Dritte Welle: Wieler hält 100.000 Neuinfektionen täglich für möglich

Daphne Sekertzi

Auf der heutigen Pressekonferenz stimmten Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler die Bevölkerung auf die nächsten Wochen ein und gaben dabei eine düstere Prognose ab: Die dritte Pandemie-Welle könnte die ersten beiden Wellen weit übertreffen. Über 100.000 Neuinfektionen täglich seien möglich, wenn jetzt nicht gegengesteuert werde.

Inhalt
  1. Spahn: Ostern nur im kleinsten Kreis feiern
  2. Überlastung des Gesundheitssystems droht
  3. Wieler: Über 100.000 Neuinfektionen pro Tag möglich
  4. Impfkampagne schreitet weiter voran

Jeden Freitag halten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, eine Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage ab. Das Besondere der heutigen Konferenz: Sie war die letzte vor den Oster-Feiertagen.

Die Befürchtungen sind groß, dass durch private Zusammenkünfte das Infektionsgeschehen in Deutschland weiter zunehmen könnte. Entsprechend eindringlich waren die Appelle von Spahn und Wieler. Denn in den nächsten Wochen könnte sich die Lage dramatisch zuspitzen.

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Spahn: Ostern nur im kleinsten Kreis feiern

Spahn betonte, dass man am „am letzten Teil des Pandemie-Marathons angekommen“ sei, dieser werde aber noch länger andauern. Es sei „gerade eine sehr, sehr schwere Zeit“, allerdings sollen die bereits „zurückgelegten Kilometer“ nicht umsonst gewesen sein. Die erste heute unterzeichnete Einreiseverordnung, wonach Flugreisen nach Deutschland nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich sein werden, sieht Spahn nicht als „Game-Changer“ für die Oster-Zeit.

Es komme auf das Verhalten der Bürger an. Daher ruft Spahn diese dazu auf, besonders an Ostern, aber auch in der Zeit davor und danach, Treffen im kleinsten Kreis und wenn möglich draußen abzuhalten. Drinnen sollten Zusammenkünfte „idealerweise“ nur mit Maske erfolgen.

 

Überlastung des Gesundheitssystems droht

Spahn erklärte, dass die hohen Infektionszahlen und die ansteckenderen Virus-Mutationen, allen voran B.1.1.7, die derzeitige Lage gefährlich machen würden. Mit der Zahl der Neuinfektionen steige derzeit auch wieder die Zahl der Menschen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssten. Dadurch bestehe nun die Gefahr, „dass das Gesundheitssystem im Laufe des Aprils an seine Belastungsgrenzen kommt“. Man müsse davon ausgehen, dass es ähnlich hohe Zahlen wie im Winter geben wird.

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Wieler: Über 100.000 Neuinfektionen pro Tag möglich

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, verdeutlichte den Ernst der Lage und wählte dafür drastische Worte. Es gebe starke Anzeichen dafür, dass die dritte Welle „die erste und zweite übertreffen“ könnte. Über 100.000 Neuinfektion pro Tag seien im Bereich des Möglichen, wie der RKI-Chef auf Nachfrage hin bestätigte.

Wieler zufolge müsse auch damit gerechnet werden, dass „viele Menschen sterben werden“. Alles deute darauf hin, dass sich die Situation in den nächsten Wochen verschlimmern werde: „Wenn wir nicht sofort massiv gegensteuern, werden die Folgen gravierend sein“.

Die dritte Welle könne zwar nicht mehr verhindert werden, aber wenigstens ließen sich die Folgen abschwächen. Wieler fordert: „Wir müssen jetzt sofort Ansteckungen verhindern.“ Derzeit würden sich besonders Berufstätige sowie Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus infizieren. Nur durch Kontaktreduktion könne die dritte Welle gebrochen werden. Zusätzlich müsse so schnell wie möglich geimpft werden, da Mutationen eine Zweitinfektion möglich machen, so Wieler.

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Impfkampagne schreitet weiter voran

Spahn erklärte, dass aktuell über 10 Prozent der deutschen Bevölkerung ihre erste Impfung erhalten hätten, die zweite Impfung hätten inzwischen drei Millionen Menschen bekommen. Außerdem werden für den April 15 Millionen Impfdosen erwartet, sodass die Impfkampagne weiter an Dynamik gewinne.

Dass das Impfen seine Wirkung entfalte, sei daran erkennbar, dass die Inzidenz in der Gruppe der über 80-Jährigen stark gesunken sei und es immer seltener zu Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen komme. Umso wichtiger sei es, „Impftermine nicht verfallen zu lassen“ und diese auch Menschen der zweiten Priorisierungsgruppe anzubieten, appellierte Spahn an die Länder.

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Auch wenn die Impfkampagne immer weiter voranschreite, bedeute dies allerdings nicht, dass die AHA-Regeln nicht mehr gelten, betonte Wieler. In der Pandemie-Bekämpfung gehe es darum, dass „alle mitmachen.“ An die Bevölkerung gerichtet bittet der RKI-Chef: „Schützen Sie sich bitte konsequent mit den Regeln, die wir seit einem Jahr haben“.

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