E171: Kann dieser Zusatzstoff Krebs auslösen?

Verena Elson

Ein weit verbreiteter Farbstoff in Lebensmitteln könnte die Entstehung von Darmkrebs begünstigen, indem er unsere Darmflora gegen uns wendet.

Donuts
Ein weißer Guss auf Desserts und Gebäck enthält häufig den Farbstoff E171 Foto:  elenaleonova/iStock

Er lässt Süßigkeiten, Desserts und Kaugummi appetitlich weiß und frisch aussehen – doch Mediziner diskutieren seit Längerem über die Sicherheit von E171. Der Farbstoff besteht aus Nanopartikeln aus Titandioxid – die Wirkung solcher Kleinstpartikel auf den Organismus gilt als noch nicht ausreichend erforscht. Wissenschaftler der University of Sydney untersuchten in ihrer aktuellen Studie die Auswirkungen von E171 auf den Darm an Mäusen.

„Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass dauerhafte Exposition gegenüber Nanopartikeln Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmflora hat“, so Studienleiter Wojciech Chrzanowski. „Und da unsere Darmflora der Türsteher unserer Gesundheit ist, haben alle Veränderungen ihrer Funktion einen Einfluss auf unser Allgemeinbefinden.“

 

Zusatzstoff verändert Verhalten der Darmbakterien

Chrzanowski und sein Team verabreichten Mäusen E171 über ihr Trinkwasser. Laboranalysen zeigten: Der Farbstoff hatte keine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmflora der Nager. Aber: Er beeinflusste die Verteilung der Bakterien im Darm und führte so zur Entstehung eines Biofilms. 

Dieses klebrige „Geflecht“ veränderte das Verhalten der Mikroorganismen im Darm und hatte zusätzlich Einfluss auf die Funktion des Immunsystems der Mäuse. „Biofilme sind Bakterien, die zusammenkleben, und die Bildung solcher Biofilme wird mit Erkrankungen wie Darmkrebs in Zusammenhang gebracht“, erklärt Studienautor Prof. Laurence Macia.

Zusätzlich beobachteten die Forscher, dass die durch E171 verursachten Veränderungen der Darmflora die Entzündungswerte im Darm der Tiere anstiegen ließen. „Diese Studie liefert zentrale Beweise dafür, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit dem Zusatzstoff E171 (Titandioxid) sowohl die Darmflora als auch Entzündungswerte im Darm beeinflusst, was zu Leiden wie entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs führen kann“, so Chrzanowski.

In Kaugummi kann sogenanntes Titandioxid (E 171) enthalten sein
Service Schadet Kaugummi meiner Gesundheit?

 

Gesundheitsrisiken durch E171: weitere Studien

Frühere Studien zu E171 wiesen in eine ähnliche Richtung: So zeigte eine 2018 im Fachblatt Scientific Reports veröffentlichte Studie zu E171 einen Zusammenhang zwischen dem Konsum des Zusatzstoffs und der Entstehung von Darmtumoren.

Eine im April veröffentlichte Laboranalyse kam zu dem Ergebnis, dass E171 die normale Zellfunktion stört und über längere Zeit im Magen-Darm-Trakt verweilt – und so möglicherweise den Selbstschutz-Mechanismus des Darms beschädigt.

E171 in Frankreich ab 2020 verboten
Aufgrund der Beweislage zu den Risiken von E171 hat sich Frankreich für ein Verbot des Zusatzstoffes ab dem 1. Januar 2020 entschlossen. In Deutschland darf er weiter in Lebensmitteln enthalten sein – so etwa in Tortenguss, Marshmallows, Zahnpasta und Kosmetika. Der Farbstoff ist auf der Liste der Inhaltsstoffe unter dem Namen E171 aufgeführt.

Quellen:
Pinget, G. V. et al. (2019): Impact of the food additive titanium dioxide (E171) on gut microbiota-host interaction, in: Frontiers in Nutrition.

Proquin, H. et al. (2018): Transcriptomics analysis reveals new insights in E171-induced molecular alterations in a mouse model of colon cancer, in: Scientific reports.

Dorier, Marie, et al. (2019): The food additive E171 and titanium dioxide nanoparticles indirectly alter the homeostasis of human intestinal epithelial cells in vitro, in: Environmental Science: Nano.
 

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.