Dunkler Urin: Ursachen und Behandlung

Christina Liersch

Täglich scheiden wir ein bis eineinhalb Liter Urin über die Nieren aus. Häufig schenken wir dem aber zu wenig Beachtung, obwohl Geruch und Farbe viel über Gesundheit und Krankheit verraten. Praxisvita erklärt, was es mit dunklem Urin auf sich hat und welche Farbunterschiede es gibt.

Inhalt
  1. Farben des Urins
  2. Nahrungsmittel, die den Urin verändern können (Beispiele):
  3. Orangefarbener bis brauner Urin
  4. Brauner bis schwarzer Urin
  5. Roter Urin
  6. Grüner oder blauer Urin
  7. Urinteststreifen: Schnelle Erstdiagnostik
  8. Was macht der Arzt?
  9. Behandlung
 

Farben des Urins

Ein heller oder gar farbloser Urin ist das Ideal unter den verschiedenen Farben. Er steht dafür, dass ausreichend bis viel getrunken wird und keine Erkrankungen, z.B. der Galle oder Leber, vorliegen. Anders ist es bei bernsteinfarbenem oder braunem Urin. Der Körper zeigt dabei erste Anzeichen einer Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) an. Bleibt der Urin trotz gesteigerter Flüssigkeitszufuhr dunkel, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen, da oft eine Erkrankung dahinter steckt.

Aussehen und Geruch des Urins geben Aufschluss über den Gesundheitszustand eines Patienten
Aussehen und Geruch des Urins geben Aufschluss über den Gesundheitszustand eines Patienten © iStock/geoleo
 

Nahrungsmittel, die den Urin verändern können (Beispiele):

  • Rote Bete (rot)
  • Blaubeeren (rot)
  • Brombeeren (rot)
  • Karotten (orange)
  • Hochdosiertes Vitamin B (neongelb)
  • Spargel (Geruch)
Blaubeeren in einer Schale auf einem Holztisch
Der Pflanzenfarbstoff Anthocyane, der in den Blaubeeren vorkommt, kann bei übermäßigem Verzehr den Urin verfärben. © iStock/Kuvona
 

Orangefarbener bis brauner Urin

Ist der Urin orange bis braun gefärbt, kann das zunächst ein Zeichen für eine zu geringe Trinkmenge sein. Ändert sich die Farbe trotz Flüssigkeitszufuhr nicht, kann der Urin auf eine Erkrankung der Leber, z.B. Hepatitis A, B, C, D oder E hindeuten. Die Krankheit tritt manchmal ohne erkennbare Symptome auf und kann unentdeckt zu einem Leberschaden führen. Weitere Ursachen für dunklen Urin: eine Leberzirrhose oder auch Gelbsucht (Ikterus). Auch die Galle kann verantwortlich sein, wenn der Gallenfarbstoff Bilirubin vermehrt ausgeschieden wird. Das geschieht, wenn der Gallengang durch zum Beispiel Gallensteine verschlossen oder entzündet ist. Auch das Antibiotikum Nitrofurantoin kann den Urin verfärben.

 

Brauner bis schwarzer Urin

Wenn der Urin braun oder schon schwarz gefärbt ist, sind häufig die Wirkstoffe L-Dopa oder alpha-Methyldopa verantwortlich, die zum Beispiel in Medikamenten für Parkinson zu finden sind. Zudem weist sehr dunkler Urin auf die Stoffwechselerkrankung Alkaptonurie hin, bei der sich die Haut bläulich färbt. Doch auch schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) verfärbt den Urin, da im fortgeschrittenen Stadium das Pigment Melanin in den Urin gelangt.

