Durchfall bei Kindern: Was hilft?

Durchfall bei Kindern kann für die Eltern sehr beunruhigend sein. Ist er für das Kind gefährlich und was können Eltern dagegen tun? Die Kinderärztin Dr. med. Nadine McGowan klärt die wichtigsten Fragen.

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Das sagt Kinderärztin Dr. McGowan:

Durchfall bei Kindern tritt besonders häufig im Kleinkindalter auf, da das Immunsystem von kleinen Kindern gegen viele mögliche Verursacher von Magen-Darm-Erkrankungen noch keine Abwehrkräfte ausgebildet hat. In der Regel handelt es sich dabei um Viren wie Rota-, Noro- oder Adenoviren. Eltern sollten allerdings nicht in Panik verfallen, wenn ihr Kind sich angesteckt hat.

Was hilft gegen Durchfall bei Kindern?

Am wichtigsten ist es, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Am besten geht das mit Wasser und Kräuter- oder Früchtetees – gegebenenfalls auch leicht gesüßt. Oder mit sogenannten Rehydratationslösungen oder -pulvern, die in Wasser aufgelöst werden und in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. Diese Rehydratationspräparate enthalten diverse Elektrolyte, die dem Körper bei Durchfall verloren gehen, teilweise zusätzlich noch Lactobazillen, die die gestörte Darmflora schneller wieder aufbauen und so die Durchfallzeit verkürzen können.

Durchfall bei Kindern muss nicht mit spezieller Heilnahrung oder Schondiäten behandelt werden. Natürlich sollte aber darauf geachtet werden, dass der Bauch nicht mit schwer verdaulicher und/oder sehr fettreicher Nahrung belastet wird. Empfehlenswert sind dagegen Zwieback, Salzstangen, ein geraspelter Apfel, gequetschte Bananen, gestampfte Möhren und Kartoffeln. Die im geriebenen Apfel enthaltenen Pektine wirken beispielsweise stuhlaufquellend und lindern so den Durchfall.

Durchfall beim Kleinkind: Wann zum Arzt?

Wenn diese Maßnahmen kaum helfen oder der Durchfall sehr stark wässrig ist, sollten Sie stets einen Arzt aufsuchen – wenn es sich um einen Säugling oder ein Kleinkind handelt am besten innerhalb von 24 Stunden. Auch, wenn es zu Fieber kommt, sehr starke Bauchschmerzen bestehen oder Blut im Stuhl ist, sollte – egal ob Kind oder Erwachsener – ein Arzt konsultiert werden.

Durchfall: Kinder sind von Austrocknung gefährdet

Wenn Durchfall bei Kindern oder Babys zusammen mit Erbrechen auftritt, wird der Kinderarzt immer auf folgende Zeichen der Austrocknung achten:

  • erniedrigter Hautturgor (hebt man die Bauchhaut mit zwei Fingern an, bleibt bei starkem Flüssigkeitsmangel eine „stehende Hautfalte“ zurück, wenn man wieder loslässt)
  • eingefallene große Fontanelle
  • trockene Schleimhäute (sehr trockener Mund, kaum Tränenbildung)
  • keine Urinproduktion mehr

Ist die Austrocknung so stark, dass eines der beschriebenen Symptome auftritt, wird der Kinderarzt wahrscheinlich eine Einweisung ins Krankenhaus empfehlen, damit die fehlende Flüssigkeit über eine Infusion wieder ersetzt werden kann. Manchmal ist das unausweichlich – aber kein Grund zu übertriebener Sorge. Erkrankungen mit Rotaviren führen bei kleinen Kindern einfach häufiger zu schweren Magen-Darm-Infektionen mit so starkem Flüssigkeitsverlust, dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird.

Kann eine Impfung schützen?

Mittlerweile empfehle ich – wie auch die STIKO des Robert-Koch-Institus – eine Schluckimpfung gegen Rotaviren, die ab der 8. Lebenswoche 2-3mal (je nach Präparat) im Abstand von je vier Wochen verabreicht wird und eine schwere Infektion, die im Krankenhaus behandelt werden muss, in mehr als 90 Prozent der Fälle verhindert. Alle Versicherungen zahlen diese Impfung.

Durchfall beim Kleinkind: Helfen Medikamente?

Medikamente gegen Durchfall mit Wirkstoffen wie Loperamid dürfen auf keinen Fall bei Kindern unter zwei Jahren angewendet werden und bei Kindern zwischen 2-12 Jahren nur nach ärztlicher Verordnung, denn es drohen schwere Nebenwirkungen. Auch bei Erwachsenen ist die Einnahme solcher Tabletten nicht immer empfehlenswert. Der Grund: Durchfall ist auch eine Schutzmaßnahme des Körpers, um Viren oder Bakterien schnell aus dem Körper herauszubefördern.

In der Regel geht der Durchfall bei Kindern auch ohne Medikamente wieder weg – die Einnahme von Medizin sollte in jedem Fall nur nach Anweisung eines Arztes erfolgen.