Ebola: Ansteckende Krankenschwester fliegt quer durch die USA

Ebola-Patientin fliegt quer durch die USA
In den USA könnten sich bei einem Inlandsflug über 100 Menschen mit Ebola infiziert haben. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Quarantänezeiten für Ebola vermutlich zu kurz sind © Fotolia

Eine mit Ebola infizierte Frau flog mit Fieber von Ohio nach Dallas – obwohl die Gesundheitsbehörde über die Ansteckungsgefahr informiert war. Nun sucht man verzweifelt nach den 132 Mitreisenden – und befürchtet eine Ausweitung der Epidemie.

Bei der Frau handelt es sich nach Angaben der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (CDC) um die zweite Krankenschwester, die sich in Texas bei der Pflege des ersten Ebola-Opfers in den USA im Texas Health Presbyterian Hospital angesteckt hatte. Die 29-jährige Frau hatte der Gesundheitsbehörde vor ihrer Flugreise erste Ebola-Symptome gemeldet.

 

Behörden suchen Mitreisende

Da aber außer Fieber keine Symptome festgestellt wurden, durfte die ansteckende Frau – ungeachtet der Tatsache, dass sie direkten Kontakt mit einem Ebola-Patienten hatte – in das Flugzeug steigen, in dem sich weitere 132 Menschen befanden.

Zurzeit fahnden die Behörden mit Hochdruck nach diesen Passagieren. Um eine weitere Ausbreitung des Ebola-Virus zu vermeiden, sollen alle Mitreisenden unter „Beobachtung gestellt werden“. Wieso ein Meldeaufruf an die Betroffenen nötig ist, um gefährdete Personen – trotz Passagierlisten – ausfindig zu machen, bleibt offen.

 

Ansteckungen unwahrscheinlich

Nach Aussagen von Tom Frieden – Leiter der Gesundheitsbehörde – habe keiner der Passagiere Kontakt mit Blut oder Erbrochenem gehabt. Eine Ansteckung mit Ebola sei deswegen aus seiner Sicht „nicht wahrscheinlich“. Dennoch wurde sicherheitshalber das entsprechende Flugzeug aus dem Verkehr gezogen.

Die 29-jährige Krankenschwester wurde mittlerweile in eine Spezialklinik nach Atlanta verlegt. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Krankhäuser, die über keine auf hochansteckende Krankheiten spezialisierte Abteilung verfügen, mit der Betreuung von Ebola-Patienten überfordert sind.

 

Quarantäne-Zeiten nicht ausreichend?

Unterdessen zeigt eine aktuelle Studie der Drexel University in Pennsylvania, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Beobachtungs- und Quarantänezeiten für Menschen, bei denen der Verdacht auf Ebola besteht, zu kurz sind.

Bisher geht man bei Ebola von einer Inkubationszeit – also dem Zeitraum, der zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome liegt – von zwei bis 21 Tagen aus. Entsprechend dieser Annahme gelten Patienten – bei denen ein Ebola-Verdacht besteht – als nicht infiziert, wenn nach drei Wochen keine Krankheitsanzeichen auftreten.

 

Gefährlicher Irrtum

Die bisherigen Annahmen zur Inkubationszeit des Ebola-Virus gehen auf Erfahrungen mit früheren Ausbrüchen – z.B. in Zaire (1976) – zurück. Tatsächlich spreche die aktuelle Studie aber dafür, dass bei rund 12 Prozent der Infizierten die Inkubationszeit länger als 21 Tage ist und die Patienten erst nach der Quarantänezeit für andere Menschen ansteckend werden.

Hamburg, 16. Oktober 2014

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