E-Zigaretten – gefährlicher als Tabak?

E-Zigarette und normale Zigarette
Welche Langzeitwirkungen E-Zigaretten haben können, ist noch weitgehend unbekannt. © Alamy

US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass E-Zigaretten möglicherweise größere Nebenwirkungen haben können als normale Zigaretten.

Bisher sind Wissenschaftler und Gesundheitsexperten davon ausgegangen, dass E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich als normale Tabak-Zigaretten sind. Zwar wurden auch bei E-Zigaretten schon krebserregende Wirkungen und Zellschäden nachgewiesen, doch fielen diese in bisherigen Studien immer deutlich kleiner, als beim Tabakrauchen aus. Auch dass E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen sollen, lässt sie als vermeintlich gesündere Alternative erscheinen. Neue Forschungen deuten jetzt darauf hin, dass E-Zigaretten sogar schädlicher als herkömmliche sein könnten. 

Vergangene Studien haben bereits belegt, dass Rauchen die Expression der Gene ändert, die in den Epithelzellen des Atemtrakts für die Immunabwehr verantwortlich sind. Dies erklärt, warum Raucher häufiger unter bakteriellen Infektionen und Entzündungen der oberen Atemwege leiden.

 

E-Zigaretten sogar schädlicher als normale Zigaretten?

Eine amerikanische Studie hat jetzt die unterschiedlichen Einflüsse von E-Zigaretten und normalen Zigaretten auf unsere Gene untersucht. Es zeigte sich, dass E-Zigaretten in dieser Hinsicht weitaus größere Veränderungen verursachen als klassische Zigaretten.

Die Wissenschaftler der UNC School of Medicine untersuchten, welche Auswirkungen die zwei Arten zu rauchen auf die Gene in den Epithelzellen der Nase haben. In einem Versuch ließen sie verschiedene Gruppen aus Rauchern, Nichtrauchern und E-Zigaretten-Nutzern über einen Zeitraum von drei Wochen wie gewohnt rauchen – oder eben nicht rauchen. Nach diesem Zeitraum entnahmen sie Proben aus der Nasenhöhle der Probanden, um die Expression der für die Immunabwehr zuständigen Gene zu untersuchen.

 

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Überraschende Ergebnisse

Es zeigte sich, dass bei den E-Zigaretten-Nutzern mehr Gene an ihrer Expression gehindert waren als bei den normalen Rauchern. So waren bei den normalen Rauchern 53 Gene unterdrückt, bei den E-Zigaretten-Nutzern waren es 358. Die Nicht-Raucher wurden dabei als Vergleichsgruppe genutzt, bei ihnen waren keine Immunabwehr zuständigen Gene an der Expression gehindert worden.

Die Forscher um die Haupt-Autorin Ilona Jaspers hatten selbst nicht mit diesen Resultaten gerechnet: „Ich war wirklich überrascht von unseren Ergebnissen“, sagt Jaspers, Professorin für Pädiatrie, Mikrobiologie und Immunologie. „Wir haben die Untersuchungen deswegen sogar wiederholt.“

 

Niemand weiß, welche Langzeitwirkungen E-Zigaretten haben

Was lässt sich aus den Ergebnissen schließen? „Wir wissen, dass Krankheiten wie Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Krebs und Emphyseme viele Jahre brauchen, um sich bei Rauchern zu entwickeln“, erläutert Jaspers. „E-Zigaretten werden erst seit kurzer Zeit genutzt. Wir können nicht sagen, welche Nebenwirkungen E-Zigaretten in 10 oder 15 Jahren mit sich bringen werden. Noch sind wir dabei zu beobachten und katalogisieren, was durch die Nutzung dieser Zigaretten alles passieren könnte“.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher herausfinden, ob E-Zigaretten-Nutzer in Folge der veränderten Epithel-Zellen anders auf Grippe-Impfungen ansprechen.

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Hamburg, 23. Juni 2016

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