E-Zigarette: Rettung oder Falle?

Rasmus Cloes
Frau raucht E-Zigarette
Dürfen Gesundheitsexperten mit der Tabakindustrie zusammenarbeiten, um Raucher von der E-Zigarette zu überzeugen – und ist das überhaupt sinnvoll? © Fotolia

Bieten E-Zigaretten Rauchern einen Ausweg oder helfen Sie Tabakkonzernen nur dabei, sich ein besseres Image zuzulegen? Darüber streiten Experten erbittert. Jetzt könnte die Erfindung eines Tabak-Riesen das Blatt wenden.

 

E-Zigarette als trojanisches Pferd

Ein Artikel in der renommierten Fachzeitschrift The BMJ beleuchtet jetzt beide Seiten der Debatte. Simon Capwell, Professor für Pubic Health an der Universität Liverpool, sagt dem Blatt, dass er den Tabakfirmen misstraut. Wenn sie sich wirklich um die Gesundheit der Betroffenen sorgten, „dann müssten sie aufhören Zigaretten zu produzieren und zu 100 Prozent auf E-Zigaretten umsteigen.“ Stattdessen würden Tabakfirmen jetzt Gesundheitsdiensten eine Zusammenarbeit anbieten, um sich dort einzuschleichen. Sie nutzen die E-Zigarette als „trojanisches Pferd“.

Anders sieht das Deborah Arnott, Chefin der Hilfsorganisation „Action on Smoking and Health“ (ASH). Wenn Gesundheitswissenschaftler E-Zigaretten schlecht machen, dann „erhöht sich das Risiko, dass Raucher, die darauf umsteigen wollen, abgeschreckt werden“, so Arnott. Das sei der falsche Weg.

 

Weltweiter Streit um E-Zigarette

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt zur E-Zigarette:

„Die Inhalation der vernebelten Liquids kann die Gesundheit der Verbraucher durch Nikotin, die Vernebelungsmittel Propylenglycol oder Glycerin sowie durch Zusatzstoffe und Verunreinigungen schädigen (...)Einige physiologische Wirkungen, wie die Erhöhung des Blutdrucks, erhöhte Thromboseneigung, Ausschüttung von Stresshormonen und die vermehrte Bildung von Magensäure können ernste chronische Erkrankungen begünstigen (...)Nach Ansicht des BfR kann durch E-Rauchen auch eine Nikotinsucht ausgelöst werden, die ein späteres Tabakrauchen fördert.“

Der Streit über den Umgang mit der E-Zigarette mündete 2014 in zwei offenen Briefen an Margarete Chan, die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In dem einen forderten 56 Gesundheitsexperten, dass die WHO enger mit der Tabakindustrie zusammenarbeiten muss, um gemeinsam mit ihr die E-Zigarette zu stärken und so die Zahl der Raucher zu senken.

Kurz darauf folgte der zweite Brief, der genau davor warnte – unterzeichnet von 129 Gesundheitsexperten. Ihr Hauptargument: Die gut dokumentierte Strategie der Tabakindustrie, sich als Partner bei der Bekämpfung von Lungenkrebs und anderen Krankheiten zu präsentieren.

 

Was bringt die E-Zigarette?

Die Fronten sind klar: Von der Industrie bezahlte Experten sagen, die E-Zigarette hilft Rauchern beim Aufhören. Dem widersprechen unabhängige Experten, die eine solche Behauptung nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt sehen.

Währenddessen hat der Zigaretten-Riese British American Tobacco (BAT) mit Voke ein sogenanntes Nikotininhalationsgerät auf den Markt gebracht, dass in Großbritannien als  „zugelassenes medizinisches Produkt“ lizensiert wurde.

 

Ärzte können Voke verschreiben

Bei Voke löst sich das Nikotin ohne Hitze auf und wird darum auch offiziell nicht als E-Zigarette gehandelt. Verkauft wird es dennoch als kleiner zigarettenartiger Stift, in den Nikotinpatronen gefüllt werden. Durch die Zulassung können Ärzte Voke zur Rauchentwöhnung verschreiben. In Deutschland ist das Produkt bislang noch nicht auf dem Markt.

 

Zahl der Tabak-Toten steigt

Ob es sich in der Praxis bewährt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Doch Zweifel sind angebracht: Schließlich sterben jährlich noch immer über sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Tendenz steigend. Auch BAT schreibt zwar davon, dass sie „Tabakprodukte der nächsten Generation entwickeln wollen.“ Doch das BMJ zitiert ein Strategiepapier des Tabakherstellers, in dem er schreibt, dass herkömmlicher Tabak „Kern des Geschäfts bleibt und sie weiterhin mit Möglichkeiten für Wachstum versorgt.“

Hamburg, 26. Juni 2015

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