Dünn um jeden Preis – Warum Magersucht so gefährlich ist!

Hilfe und Unterstützung von guten Freunden bei Magersucht
Hilfe und Unterstützung von guten Freunden ist ein Eckpfeiler der Therapie bei Magersucht © Fotolia

„Alle aus meiner Klasse sind viel dünner als ich!" "Die Mädchen im TV sind superschlank, so will ich auch aussehen!" "Nur wer dünn ist, findet einen Freund!" So denken viele Jugendliche. Das Verrückte dabei: Die meisten von ihnen haben eine ganz normale Figur! Trotzdem finden sie sich fett und hässlich und wollen immer mehr abnehmen. Die Gefahr dabei: Dieser Weg führt häufig in die Magersucht!

Studien zeigen, dass die Hälfte aller befragten Mädchen zwischen elf und 17 Jahren bereits eine Diät gemacht hat. Auch jeder zehnte Junge hat schon versucht, auf diese Weise abzunehmen. Das Problem ist, dass aus dem Wunsch, Gewicht zu verlieren, Magersucht werden kann. Die tägliche Menge an Kalorien, die ein/e gesunde/r Jugendliche/r benötigt, hängt von Alter und Größe ab, beträgt jedoch auf jeden Fall mindestens 1.500 Kalorien täglich. Doch Magersüchtige liegen weit darunter!

 

Was ist Magersucht?

Diese Krankheit (lateinisch: Anorexia nervosa) ist eine Essstörung, von der vor allem Mädchen und junge Frauen, aber auch ca. zehn Prozent Jungen betroffen sind. Sie haben nur ein Ziel: so viel wie möglich abzunehmen, häufig sogar bis zur lebensbedrohlichen Unterernährung! Dünn-Sein wird zum einzigen Lebensinhalt. Das Problem: Sogar wenn die Mädchen und Jungen bereits starkes Untergewicht haben, empfinden sie sich immer noch als zu dick. Denn sie können ihr Aussehen nicht mehr realistisch einschätzen. Man nennt das Körperschema-Störung.

 

Die Ursachen

Viele Mädchen und Jungen wollen so dünn sein wie ihre Vorbilder aus der Schule oder die Models in Mode-Zeitschriften. Sie reden sich ein, ebenfalls beliebt und erfolgreich zu werden, aber erst, wenn sie in Kleidergröße 34 (Size O) passen – ein schrecklicher Irrglaube! Oft stacheln sich Mädchen auch untereinander an, wer von ihnen am längsten ohne Essen durchhält, am stärksten abnimmt, die Dünnste ist. Andere Jugendliche beginnen zu hungern, weil sie etwas übergewichtig waren, deshalb kritisiert oder gehänselt wurden – und kommen dann nicht mehr davon weg.

Das Schlimme daran: Ca. 10 bis 15 Prozent der an Magersucht erkrankten Jugendlichen hungern sich bis in den Tod!

 

Typisches Verhalten von essgestörten Mädchen und Jungen

Die Betroffenen:

  • empfinden kein Gefühl für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse, sondern erleben ihn als Feind
  • sind oft sehr ehrgeizig und leistungsorientiert
  • kontrollieren ständig ihr Gewicht und jeden Bissen, den sie zu sich nehmen
  • essen nur winzige Mengen und diese extrem langsam und nach bestimmten strengen Ritualen (z.B. nur im Stehen oder nur zu einer bestimmten Tageszeit)
  • spucken das gekaute Essen häufig aus, anstatt es zu schlucken. Oder sie erbrechen es später wieder. Magersucht führt häufig zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
  • beschäftigen sich ständig mit Nahrungsmitteln und den darin enthaltenen Kalorien
  • kochen gern für andere, essen jedoch nicht mit ihnen
  • treiben häufig extrem viel Sport – bis zur völligen Erschöpfung
  • quälen ihren Körper zusätzlich mit Abführmitteln

In Deutschland leiden ca. 820.000 Menschen an Magersucht. Meist sind es 14- bis 18-jährige Mädchen. Bei den Jungen sind es zehn Prozent.

Das sind die Folgen:

Jugendliche, die über längere Zeit hungern, bekommen gesundheitliche Probleme wie:

 

Ist Magersucht heilbar?

Ja. In den meisten Fällen können Jugendliche wieder ganz gesund werden. Eine Psychotherapie, die im Einzelgespräch und auch mit anderen Jugendlichen in einer Gruppe stattfinden kann, begleitet die Betroffenen auf ihrem Weg zurück zum normalen Essverhalten. Das dauert meist mehrere Monate.

Zusätzlich lernen Magersüchtige bei einer Ernährungs-Beratung, ihren Körper wieder ausreichend und mit gesundem, ausgewogenem Essen zu versorgen.

So kannst Du Deiner Freundin/Deinem Freund helfen: Wenn Du vermutest, dass Dein/e Freund/in magersüchtig ist, sprich es an! Sag, was Dir auffällt und dass Du Dich sorgst. Aber mach es Dir nicht zur Aufgabe, sie oder ihn zu einer Therapie zwingen zu wollen. Das funktioniert nicht. Denn erst wenn das Mädchen/der Junge selbst einsieht, dass sie/er Hilfe braucht, wird sie/er diese annehmen können. Wenn Du magst, dann biete an, sie/ihn zu einer Essberatungs-Stelle zu begleiten.

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