Durchbruch: Blutgruppe A in Blutgruppe 0 umgewandelt

Verena Elson Medizinredakteurin

Blut der Gruppe 0 ist besonders wertvoll: Denn dieses Blut verträgt jeder Mensch – egal, welche Blutgruppe er hat. Leider herrscht häufig eine Knappheit an Blutkonserven der Blutgruppe 0. Kanadische Forscher haben für dieses Problem jetzt womöglich eine Lösung gefunden.

Blutkonserven
Blutspenden der Blutgruppe 0 können alle Menschen erhalten – Forscher haben jetzt eine Methode gefunden, Blut der Gruppe A in Blut der Gruppe 0 umzuwandeln Foto:  toeytoey2530/iStock

Immer wieder gibt es Meldungen über einen Notstand an Blutspenden. Das Problem: Nicht jeder Mensch verträgt jede Blutgruppe. Menschen mit der Blutgruppe 0 können etwa kein Spenderblut der Gruppe A oder B erhalten. Denn bei diesem Blut sitzen sogenannte Antigene auf den Oberflächen der Blutkörperchen. Aufgrund dieser Antigene nimmt das Immunsystem des Empfängers die Blutkörperchen als „feindliche Eindringlinge“ wahr und bekämpft sie – so werden die Blutkörperchen zerstört. Einzig Blut der Gruppe 0 wird von jedem Menschen vertragen, denn dieses Blut enthält keine Antigene. Das Immunsystem des Empfängers sieht es darum nicht als „Eindringling“ an.

 

Mit Darmenzymen Blutgruppe A in Blutgruppe 0 umgewandelt

Wissenschaftler forschen seit Langem nach einem Weg, den Vorrat an Blutgruppe-0-Konserven zu vermehren, ohne, dass mehr Menschen Blut spenden. Die Idee: Blut der Gruppen A und B in Blut der Gruppe 0 umzuwandeln. Was den Forschern bisher fehlte, war das richtige „Werkzeug“ für dieses Vorhaben. Sie suchten nach einem Enzym, das die Antigene von den Blutkörperchen der Gruppen A und B abspalten kann, sodass Blutkörperchen der Gruppe 0 übrigbleiben.

Forscher um um Peter Rahfeld an der University of British Columbia in Vancouver wurden jetzt fündig bei der Suche nach einem solchen Werkzeug – und zwar im menschlichen Darm. Der Hintergrund ihrer Entdeckung war folgende Beobachtung: Die Antigene auf den Blutkörperchen von Blut der Gruppen A und B bestehen aus Zuckermolekülen. Von ebensolchen Zuckermolekülen ernähren sich einige Bakterien, die den menschlichen Darm besiedeln. Theoretisch müssten diese Bakterien also Enzyme besitzen, die in der Lage sind, die Zuckermoleküle von den Blutkörperchen „abzubeißen“.

In einer Datenbank für Darmbakterien wurden Rahfeld und sein Team tatsächlich fündig: Sie identifizierten ein Darmbakterium (Flavonifractor plautii), dass zwei Enzyme herstellt, die als „Schere“ für Blutkörperchen der Gruppe A dienen.

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Universelles Spenderblut: Weitere Tests notwendig

Im Labor gelang es den kanadischen Wissenschaftlern, mit einer sehr geringen Konzentration des Enzympaars Blut der Gruppe A in Blut der Gruppe 0 umzuwandeln und die Enzyme danach wieder aus dem Blut zu entfernen; bei Blut der Gruppe B funktionierte die Methode nicht. Dennoch wäre die Methode eine große Hilfe bei der Bekämpfung der Blutspenden-Knappheit – wenn sie sich als sicher und in der Praxis umsetzbar herausstellt. Das müssen weitere Tests nun zeigen: Essenziell ist etwa der Beweis, dass mit dem Verfahren wirklich alle Antigene aus dem Blut entfernt werden. Nur so wird sichergestellt, dass die aufbereitete Blutspende für jeden verträglich ist.

Quelle:
Rahfeld, P. et al. (2019): An enzymatic pathway in the human gut microbiome that converts A to universal O type blood, in: Nature Microbiology.

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