Durchbruch in der Migräne-Therapie?

Eine Frau hat Kopfschmerzen
Ein Mittel, das Migräneattacken vorbeugen kann – daran forschen Wissenschaftler zurzeit © Fotolia

Eine neue Wirkstoffklasse von Migränemedikamenten macht Medizinern Hoffnungen. Das Besondere an den neuen Mitteln: Sie wirken vorbeugend und können die Häufigkeit von Migräneattacken deutlich verringern.

Mediziner erforschen bereits seit Längerem die Migräne-Behandlung mit sogenannten CGRP-Antagonisten – jetzt liefert eine aktuelle US-Studie weitere Argumente für den Einsatz der neuen Wirkstoffe.

 

So wirken CGRP-Antagonisten

Das sogenannte Calcitonin-Gene related Peptide ist ein Botenstoff, der während eines Migräneanfalls freigesetzt wird. Mediziner vermuten, dass er die Arterien im Gehirn erweitert und so den Migräneschmerz verstärkt. Ein früherer Ansatz, den Botenstoff durch ein spezielles Molekül zu blockieren, wurde wegen einer möglichen schädlichen Wirkung für die Leber wieder verworfen.

Daraufhin schlugen Wissenschaftler einen anderen Weg ein: Sie entwickelten einen Antikörper, der den Botenstoff so „markiert“, dass er vom eigenen Immunsystem als Feind erkannt und bekämpft wird.

 

Neue Medikamente in der Testphase

Vier Medikamente von drei US-amerikanischen und einem israelischen Hersteller befinden sich zurzeit in Phase-II-Studien – das bedeutet, sie werden erstmals an Patienten getestet. Alle vier Wirkstoffe wirkten in den Versuchen bisher besser als Placebos. Zwei konnten bei rund der Hälfte der Probanden die Häufigkeit der Migräneattacken halbieren.

„Diese Entwicklung ist ein einschneidender Moment in der Migräne-Behandlung“, sagt Peter J. Goadsby, Mitverantwortlicher des jährlichen Kongresses der American Headache Society, auf dem die Studienergebnisse vorgestellt werden.

 

Frühere Studien mit CGRP-Antagonisten

Im vergangenen Jahr hatten zwei US-Studien zur Wirksamkeit von CGRP-Antagonisten für Aufmerksamkeit gesorgt. In der ersten Studie berichteten Probanden, die eine einmalige Injektion mit dem Antikörper erhielten, in den Wochen fünf bis acht nach Therapiebeginn im Schnitt von 5,6 weniger Migränetagen pro Monat (ein Rückgang von 66 Prozent) – in der Placebogruppe waren es 4,6 Tage (52 Prozent). Nach zwölf Wochen hatten sich in der Antikörper-Gruppe bei 60 Prozent die Migräneattacken halbiert, in der Placebogruppe war das nur bei 33 Prozent der Fall. Bei 16 Prozent der Probanden, die das Medikament erhielten, verschwanden die Anfälle sogar komplett – ein solcher Fall trat in der Placebogruppe nicht ein. Leichte Nebenwirkungen wie Atemwegsinfektionen, Übelkeit, Erbrechen und Rückenschmerzen traten in beiden Gruppen annähernd gleich häufig auf – das legt den Schluss nahe, dass das Mittel gut verträglich ist.

In der zweiten Studie bekamen Migränepatienten alle zwei Wochen Injektionen mit einem CGRP-Antagonisten. Sie mussten nach zwölf Wochen im Schnitt 4,2 weniger Migränetage pro Monat ertragen (ein Rückgang um 63 Prozent), in der Kontrollgruppe traten monatlich drei Migränetage (42 Prozent) weniger auf. In dieser Studie kamen Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Atemwegsinfektionen und Schmerzen an der Injektionsstelle in der Antikörper-Gruppe häufiger vor als in der Kontrollgruppe.

Experten rechnen damit, dass Medikamente der neuen Wirkstoffklasse in frühestens zwei Jahren auf den Markt kommen.

Als sicherste Vorbeugemethode bei Migräne gilt es bisher, Auslöser einer Attacke zu vermeiden – die besten Tipps dazu finden Sie hier.

Hamburg, 18. Juni 2015

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