Dreimonatskolik: Wenn das Baby ständig schreit

Dr. med. Nadine Hess

Wenn das Baby ständig und ohne erkennbaren Grund schreit, ist das eine große Belastung. Hinter dem Phänomen kann die sogenannte Dreimonatskolik stecken. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, was das bedeutet und wie Eltern Schreibabys beruhigen können.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „ Ein Kinderarzt sollte prüfen, ob das Baby krank ist, bevor die Dreimonatskolik als Grund für ständiges Schreien festgelegt wird.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Bei der Dreimonatskolik handelt es sich nicht direkt um eine Krankheit des Babys, sondern eher um einen Zustand, der vor allem in den ersten drei Lebensmonaten auftritt. Dabei schreien die Babys extrem viel, ohne dass ein richtiger Grund erkennbar wäre. Häufig beginnt das Schreien nach den Mahlzeiten oder in den Abendstunden: Dabei ist der Bauch des Säuglings meist aufgebläht und sein Gesicht rot. Für Eltern ist die Dreimonatskolik sehr belastend, da sich das Kind kaum beruhigen lässt.

 

Warum schreit mein Baby so viel?

Säuglinge lernen jeden Tag dazu und müssen immer wieder neue Eindrücke verarbeiten: Es prasseln visuelle und akustische Reize auf das Kind ein. Besonders nach etwa einem Monat, wenn es besser sehen kann, nehmen diese Reize noch einmal zu – und können das Baby überfordern, was es durch Schreien deutlich macht. Und das wird schlimmer, wenn das Kind den ganzen Tag über immer wieder neue Reize verarbeiten muss. Beispielsweise durch den Besuch anderer Menschen und lange Spaziergänge an fremden Orten. Wenn das Baby dadurch überfordert wird und schreit, kommt Luft in den Bauch, was wiederum Schmerzen auslöst. Und das Geschrei wird nur noch lauter. Um das zu vermeiden, minimieren Sie die Reize: Weniger Besuch und Programm sorgen dafür, dass sich das Kind erholen kann.

 

Dreimonatskolik oder Krankheit?

Sie sind nicht sicher, ob Ihr Baby krank ist oder unter der Dreimonatskolik leidet? Um das herauszufinden, sollten zunächst einmal typische Gründe, aus denen ein Baby schreit, ausgeschlossen werden. Kontrollieren Sie, ob das Baby einfach nur Hunger hat, die Windeln nass sind oder ob es vielleicht zu kalt oder zu warm ist. Auch Krankheiten können der Auslöser für das ständige Schreien sein: Überprüfen Sie, ob der Säugling zum Beispiel Fieber hat und lassen Sie ihn im Zweifel von einem Kinderarzt untersuchen. Können so auch organische Ursachen ausgeschlossen werden, gilt es in erster Linie, Methoden zu finden, um das Kind zu beruhigen. Allerdings schlägt nicht jede Behandlung gegen die Dreimonatskolik bei jedem Säugling an. Eltern sollten sich daher nicht entmutigen lassen, wenn das Schreien nicht augenblicklich aufhört, sondern andere Tipps testen.

Dreimonatskolik
Die Dreimonatskolik ist zwar keine Krankheit des Babys, kann für Kinder und Eltern aber trotzdem sehr belastend sein© Alamy
 

Wie kann ich mein Baby beruhigen?

Oft beruhigt sich das Baby, wenn es nah am Körper gehalten und herumgetragen wird. Da Kinder außerdem mit einem vollständig entwickelten Gehör auf die Welt kommen, reagieren sie auf Geräusche – besonders auf die bekannten Stimmen der Eltern. Singen oder summen Sie dem Säugling also gern etwas vor. Auch eine sanfte Massage wirkt entspannend: Massieren Sie dem Kind dabei mit dem Daumen vorsichtig im Uhrzeigersinn über den Bauch. Es gibt zur Beruhigung von Babys sogar spezielle Apps, die das sogenannte weiße Rauschen abspielen – die Töne erinnern den Säugling an die Geräusche, die es schon im Mutterleib hören konnte. Außerdem sollte sich für mindestens eine halbe Stunde immer die gleiche Person um das weinende Baby kümmern – wird es ständig von der Mutter zum Vater und zurück gereicht, macht es das nur noch unruhiger. Manchmal hilft es auch, zusammen mit dem Kind in die Badewanne zu steigen.

 

Wie kann ich ständigem Schreien vorbeugen?

Für Babys ist ein geregelter Alltag wichtig. Legen Sie das Kind beispielsweise immer zur selben Zeit schlafen. Auch bei der Fütterung braucht es Ruhe: Lassen Sie ihm Zeit und achten Sie darauf, dass das Baby ausreichend trinkt und anschließend richtig aufstößt. Stillende Mütter können probeweise auch Lebensmittel und Gewürze von ihrem Speiseplan streichen, die aufblähend wirken, um zu kontrollieren, ob das Kind darauf reagiert. Zu diesen Speisen zählen beispielsweise Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch und Paprika sowie Gewürze wie Pfeffer. Treten bei dem Baby vermehrt Blähungen auf, kann der Kinderarzt auch spezielle Tropfen verschreiben, die beispielsweise die Gasblasen im Bauch auflösen. Nach etwa drei Monaten nimmt die Dreimonatskolik dann meist genauso schnell ab, wie sie angefangen hat – nur bei etwa zwei bis vier Prozent der Kinder setzt sich das extreme Schreien bis zum etwa sechsten Lebensmonat fort.

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