Durstig statt krank? Wasser, das Medikament ohne Nebenwirkungen

Redaktion PraxisVITA
Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung: Häufig ist Wassermangel Schuld
Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung: Häufig ist Wassermangel Schuld © Fotolia

Wer wenig Wasser trinkt, hat häufiger Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Erschöpfungszustände. Viel trinken ist gesund – das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch Wasser kann mehr! Der Psychologe Dr. Siegfried Lehrl erklärt, warum Wasser bei vielen Beschwerden oft die beste Medizin ist.

 

Herr Dr. Lehrl, warum vergessen wir oft, ausreichend zu trinken?



Weil wir zu spät daran erinnert werden: Wenn unser Gehirn das Signal "Durst" aussendet, liegt bereits eine akute Unterversorgung vor. Dem Körper fehlen dann bereits etwa 0,5 Liter Flüssigkeit und die geistige Leistungsfähigkeit ist um bis zu 20 Prozent eingeschränkt. Besonders ältere Menschen trinken oft zu wenig. Der Grund: Schon bei einer geringen Wasseraufnahme schaltet die Steuerzentrale für den Flüssigkeitshaushalt (sitzt im sogenannten anterioren cingulären cortex) das Durstgefühl ab – viel zu früh. Denn die zuständigen Nervenzellen arbeiten nicht mehr genau.



 

Wie stoppt Wasser Kopfschmerzen?



Schon ein Liter Wasser reicht häufig aus, um Kopfschmerzen innerhalb von ein bis maximal drei Stunden auszuschalten. Denn der Grund ist in vielen Fällen eine Unterversorgung der Nervenzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Die Zellen senden als eine Art Notruf die Schmerzsignale aus. Wasser als wichtigstes Transportmittel des Körpers stellt die Versorgung wieder her und der Schmerz verschwindet.


 

Fitmacher Wasser – wie können wir Erschöpfung bekämpfen?



Sobald Wasser vom Organismus in unseren Blutkreislauf geleitet wird, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Bluts und der Blutdruck sinkt. Dadurch muss das Herz weniger arbeiten und es steht mehr Energie für den Körper bereit. Außerdem wird mehr Sauerstoff in die Zellen transportiert, den wir zur Herstellung unserer körpereigenen Energiepakete brauchen. Wenn Sie sich schlapp und ausgelaugt fühlen – ein Liter Trinkwasser erhöht die Leistungsfähigkeit innerhalb weniger Minuten.



 

Kann Wasser Demenz-Symptome tatsächlich verschwinden lassen?



Konzentrationsstörungen, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit – gerade bei älteren Menschen führen diese Symptome schnell zur Diagnose Altersdemenz. Dabei liegt häufig nur ein Wassermangel vor, der dazu führt, dass die Signalübertragung im Gehirn gestört ist. Diese sogenannte funktionelle Demenz verschwindet in der Regel allerdings sofort, wenn wir den Flüssigkeitshaushalt wieder ausgleichen. Dazu reicht es aus, ein bis zwei Liter Wasser innerhalb einer Stunde zu trinken.



 

Welche Dosis ist für welchen Patienten die richtige?



Zweieinhalb Liter Wasser täglich sind optimal, egal ob für einen 18- oder einen 75-Jährigen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Informationsverarbeitung im Gehirn mit dieser Wasseraufnahme am besten funktioniert. Im Sommer und bei sportlichen Aktivitäten kann sich der Bedarf jedoch leicht auf bis zu vier Liter steigern.

 Lebensgefahr bei Überdosierung – ist da was dran?