 

Roter Urin

Ein rot gefärbter Urin kann auf Blut (Hämaturie) hindeuten. Die Ursachen dafür können Nierenerkrankungen wie Nierensteine oder eine Nierenentzündung sein, aber auch Harnwegsinfekte, sowie Nebenwirkungen von Medikamenten, Gefäßerkrankungen oder Fremdkörper in der Harnröhre. Um eine behandlungsbedürftige Erkrankung auszuschließen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Manchmal ensteht rötlicher Urin aber auch durch eine große Menge Roter Bete oder Brombeeren, sowie durch das Antibiotikum Rifampicin. Ebenso kann das Muskelprotein Myoglobin für roten Urin sorgen. Das Protein wird nach einer Muskelschädigung, z.B. bei einer Quetschung, abgebaut und ausgeschieden.

 

Grüner oder blauer Urin

Diese Art der Färbung ist sehr selten und wird durch Arzneimittelstoffe wie Amitriptylin (Antidepressiva), Indometacin (Antirheumatika), Mitoxantron (Krebs-Therapie) oder Propofol (Narkotika) verursacht. Aber auch Multivitaminpräparate, sowie genetische Erkrankungen oder Infektionen können den Urin grün oder blau färben.

Teststreifen für Urinschnelltest mit Urinprobe und Farbfeldern zum Auswerten
Jedes Farbfeld steht für je einen gemessenen Stoff und gibt Auskunft, wie hoch oder niedrig dieser im Urin konzentriert ist. © iStock/ 10174593_258
 

Urinteststreifen: Schnelle Erstdiagnostik

Um über den Urin schnell Auskunft zu bekommen, helfen sogenannte Urinteststreifen aus der Apotheke weiter. Sie liefern in kurzer Zeit Informationen über wichtige Inhaltsstoffe und geben Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen.

Der Teststreifen misst im Urin die Konzentration von:

  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
  • Eiweiß
  • Ketonen (Abbauprodukt von Fettsäuren)
  • Glucose (Zucker)
  • sowie den pH-Wert

Welche Aussagen trifft der Schnelltest?

Der Schnelltest besteht aus einem Streifen mit verschiedenen Feldern, die sich bei Kontakt mit Urin verfärben. Bei der Auswertung sieht der Nutzer anhand unterschiedlicher Farbabstufungen, wie sein Urin zusammengesetzt ist. Ein hoher Zuckergehalt kann zum Beispiel auf Diabetes hinweisen, viele Ketone können ein Zeichen für zu wenig Insulin sein. Sind viele Werte auffällig verändert, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen.

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Was macht der Arzt?

Der Arzt, ein Urologe oder Nephrologe, nimmt eine Urinprobe ab und untersucht sie zunächst mit einem Teststreifen. Anschließend wird in der Probe unter einem Mikroskop nach Bestandteilen gesucht, die nicht in den Urin gehören. Das können z.B. Bakterien sein, die auf einen Harnwegsinfekt schließen lassen. Manchmal ist es auch sinnvoll, die Harnstoffkonzentration zu messen. Dafür sammelt der Patient 24 Stunden lang seinen Urin in bestimmten Behältnissen. Die Analyse gibt Rückschlüsse auf die Filterleistung der Nieren.

 

Behandlung

Um auf dunklen Urin richtig zu reagieren, sollte zunächst die Ursache dafür geklärt werden. Oft ist es ein harmloser Flüssigkeitsmangel, welcher sich schnell beheben lässt, manchmal aber auch eine behandlungsbedürftige Krankheit. Daher sollte neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr auch viel Wert auf einen gesunden Lebensstil ohne viel Alkohol oder vermeidbare Medikamente gelegt werden. Bei den zwei häufigsten Ursachen für dunklen Urin, der Erkrankung der Leber und Gallenblase, wird der Patient mit Mediakamenten behandelt. Bei einer Entzündung verschreibt der Arzt ein Antibiotikum. Dagegen werden Gallensteine meist mit einer OP oder Spiegelung entfernt, zu einem späteren Zeitpunkt häufig auch die Gallenblase, da Gallensteine ein wiederkehrendes Problem sind.

 

 

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