu, dass gesunde Menschen mit Infizierten in Kontakt kommen und sich so anstecken. Überdies gibt es immer wieder Berichte, wonach Menschen in Westafrika – vor allem aus ländlichen Regionen – misstrauisch auf Ärzte in Schutzanzügen reagieren und sich deswegen einer Behandlung durch speziell geschultes Personal entziehen.

Ein weiterer Grund, weshalb sich das Ebola-Virus auf dem afrikanischen Kontinent immer weiter ausbreiten kann, ist die traditionelle Art der Bestattung, bei der die Toten im Zuge der Trauerbewältigung berührt werden – und sich so weitere Menschen mit dem Virus anstecken.

 

Kaum Gefahr für Deutschland

Berücksichtigt man alle Faktoren, so ist die Gefahr, dass es überhaupt eine mit Ebola infizierte Person nach Deutschland schafft, sehr gering. Das Risiko, dass es zu einer Epidemie – ähnlich wie in Afrika – kommt, ist zwar nach Aussagen des Robert-Koch-Instituts nicht ausgeschlossen, geht aber sicher gegen Null.

Hamburg, 5. August 2014

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