 Gerade bei großer Hitze glauben viele Menschen, sie müssten besonders viel trinken. Aber man kann auch zu viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Die Folge ist dann oft eine sogenannte Hyponatriämie – ein akuter Salzmangel. Denn bei starkem Schwitzen verliert der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Salz. Wenn man dann viel Wasser trinkt, stellt sich ein Ungleichgewicht im Körper ein. Das Blut wird immer dünner – es verwässert sozusagen. Das wird auch als Wasservergiftung bezeichnet: Im Gehirn bilden sich Wasserablagerungen. Dadurch entsteht ein Überdruck. Zunächst spürt man leichte Kopfschmerzen. Verwirrtheit setzt ein, Orientierungslosigkeit, und schließlich kommt es zur Bewusstlosigkeit oder sogar zum Tod. Daher sollte der Wassermangel bei großer Hitze und beim Sport nicht nur durch reines Trinkwasser, sondern durch isotonische Flüssigkeiten mit Salzen und Mineralstoffen ausgeglichen werden.



 

Mehr als Durst löschen: Was Wasser noch kann

Eine ausreichende Wasserzufuhr kann einen erhöhten Blutdruck effektiv senken und so Folgekrankheiten wie Schlaganfällen und Arteriosklerose vorbeugen. Wasser ist außerdem ein natürliches Medikament gegen Bandscheiben-Probleme, da die Wirbelkörper in ihrem Kern aus Flüssigkeit bestehen. Wenn diese Vorräte aufgefüllt sind, ist das Risiko eines Bandscheibenvorfalls deutlich geringer. Außerdem hilft Wasser gegen Kopfschmerzen, Erschöpfung und kann sogar bestimmten Krebsarten vorbeugen.



 

Krebsvorbeugung durch Wasser?



Eine Studie mit 50 000 Testpersonen hat gezeigt, dass die tägliche Aufnahme von 2,5 Litern reinem Trinkwasser das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken, um die Hälfte verringert  – im Vergleich zu den Probanden, die weniger als 1,5 Liter tranken.



 

Wasser als natürlicher Jungmacher für die Haut?


Eine mangelnde Durchblutung unseres größten Organs und ein langsamer Stoffwechsel lassen die Haut alt aussehen. Kleine Fältchen sind oft Ursache mangelnder Elastizität. Doch bereits bei einer Wasserzufuhr von 0,5 Liter verändert sich das Hautbild: die Fältchen verschwinden, die Haut sitzt straffer und sieht vitaler aus. Denn schon zehn Minuten nach dem Trinken wird der Stoffwechsel der Haut aktiviert, das heißt, Zellen werden schneller regeneriert und erneuert.



 

Warum Wasser Osteoporose vorbeugen kann



Studien zeigen, dass schon ein Liter kalziumreiches Mineralwasser (250mg/l) täglich unsere Knochen um sieben Jahre verjüngt und einer Osteoporose vorbeugt.



 

Wie Wasser den Körper entgiftet



Sobald unser Körper Giftstoffe wie Alkohol oder Nikotin identifiziert hat, versucht er, die Substanzen zu neutralisieren und wieder auszuscheiden. Dazu benötigt er Wasser. Experten-Tipp: Ein halber Liter Wasser vor dem Frühstück unterstützt den Körper ideal bei der Entgiftung.



 

Warum Wasser so wichtig für den Magen ist



Sodbrennen, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre – eine Studie mit mehr als 3000 Patienten belegt den Zusammenhang mit einer zu geringen Aufnahme von reinem Trinkwasser.



 

Wasser – der natürliche Frostschutz des Körpers



Sie frieren häufig und selbst dann, wenn es eigentlich warm genug ist? Dagegen hilft in einigen Fällen schon ein halber Liter Wasser. Denn unser Organismus reguliert die Körperwärme in erster Linie durch Wasser. Es ist unser wichtigster "Wärmelieferant".



 

Warum Wasser Infektionen verhindert



Krank fühlen - durstig sein
Manchmal fühlen wir uns krank – obwohl wir in Wahrheit einfach nur durstig sind© Corbis

Wasser schützt unsere Schleimhäute vor dem Austrocknen. Dadurch können Viren und Bakterien schnell und sicher abtransportiert werden. Deshalb raten Ärzte bei Erkältungen besonders dazu, ausreichend zu trinken, um Folgeinfektionen zu vermeiden.



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